Afimico Pululu ist überrascht, als er am 15. Juni liest, dass Kemal Ademi zum FC Basel wechselt. 17 Tage zuvor hatten die beiden mit Xamax in der Barrage gegen Aarau ein 0:4 aus dem Hinspiel wettgemacht und den Klassenerhalt im Penaltyschiessen gesichert. «Wir waren in Neuchâtel auch abseits des Platzes oft zusammen unterwegs, in der Stadt oder zum Essen. Vom Transfer wusste ich aber nichts. Warum er mir nichts gesagt hat, weiss ich nicht», sagt Pululu heute und lacht, als er sich zurückerinnert. «Ich habe ihm aber natürlich sofort gratuliert und ihn herzlich willkommen geheissen.»

Der heute 20-jährige Pululu spielt seit der U16 beim FC Basel, startete aber erst in der vergangenen Rückrunde als Leihspieler bei Xamax so richtig durch. In der Romandie war Pululu Stammspieler, schoss seine beiden ersten Super-League-Tore und steigerte seinen Marktwert von 0,3 auf 1,36 Millionen Franken. «Die sechs Monate haben mir geholfen, den nächsten Schritt zu machen. Vor allem mental bin ich jetzt viel reifer, da ich gelernt habe, was es heisst, gegen den Abstieg zu spielen», sagt er. Auch in Basel profitiert Pululu jetzt davon. Seine Rolle im Team hat sich nach eigener Aussage verändert. «Man hat gesehen, dass ich mich entwickelt habe und in der Super League Fussball spielen kann. Auch die Sommervorbereitung war gut. Ich spüre, dass der Trainer auf mich setzt.»

Fünfzehn mal so teuer wie noch vor sechs Monaten

Die aktuelle Nummer 1 im FCB-Sturm ist aber Kemal Ademi. Anders als Pululu, der noch auf sein erstes Tor für den FCB wartet, hat der 1,97-Meter-Schlaks in seinen ersten fünf Spielen bereits dreimal für Rot-Blau getroffen. Ademi kommentiert das so: «Ich mache das Gleiche wie in Neuchâtel: Tore und der Mannschaft helfen.» Der 23-Jährige zündete nach Stationen im Nachwuchs von St. Gallen und Hoffenheim wie Pululu ebenfalls erst bei Xamax. Dort traf Ademi in der vergangenen Saison in 31 Spielen zehnmal. Sein Marktwert hat sich im letzten halben Jahr verfünfzehnfacht und liegt jetzt bei 1,64 Millionen Franken.

Ademis Treffer gegen Servette:

Super League, 2019/20, 4. Runde, FC Basel - Servette FC, 41. Minute: Pfostenschuss von Valentin Stocker und Tor von Kemal Ademi.

   

Der Wert des Sturmduos dürfte sich auch aus dem Grund weiter steigern, weil Ademi und Pululu jetzt nicht mehr für den Vorletzten, sondern für den Vizemeister auf Torejagd gehen. «Das ist nicht komisch», sagt Pululu und fügt an: «Wir haben in Xamax gezeigt, dass wir eine Mannschaft nach oben ziehen können, darum verdienen wir es, jetzt der FCB-Sturm zu sein.»

Kommt noch ein neuer Stürmer?

Durch den Abgang von Albian Ajeti und die schwere Verletzung von Ricky van Wolfswinkel ist beim FC Basel ausser Ademi und Pululu kein etatmässiger Stürmer mehr übrig, das 18-jährige Eigengewächs Tician Tushi sowie das teure Juwel Julian Vonmoos mal ausgenommen. Hinter den Kulissen laufen Verhandlungen über einen Neuzugang. Bis Montag in einer Woche kann FCB-Sportchef Ruedi Zbinden noch einen Stürmer verpflichten. Dann schliesst das Transferfenster. Doch ob er überhaupt Geld in die Hand nehmen darf, entscheidet Präsident Bernhard Burgener.

Ademi und Pululu sind in Sachen Neuverpflichtung unterschiedlicher Meinung. Während Ademi einem neuen Stürmer nicht abgeneigt ist: «Das gibt uns in den vielen englischen Wochen mehr Sicherheit und fördert die gegenseitige Konkurrenz», sagt Pululu: «Zwei Stürmer sind doch o. k. Wir sind stark genug.» Ademi braucht nach eigener Aussage den Druck, Pululu ist ein «Homme tranquille», der dann zur Höchstform aufläuft, «wenn ich Spass habe». Obwohl er sich gerade in diesen Tagen mit guten Leistungen für weitere Einsätze empfehlen könnte, sagt Pululu: «Ich spüre keinen Druck.» Dabei wird es vor allem er sein, der Einsatzminuten an den potenziellen Neuzugang abtreten müsste.

Zwei Stürmer, aber zwei unterschiedliche Typen

Ademi dagegen ist ein Mann der klaren Worte. Obwohl er seine Rolle beim FCB «auch noch finden muss», stand er nach den letzten Spielen immer in der Mixed Zone Rede und Antwort. Teilweise sogar völlig ausser Atem sagt er dann Sätze wie: «Die Kommunikation war einfach scheisse. Diesen Fehler wollte ich unbedingt wieder gutmachen», oder: «Gegen den FCB ist jeder motiviert, das spüre ich jetzt am eigenen Leib.»

Pululu ist im Gegensatz dazu abseits des Platzes fast schon scheu. Er beantwortet Fragen eher knapp und ist bedacht, mit seinen Aussagen keinem auf die Füsse zu treten. Da bleibt aus FCB-Sicht nur zu hoffen, dass Pululu nicht der Bitte von Xamax-Topskorer Raphael Nuzzolo nachkommt. Der hat seinem Ex-Kollegen nämlich diese Tage ein SMS geschickt und ihn aufgefordert, er solle am Samstag langsam machen. Pululu hat aber nicht vor, auf Nuzzolo zu hören. Und Ademi sowieso nicht.