Schweizer Cup
«Zumutung!» – Marcel Koller ärgert sich über zu kurze Pause vor dem Cupspiel

FCB-Trainer Marcel Koller ärgert sich, dass sein Team vor dem Spiel gegen Zweitligist Montlingen keine 48 Stunden Pause hat.

Sébastian Lavoyer
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Das Cupspiel gegen Montlingen bereitet FCB-Trainer Marcel Koller Kopfzerbrechen.

Das Cupspiel gegen Montlingen bereitet FCB-Trainer Marcel Koller Kopfzerbrechen.

Urs Lindt/freshfocus

Es ist eine harmlose Frage nach der Wechselstrategie im Spiel gegen Vitesse Arnheim, die Marcel Koller zum verbalen Frontalangriff gegen den Schweizer Fussballverband (SFV) nutzt. Ob er so lange mit den Wechseln gewartet habe, weil knapp 44 Stunden nach der Vitesse-Partie das Cupsiel gegen Zweitligist Montlingen anstehe, wollte ein Journalist wissen.

Koller bejahte, meinte, es sei eine extrem schwierige Situation für sein Team. Er müsste gegen die Amateurkicker aus der Ostschweiz Spieler einsetzen, die keine zwei Tage Pause hätten. «Das ist natürlich eine Zumutung», schloss Koller. Und man fragt sich: Ist dem wirklich so?

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man den Teams nach einem Spiel zwei Ruhetage gewährt. In der Meisterschaft wurde diese Regel bisher nie gebrochen, wenigstens soweit sich Liga-Sprecher Philippe Guggisberg erinnern kann. Das liegt vor allem auch daran, dass die SFL die ersten neun Runden so ansetzt, dass man für Mannschaften, die sowohl in der Champions-League- wie auch in der Europa-League-Qualifikation spielen könnten, Abtauschmöglichkeiten sucht.

Cupspiel seit sechs Wochen fix

Eine ordentliche Knacknuss für Silvano Lombardo, Leiter Spielbetrieb bei der Liga. Aber als der FC Basel gegen Paok Thessaloniki ausschied, war die Anpassung des Spielkalenders bloss noch Formsache. Die Spiele des FCB wurden auf Sonntag verlegt, ein Sonntagsspiel von Mannschaften, die nicht international spielen, vorgezogen. Alles bestens.

Anders im Cup. Das Spiel sei seit rund sechs Wochen fixiert, lässt der Verband mitteilen. Auch weil man mit einem Weiterkommen der Basler in der Champions-League-Qualifikation rechnete, wurde das Spiel auf Samstag angesetzt. Es kam anders, der FCB schied am 1. August gegen Paok Thessaloniki aus und brauchte danach rund vier Tage, um ein Verschiebungsgesuch einzureichen.

Zwar fristgerecht, aber dennoch hoffnungslos. Vor allem Vorschriften der Polizei, aber auch für die angekündigten Tage eingeholte Bewilligungen, Lizenzen und TV-Aufgebote verunmöglichten eine Verschiebung, so der SFV. Hätte man das FCB-Spiel auf Sonntag geschoben, hätte auch der FCZ am Sonntag gegen Concordia spielen müssen. Und das Spiel GC - Buochs hätte auf Samstag vorverlegt werden müssen. So will es die Polizei. Das hätte für die Kleinklubs einen nicht zumutbaren Aufwand nach sich gezogen.

Ein Zeichen der Nervosität

Also spielt der FCB am Samstagabend gegen Montlingen. Koller meint einen Tag nach seiner Verbalattacke gegen den SFV: «In der Regel sind die Spieler am zweiten Tag nach einer Begegnung noch müder als am ersten. Das Verletzungsrisiko ist deshalb grösser.» Doch das lässt sich ganz einfach minimieren. Das Zauberwort heisst «durchwechseln». Denn eigentlich müsste ja selbst die U21 des FC Basel gegen die Ostschweizer problemlos gewinnen, spielt sie doch in der Promotion League, also drei Ligen höher als die St. Galler.

Noch viel einfacher muss die Aufgabe für die B-Elf sein. «Wir haben genug Qualität im Kader. Und die Ersatzspieler wollen sich auch zeigen», sagt Koller. Denn bisher haben praktisch immer die Gleichen gespielt. Frei nach dem Motto: Stammelf finden, stabilisieren, Selbstvertrauen tanken.

Debüt von Martin Hansen?

Nun dürfte Ersatzkeeper Martin Hansen zu seinem Debüt kommen, Taulant Xhaka und Zdravko Kuzmanovic könnten ihre ersten Ernstkämpfe diese Saison bestreiten, und auch Aldo Kalulu, Blas Riveros, Samuele Campo und wie sie alle heissen brennen auf einen Einsatz.
«Wir hatten nur ein einziges Training, bei dem wir mit allen Spielern arbeiten konnten», gibt Koller zu bedenken.

Er weiss nicht, ob der zweite Anzug sitzt, will er sagen. «Sie haben das Talent und die Spielintelligenz dazu, aber ob sie es auch umsetzen können, wissen wir nicht. Das Unbekannte beunruhigt den Trainer.» Koller nimmt seinen Job ernst. Auch wenn es gegen einen Zweitligisten geht. Doch sein verbaler Angriff zeigt auch: Es ist zwar ruhiger geworden in Basel, Ruhe eingekehrt ist aber noch längst nicht.

Suchy verletzt out – jetzt wird Frei Captain

Es ist ein ziemlicher Kracher, den der FCB am Freitagabend raus lässt: Captain Marek Suchy falle auf unbestimmte Zeit aus. Ein Teilriss der Achillessehne im linken Fuss setzt ihn ausser Gefecht. Erlitten letztes Wochenende im Spiel gegen den FC Sion. Bis zur gestrigen Mitteilung hiess es vom Klub stets, dass Suchy unter einer Reizung der Achillessehne leide. Jetzt also die Gewissheit, dass alles wesentlich schlimmer ist. Wie immer gibt der FCB keine Diagnose heraus, wie lange der Spieler ausfällt. Es muss aber damit gerechnet werden, dass Suchy mindestens zwei bis drei Monate fehlt.
Schon nach der Partie gegen Vitesse Arnheim tönte FCB-Trainer Marcel Koller an, dass er Verstärkung in der Innenverteidigung begrüssen würde. Ob er da schon etwas ahnte oder gar wusste? Sicher ist, dass ihm durch den verletzungsbedingten Ausfall Suchys nun bloss noch drei gelernte Innenverteidiger bleiben: Eder Balanta, Eray Cömert und der völlig unerfahrene Yves Kaiser (ein Spiel für die erste Mannschaft). Die Zeit für die Suche nach einem Ersatz wird für Sportchef Marco Streller knapp. Das Transferfenster schliesst Ende August. Mit Sicherheit wird sich Koller nicht mit einem unerfahrenen Mann zufriedengeben. Denn derzeit ist Balanta mit bloss 25 Jahren der routinierteste Innenverteidiger in den Reihen der Basler.
Damit ist auch klar, dass Fabian Frei die Captainbinde vom Tschechen übernimmt wie schon gegen Vitesse. Vermutlich wird er sie auch dann noch tragen, wenn Suchy wieder fit ist. Denn er ist für den Posten prädestiniert. Er ist der Leader dieses Teams, er steht hin, ob es läuft oder nicht Man rechnete ohnehin damit, dass Koller ihn zum neuen Captain macht. (sel)

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