FC Basel

Thomas Häberli trifft auf den FCB: Wiedersehen mit der Vergangenheit

Ende Februar hat Thomas Häberli übernommen, seither ist Luzern ungeschlagen.

Ende Februar hat Thomas Häberli übernommen, seither ist Luzern ungeschlagen.

Fünfeinhalb Jahre verbrachte Thomas Häberli beim FC Basel. Am Samstag ist er als Cheftrainer des FC Luzern plötzlich der Gegner. Der frischgebackene FCL-Trainer gilt noch als ungeschlagen. Beim Wiedersehen mit seinem alten Arbeitgeber wartet nun die Reifeprüfung auf ihn.

Luzerns Stürmer Pascal Schürpf winkt ab. Bevor er den Raum verlässt, sagt er noch: «Aber schreiben Sie nicht zu gut über ihn, sonst holen sie ihn auch bald weg!»

Ihn, damit meint Schürpf Thomas Häberli. Der 44-jährige Luzerner ist seit Ende Februar Trainer des FC Luzern, Nachfolger vom gescheiterten René Weiler und derjenige, der die Siege und die Freude wieder zurück zum FCL gebracht hat.

Vor Häberlis Übernahme hatte Luzern alle drei Rückrundenspiele verloren. Gegen Lugano, Sion und Xamax. Nicht gerade die grössten Kaliber der Liga. Seit seinem Amtsantritt gabs zwei Siege in der Meisterschaft sowie ein Remis und vor allem: ein fulminantes 4:0 über Meister YB im Cup-Viertelfinal.

Plan A und Plan B 

Häberli ist ungeschlagen. Und das, obwohl er auf dieser Stufe zuvor ohne Erfahrung als Cheftrainer war. Fragt man Pascal Schürpf, dann ist relativ schnell klar, wieso sein neuer Trainer dermassen erfolgreich ist. «Ich wurde vor kurzem gefragt, wie ein Trainer für mich sein muss. Zum einen ist es wichtig, dass er mitlebt und vorlebt. Wenn man Häbi zuschaut, dann sieht man, dass er das tut. Zum anderen muss ein Trainer einen Plan vorgeben. Nicht nur einen Plan A, sondern auch einen Plan B.»

Dass Häberli auch diesen Punkt auf Schürpfs Liste erfüllt, bekräftigt der Offensivspieler mit den Worten: «Jeder weiss zu jedem Zeitpunkt, was er machen muss auf dem Platz.» All dies, gepaart mit dem Vertrauen, das Häberli den Spielern zurückgegeben hat, führt zu etwas, das Schürpf wie folgt zusammenfasst: «Er schafft Energien, schafft es, diese an uns weiterzugeben, damit wir sie auf den Platz bringen können.»

Die entscheidende Entlassung

Energien, die die Luzerner in einen regelrechten Lauf ummünzen konnten. Doch dann kam die Nati-Pause. Sehr ungelegen. Ob das Momentum mitgenommen wurde, weiss keiner. Und das ausgerechnet jetzt, wo eine happige Woche wartet.

Nächsten Sonntag wartet Sion, am Donnerstag YB und vor allem: an diesem Samstag der FC Basel. Der ehemalige Arbeitgeber von Thomas Häberli. «Am 15. Dezember stand ich in Sion noch in der Kabine des FCB. Jetzt spiele ich gegen sie. Das wird ein sehr spezielles Spiel für mich.»

Häberli hat Basel im Guten verlassen, im gegenseitigen Einvernehmen, wie er betont. «Es hat einfach irgendwann nicht mehr gepasst.» Fünfeinhalb Jahre hat er beim FCB verbracht, war Spielerentwickler und Talentmanager.

Seit August aber war er Assistenztrainer von Marcel Koller. Dritter Assistenztrainer. «Wenn man zu dritt ist, kommen schnell die Fragen nach den Aufgaben. Marcel hatte zwei Assistenten mitgebracht. Ich war der dritte. Es kommt dann der Moment, wo du denkst, dass es keinen Sinn macht zu dritt. Vor allem auch, wenn man nur noch am Wochenende spielt.»

Häberli hatte nicht mehr den Einfluss, den er sich wünschte und noch unter Raphael Wicky hatte. «Es war Zeit. Irgendwann merkt man, dass es vorbei ist.» Auch wenn das Arbeitspapier bis Sommer 2020 unterschrieben war. «Ich habe unter ganz anderen Voraussetzungen unterschrieben. Das war alles hinfällig nach sechs Wochen.» Dann nämlich, als sein guter Freund Wicky entlassen wurde.

Ein Herzensverein

Auch wegen Wicky hatte Häberli noch im Sommer darauf verzichtet, beim FC Luzern jene Stelle anzutreten, die er jetzt mit etwas Verspätung und zumindest einmal bis Ende der Saison (sein Vertrag ist bis dann befristet) doch noch innehat.

Er bereut nicht, erst jetzt bei Luzern gelandet zu sein. «Wir haben damals Workshops gemacht mit Raphi, ich war mittendrin. Ich wollte das nicht alles wegwerfen. Es war der FC Basel, das hat mir viel bedeutet. Und die Leute tun mir das immer noch.»

Deshalb hat er im Januar auch noch mit Marcel Koller telefoniert, ging sich persönlich verabschieden. «Weil mir das wichtig war.» Denn der FCB, der sei definitiv ein Herzensverein für ihn, wie es auch YB ist.

«Meine Trainerzeit habe ich mehrheitlich in Basel verbracht. Dieser Verein bedeutet mir unheimlich viel.» Die fünfeinhalb Jahre, sie seien geprägt gewesen von grossen Emotionen – in letzter Zeit leider auch im Negativen –, von grossen Titeln und grossen Freundschaften.

«Ich freue mich, diese Menschen wiederzusehen.» Den Kontakt hat er mit einigen gehalten, mit Goalie-Trainer Massimo Colomba, Videoanalyst Fabian Frei oder Teamcoach Gusti Nussbaumer.

Der grosse Gegner

Häberli weiss um den Vorteil seiner noch immer bestehenden Nähe. Er kennt die Spieler, die Spielidee, die Spielvariationen. «Ruhig bin ich aber erst, wenn ich die Aufstellung sehe und ableiten kann, was auf uns zukommt.»

Am Ende helfe es aber nicht viel, wenn er das wisse. Wichtiger sei, dass die Spieler einen genauen Plan haben. Und daran glauben, das sie diesen auch gegen einen grossen Gegner wie den FCB umsetzen können. All das sei der Fall, betont Schürpf erneut. «Oder wieso meinen Sie, habe ich wieder so viel Freude an unserem Fussball?»

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