Super League
Im Süden nichts Neues: Der FC Basel enttäuscht in Lugano

Der FC Basel spielt im Cornaredo nur 1:1 und gibt dabei eine Führung aus der Hand. Dadurch verpasst er den Sprung an die Tabellenspitze. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Basler gegen Lugano schwer tun.

Simon Leser aus Lugano
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Weder Darian Males (l.) noch Reto Ziegler (r.) scheinen zufrieden: Ihre Teams teilen die Punkte.

Weder Darian Males (l.) noch Reto Ziegler (r.) scheinen zufrieden: Ihre Teams teilen die Punkte.

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David Degen faltet erst die Hände über seinem Kopf zusammen und schlägt sich dann mit der Handfläche auf den Oberschenkel. Zwei Mal. Es ist ein kurzer Gefühlsausbruch, aber ein vielaussagender. Und vor allem: ein verständlicher. Denn mit dem, was er von seinem FC Basel an diesem so schönen spätsommerlichen Sonntag in Lugano sieht, kann er nicht warm werden. Vielmehr wird er am sechsten Spieltag der Super League Zeuge der mit Abstand schwächsten Saisondarbietung der Basler. Dass sie ausgerechnet im Tessin stattfindet, es ist symptomatisch.

Denn wenn der FC Basel nach Lugano reist, wird es zumeist zäh. Weil ihn ein Gegner erwartet, der eingespielt ist und der nur wenig zulässt. Und von dem sich der FCB, zumindest im Stadio Cornaredo, immer wieder einlullen lässt. So auch an diesem gestrigen Nachmittag, an dem der Mannschaft von Patrick Rahmen so ziemlich alles abgeht, was sie zu Saisonbeginn noch auszeichnete: Spielfreude, Kreativität, Tempo – und wohl am erschreckendsten: der Wille, unbedingt mal wieder mit drei Punkten aus dem Cornaredo abzureisen. Drei Mal in Serie hatte der FCB in diesem Stadion verloren, immer war es knapp, immer war es die Folge einer schwachen Darbietung. Dass der FC Basel im ersten Aufeinandertreffen dieser Saison dank einem 1:1 immerhin einen Punkt holt, ist ein schwacher Trost. Auch wenn Heinz Lindner sagt:

«Wenn du nicht gewinnen kannst, musst du schauen, dass du nicht verlierst.»

Gewinnen, das kann der FCB dieses Spiel nun wahrlich nicht, denn dafür erspielt er sich schlicht zu wenig Chancen. Drei Schüsse aufs Tor, sechs weitere daneben, verzeichnen die Statistiker. So richtig gefährlich, so richtig zwingend wird es eigentlich bei keinem dieser Schüsse.

Der Ausgleich fällt so, wie er nicht fallen darf

Dass dennoch einer reingeht, ist ein Geschenk von Lugano-Torhüter Sebastian Oswige. In der 29. Minute lässt er nach einem Eckball Valentin Stockers und einem gewonnenen Luftduell Pajtim Kasamis einen harmlosen Ball passieren, weswegen ihn Arthur Cabral ins verwaiste Tor einschieben kann. Beim 1:0 bleibt es bis zur Pause. Nicht weil der FCB es sich mit herausgespielten Chancen verdienen würde, sondern weil er defensiv kompakt steht. Gegen ein Lugano, das bemüht ist, offensiv, aber nur zu wenig anbietet. Nur einmal kommt das Heimteam gefährlich vors Tor, doch Heinz Lindner trennt Asumah Abubakar gerade noch vom Ball.

Doch nach der Pause verliert der FCB die Kompaktheit. Dass das 1:1 in der 59. Minute fällt, ist durchaus verdient, doch wie es fällt, ist überraschend und muss den Baslern zu denken geben. In einem Spiel, in dem offensiv wenig läuft, laufen sie in einen Konter. Nach einem Ballverlust findet Jonathan Sabbatini Abubakar, der problemlos einköpft. Weder Andy Pelmard, der sich für einen falschen Laufweg entscheidet, noch Fabian Frei, der nicht hinterher mag, können ihn daran hindern.

Nach tollem Start stockt der Motor

Wer nun meint, es sei der Weckruf, der irrt. Denn die einzige, wirklich nennenswerte Reaktion der Basler kommt erst eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit. Doch weil Cabral nach schöner Einzelaktion an Osigwe scheitert, gibt es erneut nicht das, was der Anspruch des FCB sein muss, wenn er gegen Lugano spielt: drei Punkte. Auch weil mit Sebastiano Esposito der Mann fehlt, der das Offensivspiel in den vergangenen Spielen so sehr prägte.

Durch das 1:1 kann der FCB von der 0:4-Niederlage des FC Zürich nicht profitieren und verpasst es, die Tabellenführung zu übernehmen. Doch vor allem wirft es die Frage auf, wie stark denn nun der FCB in dieser Saison ist. Nach überzeugendem Start ist das Remis gegen Lugano das dritte Spiel en suite ohne Vollerfolg. Vor allem auswärts hapert es noch. Und wie die vielen neuen Talente einschlagen, wird sich auch erst zeigen. Das Potenzial ist da. Doch das Zusammenspiel muss sich weiter verfestigen. Das hat nicht zuletzt das Spiel in Lugano gezeigt.

Lugano – Basel 1:1 (0:1)

Cornaredo. – 3050 Zuschauer. – SR Lukas Fähndrich. Tore: 29. Cabral 0:1 (Kasami). 59. Abubakar 1:1 (Sabbatini).

Lugano: Osigwe; Daprela, Maric, Ziegler; Sabattini; Lavanchy, Lovric (78. Celar), Custodio, Facchinetti (78. Yuri); Bottani (11. Guidotti); Abubakar (67. Lungoyi).

Basel: Lindner; Lang (63. Tavares), Frei, Pelmard, Petretta; Xhaka, Kasami (79. Burger); Stocker (63. Males), Palacios (90. Fernandes), Ndoye (63. Millar); Cabral.

Bemerkungen: Lugano ohne Baumann, (verletzt), Amoura und Mahmoud (beide nicht spielberechtigt). Basel ohne Cömert, Djiga, Esposito, López, Padula, Quintillà und Zhegrova (alle verletzt). Ersatzbank Basel: Gebhardt, Djiga, Miller, Males, Burger, Durrer, Tavares und Fernandes. – Verwarnungen: 7. Bottani (Foul). 41. Maric (Reklamieren). 57. Custodio (Foul). 61. Kasami (Foul). 86. Daprela (Foul).

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