Super League
Spektakel-Spiel mit gutem Ausgang: Der FC Basel schlägt Sion mit 4:2

30 Minuten guter Fussball reichen dem FC Basel für ein 4:3 gegen Sion. Drei lang vermisste Qualitäten sind zurück. Das gibt Hoffnung für die kommenden Aufgaben.

Jakob Weber
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Raoul Petretta in seinem zweiten Startelfeinsatz der Saison.
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Eray Cömert hatte in seinem 100. Spiel für den FCB zwei riesen Chancen.
Heinz Lindner zeigt heute wieder eine starke Leistung
Valentin Stocker bringt den Ex-FCB-Spieler Musa Araz zu Fall.
Timm Klose zeigt, was er am Ball kann.
Lindner hält den zweiten Elfmeter des Spiels. Die Wiederholung des Strafstosses schiesst Grgic über das Tor.
Der Doppeltorschütze Kasami feiert seinen zweiten Treffer mit Widmer und Klose-
Ciriaco Sforza ist zufrieden.
Edon Zhegrova gegen Serey Dié.
Cömert verteidigt gegen Uldrikis.
Fabian Frei und Schiedsrichter Urs Schnyder diskutieren.
Luca Zuffi spielt einen Pass.
Raoul Petretta klärt den Ball.
Timm Klose trabt zurück.
Eray Cömert verschuldet den Elfmeter.
Rückkehrer Luca Zuffi im Zweikampf.
Grgic verwandelt den Elfmeter.

Raoul Petretta in seinem zweiten Startelfeinsatz der Saison.

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Pajtim Kasami ballt die Faust. Er zählt mit den Fingern seine Tore. Fünf sind es mittlerweile in dieser Saison. Damit liegt der Basler Neuzugang gemeinsam mit Arthur Cabral an der Spitze der Torschützenliste der Super League. Doch daran denkt Kasami nach seinem Treffer in der 81. Minute gegen seine alten Kollegen aus Sion nicht. Sein Abstauber zum 4:2 ist die Entscheidung in diesem verrückten Spiel, das auch 6:6 hätte enden können.

In Halbzeit 1 muss sich der FC Sion wie im falschen Film vorgekommen sein. Die Walliser pressen den Gegner überraschend hoch und bereiten dem FCB damit Probleme im Spielaufbau. Mehr durch einen Zufall kommt das Heimteam in der 10. Minute zu einem Corner. Comebacker Luca Zuffi schnappt sich nach auskuriertem Kreuzbandriss genau 298 Tage nach seinem letzten Auftritt für den FCB den Ball. Und als wäre es auch nach zehn Monaten Pause das einfachste auf der Welt, zirkelt er ihn punktgenau zu Timm Klose. Dessen Kopf ist eine Etage über dem seiner beiden Gegenspieler. 1:0. Aus dem Nichts, mit dem ersten Abschluss des Spiels.

Doch auch in der Folge powert nur Sion. Der FCB kommt während zwanzig Minuten kaum aus der eigenen Hälfte. Vor allem der schlaksige Uldrikis bereitet der FCB-Defensive Schwierigkeiten. Zwischen der 23. und 35. Minute kommt er gleich viermal im Strafraum gefährlich an den Ball. Dreimal vergibt der Lette, einmal wird er von Cömert am Trikot gerissen. Den fälligen Elfmeter verwandelt Anto Grgic zum 1:1.

Was Uldrikis in der Folge nicht gelingt, schafft der FCB in der 36. Minute. Auch der zweite Vorstoss in den Sion-Strafraum mündet in ein Tor. Wieder ist es eine Ecke, die diesmal Edon Zhegrova auf den Kopf von Silvan Widmer bringt. Dessen Abschluss kann Sion-Goalie Kevin Fickentscher nur abprallen lassen. Kasami ist zur Stelle. 2:1. Wieder aus dem Nichts.

Diese Qualität macht ein Spitzenteam aus

Jetzt endlich bekommt der FCB Oberwasser. Vier Minuten später ist auch die nächste rotblaue Chance drin. Den ersten schönen FCB-Angriff aus dem Spiel heraus, schliesst Arthur Cabral wunderschön per Hacke ab. Mit 3:1 geht es in die Pause. Der FCB freut sich neben der Zuffi-Rückkehr und dem Ende der cabralschen Torflaute aus dem Spiel heraus auch über die wiedergefundene Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, die ja bekanntlich ein Spitzenteam ausmacht.

In Halbzeit 2 ist es wieder Sion, das auf den Anschluss drängt. Und in der 61. macht Uldrikis sein Tor. Der FCB muss zittern, bis Kasami – diesmal nicht ganz so sehr aus dem Nichts – auf 4:2 stellt. «Ich glaube, langsam starten wir einen Lauf», sagt der Doppeltorschütze später.

Dass der FCB in den letzten zehn Minuten nicht mehr zittern muss, liegt am Unvermögen der Walliser, die einen fragwürdigen Penalty gleich zweimal verschiessen. Erst pariert Lindner gegen Gaëtan Karlen, dann schiesst Grgic die pingelige VAR-Wiederholung – weil Lindner zuvor die Linie um Millimeter verlassen hatte – über das Tor.
Der FCB gewinnt damit das zweite Spiel innert fünf Tagen und findet sich plötzlich auf Tabellenrang 3 wieder. Trainer Ciriaco Sforza sieht sich in seiner Arbeit bestätigt: «Ich habe immer gesagt, dass wir Zeit brauchen. Wir sind noch nicht perfekt, aber auf einem guten Weg.» Vor allem die «sichtbare Charakterstärke» gefällt dem Coach. Sforza sagt: «Dadurch fällt das Glück dann auch mal auf deine Seite.»

Am Samstag soll die gute Woche auswärts in Vaduz mit dem dritten Dreier vergoldet werden. Am liebsten natürlich, ohne dabei das Glück erneut zu strapazieren.

Das Telegramm:

Basel - Sion 4:2 (3:1)

SR Schnyder. – Tore: 10. Klose (Zuffi) 1:0. 27. Grgic (Foulpenalty) 1:1. 36. Kasami (Widmer) 2:1. 40. Cabral (Widmer) 3:1. 61. Uldrikis (Araz) 3:2. 81. Kasami (Pululu) 4:2.

Basel: Lindner; Widmer, Cömert, Klose, Petretta; Zuffi (65. Marchand), Frei; Zhegrova (77. Pululu), Kasami, Stocker (60. Von Moos); Cabral (77. Van Wolfswinkel).

Sion: Fickentscher; Theler, Bamert, Ruiz (84. Iapichino), Abdellaoui; Serey Die (84. Karlen); Grgic, Araz; Itaitinga, Uldrikis (90. Tosetti), Doldur (55. Khasa).

Bemerkungen: Basel ohne Xhaka, Jorge, Isufi und Dimitriou (alle verletzt) und Nikolic (rekonvaleszent). Stocker verletzt ausgeschieden. Sion ohne Clemenza, Hoarau, Luan, Kabashi und Andersson (alle verletzt). Super-League-Debüt des 20-jährigen Siyar Doldur. 89. Grgic schiesst Wiederholung eines Foulpenaltys über das Tor. 75. Lattenschuss Cömert. Verwarnungen: 67. Von Moos (Foul), 91. Karlen (Foul).

Die Noten:

Heinz Lindner: Note 5 Den ersten Elfer hält er fast, den zweiten dann wirklich - und als dieser wiederholt wird, fliegt der Ball drüber. Erneut stark.
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Silvan Widmer: Note 4,5 Offensiv ist die rechte Seite eine andere, wenn er spielt. So ist er auch für die Vorbereitung zweier Tore verantwortlich. Defensiv aber mit ungewohnten Unsicherheiten.
Eray Cömert: Note 4 Sein 100. Spiel für seinen Kindheitsverein ist eines, das er so schnell nicht vergessen wird. Verschuldeter Penalty, viele heikle Situationen und ein Lattenknaller.
Timm Klose: Note 4,5 Auch für ihn ein Abend, den er nicht vergessen wird: Erzielt sein erstes FCB-Tor. Die Gegentore kann er nicht verhindern.
Raoul Petretta: Note 4 Zum zweiten Mal in Serie in der Startelf. Wie viele seiner Kollegen gegen vorne mit guten Ideen, defensiv aber mit Fehlerchen.
Fabian Frei: Note 4,5 Enerviert sich grausam über den Penalty, den er verschuldet. Kann sich dafür über seine Spielauslösung freuen.
Luca Zuffi: Note 4,5 298 Tage musste er auf diesen Moment warten: Feiert nach überstandenem Kreuzbandriss sein Comeback. Bereitet sogleich das 1:0 vor. Tolle Rückkehr.
Edon Zhegrova: Note 4 Eine Mischung aus vielen Unsauberkeiten und ähnlich vielen kreativen Ansätzen gibt in der Summe eine genügende Note.
Pajtim Kasami: Note 5,5 Mit jedem Spiel steigert er seine Bedeutung. Der Doppelpack gegen den Ex-Klub sind seine Tore 4 und 5 im siebten Spiel.
Valentin Stocker: Note 3,5 In der 60. endet für ihn angeschlagen ein Tag, an dem er viel versucht, ihm aber wenig gelingt.
Arthur Cabral: Note 4,5 Fiel zuletzt dadurch auf, dass er viel lief – vor allem seiner Form nach. Und dann erzielt er mal eben ein Traumtor per Hacke.
Julian von Moos: Note 4 Kommt in der 60. für den angeschlagenen Stocker. Seine erste Aktion handelt ihm ein Gelbe Karte ein. Danach mit beeindruckender Defensivarbeit.
Yannick Marchand: Note 4 Ein Auftritt, bei dem er kaum gesehen wird.
Afimico Pululu: keine Note Kommt in der 76. Minute für Zhegrova. Sein Einsatz ist zu kurz für eine Note
Ricky van Wolfswinkel: keine Note Wird in der 76. Minute für Cabral eingewechselt. Zu kurz für eine Benotung.

Heinz Lindner: Note 5 Den ersten Elfer hält er fast, den zweiten dann wirklich - und als dieser wiederholt wird, fliegt der Ball drüber. Erneut stark.

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