Auch der bärenstarke Hartmut kann die Young Boys nicht stoppen. Diese marschieren und marschieren – und man ist angesichts ihrer Stärke geneigt zu sagen: dem ersten Double seit 1958 entgegen. Wie ausgelassen sie nach dem leistungsgerechten 2:0-Sieg von ihren Fans gefeiert wurden, hatten sie sich redlich verdient. «Wir haben bei allen Emotionen die Ruhe bewahrt und kaum Torchancen zugelassen», sagte Marco Wölfli.

Die Berner Spieler und ihr Staff feiern nach dem Spiel.

     

Der unverwüstliche Goalie, der im August 36 Jahre alt wird, darf zuvor noch seinen dritten Cupfinal bestreiten, falls Stammgoalie David von Ballmoos bis dann nicht wieder zwischen den Pfosten steht. Es wäre eine fast kitschige Geschichte, sollte der titellose Wölfli nach 16 Profijahren eine Trophäe stemmen.

Gibt es den siebten Triumph?

Nach ihrem Sololauf an der Tabellenspitze der Super League schlug YB in der eisigen Berner Nacht im Halbfinal den FC Basel wie beim Super-League-Auftakt mit zwei Toren Unterschied und hat zum ersten Mal seit 2009 wieder den Cupfinal erreicht. Nach sechs gewonnenen Endspielen und sieben Niederlagen streben die Berner am 27. Mai ihren siebten Triumph in diesem Wettbewerb an.

Es wäre der erste seit 31 Jahren. Am 8. Juni 1987 hatten sie Servette 4:2 nach Verlängerung geschlagen und Dario Zuffi, der Vater des Basler Aufbauers Luca, war Torschütze gewesen. Wo der Final gegen GC oder den FCZ stattfindet, ist noch nicht entschieden. Zu hoffen bleibt, dass nicht das Stade de Suisse mit seinem Plastikbelag den Vorzug erhält. Ein Final muss auf Naturrasen ausgetragen werden.

YB's Miralem Sulejmani kämpft um dem Ball gegen Basels Leo Lacroix.

    

YB macht den nächsten Schritt

YB war nach Siegen über Breitenrain (3:0), Old Boys (4:0), Münsingen (3:0) und St. Gallen (2:1) in diesen Halbfinal eingezogen und bestätigte die Eindrücke aus der Super League, mit dem Krösus der vergangenen acht Jahre nicht nur auf Augenhöhe zu sein, sondern diesen überflügelt zu haben. Es war mit Ausnahme des langzeitverletzten Goalies Von Ballmoos in Bestbesetzung aufgelaufen.

Also auch mit Stürmerstar Guillaume Hoarau, der im letzten Spiel gegen Sion (1:0) verletzt ausgeschieden war und am Tag vor dem Spiel nicht trainiert hatte. Selbst in dieser Beziehung haben die Berner sich verändert: Nach Jahren mit endlos langen Verletztenlisten kennen sie derzeit keinerlei personelle Sorgen.

Zwar waren die Tore von Hoarau (ein umstrittener Penalty) und Marek Suchy (ein Eigentor) etwas glückhaft zustande gekommen, soll aber die sehr starke und reife Leistung nicht schmälern. Nicht nur spielerisch waren die Berner gut, sondern physisch ungemein präsent und fit. Das 4-4-2-System ist ihnen auf den Leib geschneidert und vorne im Angriff ergänzen sich der kopfballstarke Hüne Hoarau und der kleine Dribbler Roger Assalé perfekt. Es geziemt sich eigentlich nicht, einzelne YB-ler herauszuheben.

«Mit heissem Herzen der Kälte getrotzt»

Doch was der älteste Feldspieler Steve von Bergen (34) und der jüngste Djibril Sow (21) in der Innenverteidigung und im Mittelfeld boten, war schon beeindruckend. «Wir haben verdient gewonnen, und spielten mit viel Leidenschaft. Wir traten geschlossen auf. Mir hat meine Mannschaft unheimlich gefallen», sagte YB-Trainer Adi Hütter, «wir haben mit heissem Herzen der Kälte getrotzt.»

Damit zurück zu Hartmut. Gemeint ist kein Basler Verteidiger, sondern das Hochdruckgebiet über Skandinavien, das für die aktuelle Kältewelle sorgt und die Fans sowie die Goalies bei minus zehn Grad auf eine harte Probe stellte. Müssen Halbfinals wirklich schon im Februar ausgetragen werden?

Allerdings sind sie keine Premiere in der seit 1925 zum 93. Mal ausgetragenen Cupkonkurrenz. Der früheste Halbfinal fand am 25. Februar 1951 (Bern - La Chaux-de-Fonds im Neufeld) statt, dazu gab es vor exakt zehn Jahren (Basel – Thun) einen zweiten Februartermin. Aber: Das alles ist den Young Boys so etwas von egal.