Bethlehem
Mädchen kämpfen für ihr Recht auf Fussball

Während in Deutschland die Frauen bei der WM im Rampenlicht stehen, engagiert sich der FC Basel mit weiteren Vereinen für Frauenfussball in der palästinensischen Gesellschaft.

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Mädchen mit FC-Basel-Dress (ganz rechts) gibt es auch in Palästina. ho

Mädchen mit FC-Basel-Dress (ganz rechts) gibt es auch in Palästina. ho

«Don’t dream your life, live your dreams», das ist das Motto von Honey Thaljieh, der ehemaligen palästinensischen Nationalspielerin und Mannschaftskapitänin. Die junge Frau mit den unbändigen, dichten Locken und den ausdrucksstarken, beinahe schwarzen Augen leitet gerade den Workshop «Frauenfussball in der palästinensischen Gesellschaft» innerhalb der sozialen Fussballübungsleiterausbildung der Stiftung Scort und ihren Partnerclubs FC Basel 1893, SV Werder Bremen und Bayer 04 Leverkusen.

Honey ist eine starke Persönlichkeit und grosses Vorbild für so manche junge Frau in Palästina. Als Mädchen hat sie dafür gekämpft, dass sie Fussball spielen darf und hat sich unbeirrt den Jungs aus ihrer Nachbarschaft zum Kicken angeschlossen. Später erhielt sie dank Unterstützung ihres Sportlehrers die Chance, in der Schulmannschaft mitzuspielen. Sie war das einzige Mädchen. «Anfangs war es schwierig, aber als meine Kollegen merkten, dass ich wirklich Talent hatte, begannen sie, mich zu akzeptieren.»

Mehr Akzeptanz dank Medien

Später, an der Universität, stiess Honey auf einen Aushang, in dem Spielerinnen für eine Frauenfussballmannschaft gesucht wurden. Genauer für die erste offizielle, palästinensische Frauenmannschaft, aus der auch ein Nationalteam entstehen sollte. «Ich zögerte keine Sekunde und meldete mich bei der Frau, die hinter dem Ganzen stand. Zusammen begannen wir, Spielerinnen zu rekrutieren und ein Team aufzubauen. Unser Glück war, dass sich die Medien schon bald für uns zu interessieren begannen. Sie förderten durch ihre Berichterstattung unsere Akzeptanz in der palästinensischen Bevölkerung enorm.»

Letztes Jahr, am 26. Juni 2010, fand in Palästina das erste Länderspiel zwischen der palästinensischen und jordanischen Frauenfussballmannschaft statt. Ein bahnbrechendes Ereignis. 14000 Zuschauer kamen, um diesem Spektakel beizuwohnen. Für Honey ist eine Welt zusammen gebrochen, als sie sich kurz davor schwer am Knie verletzte und sich ihr Traum von einer aktiven Teilnahme am Länderspiel in Luft auflöste. «Es war ein harter Schlag. Dennoch musste es weitergehen, und ich unterstützte mein Team neben dem Feld so gut ich konnte. Für die letzten drei Minuten wurde ich eingewechselt.»

Neue Strukturen fördern

Neben ihrer Fussball-Leidenschaft studierte Honey Wirtschaft an der Universität Bethlehem und wird diesen Herbst den Fifa-Master-Studiengang antreten. Sie spielt nach ihrer Knieoperation im vergangenen Jahr nicht mehr in der Nationalmannschaft, engagiert sich aber nun umso intensiver für den Aufbau und die Strukturen des Fussballs. Derzeit ist sie beim Diyar Consortium in Betlehem, dem lokalen Hauptpartner von Scort, beschäftigt. Dadurch ist sie auch in die Fussballausbildung der 22 jungen palästinensischen Frauen und Männer involviert. Der Workshop, den sie gerade leitet, gehört zum theoretischen Teil der Ausbildung. Mit ihren Erzählungen, ihrem Charisma und ihrer ausgeprägten Willenskraft versteht sie es, die «Young Coachs» in ihren Bann zu ziehen und sie in ihrer Arbeit als Kinderfussball-Übungsleiter zu bestärken.

Die Trainer Willy Schmid (FC Basel 1893) und Peter Quast (Bayer 04 Leverkusen) betonen die gute Akzeptanz des Frauenfussballs in Bethlehem und besonders in ihrer Ausbildungsgruppe. Willy Schmid sagt: «Ich stelle fest, dass oft die weiblichen Young Coachs die Führung, sowohl bei organisatorischen Aufgaben als auch bei den praktischen Übungen auf dem Platz, übernehmen.» (pd)

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