27. Septmeber 2017

Gänsehaut trotz Corona: Sprintrakete Oberlin ist beim 5:0 einfach viel zu schnell für Benfica

Dimitri Oberlin beim Abschluss direkt nach seinem Sprint für die Ewigkeit.

Dimitri Oberlin beim Abschluss direkt nach seinem Sprint für die Ewigkeit.

In der fussballfreien Zeit präsentiert die bz in einer Online-Serie die zwanzig emotionalsten FCB-Spiele der letzten zwanzig Jahre. Spiel 18 findet im September 2017 statt. Ein überragender Dimitri Oberlin führt den FCB zu einem 5:0-Sieg gegen Benfica Lissabon und das auch noch an seinem Geburtstag. Nach dem kurz vor Schluss der Ausgleich fällt, ist das Ende nah. Doch dann kommt Luca Zuffi. Hier sind die Bilder, die Highlights und der Matchbericht von damals. Mögen die Erinnerungen wieder aufgefrischt werden.

Die Bilder:

Die Highlights im Video:

Oberlins-Sprint im Video:

Das Telegramm:

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Das Zitat:

Der Matchbericht von damals:

Titel: Usain Oberlin startet durch

Lead: An seinem 20. Geburtstag führt Dimitri Oberlin den FCB zum 5:0 über Benfica Lissabon

von Sébastian Lavoyer

Es ist eine Szene für die Geschichtsbücher des FC Basel. 20. Minute, Eckball Benfica, Pizzi tritt ihn. Dimitri Oberlin löst sich vom Pfosten, köpft den Ball raus zu Steffen und sprintet los – und der zurückgetretene Hundertmeter-Superstar Usain Bolt hätte seine liebe Freude, würde er im Stadion sitzen. Dieser Speed, diese Entschlossenheit, diese Geradlinigkeit. Steffen treibt den Ball über die rechte Seite, Oberlin frisst Meter um Meter. Elf Sekunden braucht er vom eigenen zum gegnerischen Fünfmeterraum, wo er eiskalt zwischen den Beinen von Benfica-Torhüter César durchschiebt. Es ist das 2:0 für Basel, das Joggeli bebt. Wenig später dröhnt es von den Rängen: «Steht auf, wenn ihr Basler seid!» Hühnerhautstimmung in Basel – auf einmal sind die Sterne zum Greifen nah.

Einer spielt an diesem Abend den Match seines Lebens und das an seinem 20. Geburtstag: Dimitri Oberlin. Ausgerechnet er. Von FCB-Sportchef Marco Streller wurde er als «eines der Toptalente Europas» vorgestellt, blieb aber zum Saisonauftakt einiges schuldig. Zwar traf der Neuzugang gleich bei seinem Debüt Anfang August in Thun. Danach aber geriet der in Kameruns Hauptstadt Yaoundé geborene Stürmer aus dem Takt. Zu egoistisch, zu Ball fixiert, zu verspielt. Bis letzten Samstag. Da bringt ihn FCB-Trainer Raphael Wicky zum zweiten Mal von Beginn weg. Gegen den FC Zürich, Oberlins Jugendverein, den er im Sommer 2015 Richtung Salzburg verliess, weil er in seinen Augen zu wenig Einsatzzeit bekam.

Vor diesem Spiel gegen den FCZ blieb Basel in der Meisterschaft während vier Spielen sieglos. Krisen- statt Aufbruchsstimmung nach dem grossen Umbruch. Doch dann drückt Oberlin den Ball in der zweiten Halbzeit zum 1:0 über die Linie. Basel kämpft den Sieg über die Zeit – und es deutet sich an, dass dieser Triumph zu einem Befreiungsschlag wird.

Gegen Benfica tritt der FCB plötzlich wie verwandelt auf. Allen voran Oberlin. Er spielt Benfica den Fado, wie von der «Nordwestschweiz» gefordert. Dieser leidklagende Musikstil, der so typisch ist für Portugals Hauptstadt. Mit einem ersten Sprint initiiert er das 1:0, Lang vollstreckt. Das 2:0 besorgt er nach seinem Wahnsinnsspurt gleich selbst. Das 3:0 erzielt Ricky van Wolfswinkel per Elfmeter – nachdem Oberlin im Strafraum gelegt wird. Und dann drückt der (noch) U21-Nationalspieler den Ball erneut zwischen den Beinen von César durch – 4:0. Da bleibt nur eines: Hut ab und happy Birthday, Dimitri Oberlin!

Träumen erlaubt!

Kurz bevor Oberlin seinen Doppelpack schnürt, darf endlich auch Haris Seferovic ran. Erstmals seit seinem Wechsel im Sommer kommt er nur von der Bank. Und das bei seinem Gastauftritt in der Schweiz. Ein brutaler Entscheid von Benfica-Coach Rui Vitória. Kaum drin, fliegt André Almeida wegen einer rüden Attacke an Petretta vom Platz. Unschön: Die Benfica-Fans werfen massenhaft Bierbecher.

In der 73. Minute ist Schluss für Oberlin. Mit einem breiten Grinsen läuft er zur Seitenlinie. Sturmpartner Ricky van Wolfswinkel applaudiert, Lang und Xhaka klatschen ab, das Publikum steht und feiert seinen Helden mit frenetischem Applaus. Benfica ist zu diesem Zeitpunkt längst restlos bedient. Aber Basel hat nicht genug. Der für Petretta eingewechselte Blas Riveros netzt in der 77. Minute zum 5:0 ein. 5:0, unfassbar!

Was hat sich Basel nach einer solchen Sternstunde gesehnt! Elf lange Spiele blieb der FCB in der Königsklasse ohne Sieg. Und jetzt watschen die Basler Benfica so richtig ab. Die Ausgangslage in der Champions League ist damit auf einmal glänzend. Da ZSKA Moskau zeitgleich gegen Manchester mit 1:4 verliert, liegen die Russen nun punktgleich mit Basel hinter den Engländern. Gegen Moskau spielt der FCB die nächsten beiden Partien. Ein Unentschieden und ein Sieg – und plötzlich ist man wieder ganz nah am Achtelfinal. Träumen erlaubt!

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