Cupfinal
Es riecht nach tiefster Fussballprovinz

Das Spiel ist aus. Der FC Sion gewinnt. Wie immer. Es ist der 13. Triumph im 13. Cupfinal. Doch in unseren Fokus gelangt nicht der Freudentaumel, sondern Polizisten in Vollmontur, die nach Schlusspfiff auf den Platz stürmen. Ein Kommentar.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
Drucken
Teilen
Während Moussa Konaté den Cupsieg feiert, macht sich im Hintergrund die Polizei bereit.

Während Moussa Konaté den Cupsieg feiert, macht sich im Hintergrund die Polizei bereit.

Keystone

Ein trauriges Bild nach einem begeisternden Spiel. Ein Bild auch, das nachdenklich stimmt. Und uns einmal mehr vor Augen führt, wie unterentwickelt unsere Fankultur ist.

Samstagnacht. Champions-League-Final. Barcelona gegen Juventus . Die Katalanen gewinnen. Keine Fans, keine Polizei auf dem Platz. Die Bühne gehört den Gladiatoren aus Barcelona. Und den heldenhaften Verlierern aus Turin. Alles ist gesittet. Obwohl viel Prestige und noch mehr Geld auf dem Spiel steht.

Das Bild von der Polizei im Basler St. Jakob-Park schockiert. Und weckt ambivalente Gefühle. Muss das wirklich sein? Wird der Auftritt der Polizei von den überbordenden Fans des FC Sion sogar als Provokation aufgefasst? Über allem steht die Frage nach dem Warum. Warum überhaupt muss die Polizei in Vollmontur auf den Platz? Wo sich doch die Basler als faire Verlierer zeigen und die Walliser im Glück baden?

Es war richtig, dass die Polizei eingegriffen hat. Sie hat so wenigstens eine halbwegs geordnete Siegerehrung ermöglicht. Fans haben auf dem Platz nichts zu suchen. Es besteht immer ein Restrisiko, dass einer dieser durchgeknallten Sion-Anhänger beispielsweise Marco Streller attackiert hätte.

Apropos Streller. Für ihn war es das letzte Spiel als Fussballprofi. Dass er ausgerechnet bei seiner Derniere aus dem Sion-Fanblock mit Fahnenstangen beworfen wird, ist abscheulich. Streller und sein FCB haben den Cupsieg nicht verdient, weil ihnen die Leidenschaft und die Demut gefehlt haben. Doch die authentische FCB-Ikone hat etwas Besseres verdient als im letzten Spiel einer glanzvollen Karriere von Fans beleidigt und attackiert zu werden.

Sion indes hat eine beeindruckende Vorstellung geboten. Das Team hat gezeigt, zu was es fähig ist, wenn es denn will. Doch so schwankend wie die Leistungen der Spieler in dieser Saison, ist auch der Support seiner Fans. Sie haben den Basler Fussballtempel zum Siedepunkt gebracht. Unmittelbar nach der Pause sogar darüber hinaus, als sie mit Petarden fast einen Spielabbruch provozierten. Und: Wo sind diese Tausenden von Sion-Fans, wenn die Walliser ein Meisterschaftsspiel gegen GC bestreiten? Traurige Fankultur.

Aktuelle Nachrichten