Brüderduell
Ein Sieger, zwei Leidende: Das Duell der Ajeti-Brüder geht klar an Albian – freuen kann er sich kaum

Das Duell der beiden Ajeti Brüder Arlind gegen Albian im Spiel GC gegen den FCB geht klar an den jüngeren der beiden: Albian. Doch weil sich der grosse Bruder gegen ihn verletzt, ist die Freude beim Sieger des Duells getrübt.

Céline Feller
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Arlind Ajeti (links) konnte nicht verhindern, dass sein kleiner Bruder Albian (rechts) bei allen drei Toren beim 3:1 des FC Basel über GC seine Füsse im Spiel hatte.

Arlind Ajeti (links) konnte nicht verhindern, dass sein kleiner Bruder Albian (rechts) bei allen drei Toren beim 3:1 des FC Basel über GC seine Füsse im Spiel hatte.

Keystone

Arlind Ajeti kann es sich einfach nicht erklären. «Ich absolviere in einer Woche etwa 3000 Zweikämpfe. Dann habe ich einen, der nicht einmal wirklich einer gewesen ist, gegen meinen Bruder, und da fällt mir die Schulter raus.»

Als Arlind Ajeti die Szene schildert, die ihn gezwungen hat, sich bereits in der Pause auswechseln zu lassen, steht Albian Ajeti neben ihm. Die beiden Brüder geben Seite an Seite Auskunft darüber, wie sie das eben zu Ende gegangene Spiel erlebt haben, in dem sie eine neue Erfahrung haben machen dürfen – oder müssen: gegen den eigenen Bruder zu spielen. Arlind Ajeti ist Innenverteidiger bei GC, Albian Ajeti Stürmer beim FC Basel.

Das Duell des Rekord- gegen den langjährigen Serienmeister war auch jenes der beiden Ajetis. Dass es unglaublich emotional und schwierig werden würde, das sagte Albian Ajeti schon vor dem Spiel. Nicht nur für den 21-Jährigen und seinen vier Jahre älteren Bruder, sein grosses Idol, sondern auch für die Eltern der zwei. «Wir sollen in die Zweikämpfe gehen, uns aber einfach nicht verletzen», gab Albian die Bitte der Eltern im Vorfeld wieder. Und dann passiert eben genau das. Bei einem leichten Zupfer Albians an Arlind renkt dieser sich die Schulter aus. Arlind Ajeti beisst durch, bis zur Pause, muss dann aber Forfait geben.

Empathie statt Euphorie

Zu diesem Zeitpunkt ist GC bereits 0:3 hinten. Auch wenn Arlind immerhin sein Ziel umsetzen konnte, «dass Albian kein Tor schiesst, während ich spiele», ist er der klare Verlierer. Seine Hoppers sind schon nach 17 Minuten mit 0:3 in Rücklage. Und auch seine Grätsche gegen Albian unmittelbar vor dem dritten Gegentreffer ändert nichts daran, dass der Jüngere an diesem Abend das Duell ganz klar und deutlich für sich entscheidet.

Nicht nur, weil der FCB 3:1 gewinnen kann. Sondern auch, weil Albian Ajeti an allen drei Basler Toren beteiligt ist. Das erste und das dritte bereitet er vor, beim zweiten zieht er alle Gegner auf sich, sodass Eder Balanta ungestört einköpfen kann. Doch von Freude ist bei Albian Ajeti wenig zu sehen. Viel mehr wirkt er bedrückt. Dass sich sein Bruder ausgerechnet gegen ihn verletzt hat, wiegt schwerer als die Euphorie über die drei Punkte. «Es ist sehr unangenehm. Es tut mir wirklich leid für meinen grossen Bruder. Die Schulter draussen zu haben, ist nichts Schönes.» Dass er bei der Verletzung involviert war, sei natürlich absolutes Pech. «Jetzt bin ich sicher für ihn da und schaue, dass es ihm so schnell wie möglich wieder besser geht.»

Die Wiederholung vermeiden

Doch auch wenn ihr erstes Aufeinandertreffen überhaupt und das Wiedersehen auf dem Platz nach dreieinhalb Jahren und dem letzten gemeinsamen Spiel nicht tragischer hätte ausgehen können, so wollen beide nicht sagen, dass sie eine Wiederholung in den noch vielen verbleibenden Profijahren tunlichst vermeiden möchten. «Wenn der Fussball will, dann treffen wir vielleicht noch zwanzig Mal aufeinander, oder nur zwei Mal oder nie mehr», sagt Albian. Sicher sei nur, «dass wir uns beim nächsten Match vielleicht etwas mehr aus dem Weg gehen.»

Denn auch ohne die Verletzung, die bei Arlind Ajeti wohl eine Operation nach sich ziehen wird, sei es unglaublich schwer gewesen. Nach fünf bis zehn Minuten und ein paar ausgetauschten Worten sei es zwar einfacher geworden, sich zu fokussieren, sagt Albian. Sein älterer Bruder sagt es aber so: «Bislang waren wir immer miteinander, jetzt spielt man auf einmal gegen den eigenen Bruder. Das ist nicht schön, vor allem emotional.»