Eishockey
EHC Basel im Playoff-Fieber: Was das mit einem fehlenden Kühlschrank zu tun hat

Der EHC Basel steht erstmals seit 2005 wieder in einem Playoff-Halbfinal. Dies sorgt für grosse Träume bei den Fans und auch beim Verein.

Alexandra Toscanelli
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2006 spielte der EHC Basel letztmals NLA-Playoffs. 2020 steht der Verein zwei Ligen tiefer im Halbfinal

2006 spielte der EHC Basel letztmals NLA-Playoffs. 2020 steht der Verein zwei Ligen tiefer im Halbfinal

Keystone

Der Start in die Playoff-Saison hätte für den EHC Basel eindeutig besser beginnen können. Die 0:4-Niederlage des ersten Playoff-Viertelfinal-Spiels gegen Arosa sass noch tief in den Knochen. Keinen einzigen Treffer konnte das Team von Trainer Robert Othmann erzielen. Der Fluch, dass der EHC Basel nie über einen Playoff-Viertelfinal hinauskommt, schien wieder zu wirken. Die Stimmung war angespannt. Doch Othmann sagte seinem Team lediglich: «Ihr müsst einfach Hockey spielen.»

Zwei Tage nach der ersten Niederlage musste Basel wieder ran. Nach acht Spielminuten erhielt Leandro Gfeller die Scheibe und spielte sie vors Tor. Dort lauerte Roman Hrabec auf den Abpraller und bugsierte den Puck zum 1:0 über die Linie. Ein Schlüsselmoment. «Dieses Tor hat die Stimmung in der Mannschaft um 180 Grad gedreht», erklärt Othmann dieser Zeitung gestern am Telefon. Mit seinem Rezept, «einfach Hockey spielen», gewann der EHC Basel die drei kommenden Spiele und qualifizierte sich schliesslich souverän für den Halbfinal. Die Fans dankten es den Spielern beim letzten Heimspiel mit lautstarker Unterstützung und einer Rekordkulisse von 1757 Zuschauern. Das sind etwa drei Mal so viel, wie während der Regular Season.

Nach Jahren wurde der Fluch endlich gebannt

Der Halbfinaleinzug ist für alle Basler Hockeyfans eine Erlösung. Zuletzt kam der EHC Basel in der Saison 2004/05 über die Playoff-Viertelfinals hinaus. Damals gelang sogar der Aufstieg in die höchste Schweizer Liga. Nachdem der Klub in der Saison 2005/06 vorerst ein letztes Mal die Playoffs erreichte, folgte eine Negativschlagzeile der nächsten: Abstieg zurück in die Nationalliga B, 2014 der Paukenschlag mit dem Konkurs und mittlerweile schon sechs Jahre in der dritthöchsten Schweizer Liga ohne Chancen auf den Aufstieg. Jetzt konnte der EHC den Playoff-Viertelfinal-Fluch endlich brechen. «Es war wie ein Kühlschrank, der vom Rücken der Jungs genommen wurde», so Othmann.

Auch in der letzten Saison war der EHC Basel bereits ganz kurz davor, dem Playoff-Viertelfinalfluch zu entkommen. Nach einer Aufholjagd schied der EHC aber im entscheidenden Spiel 5 der Serie doch noch aus. All das gegen den heutigen Playoff-Halbfinalgegner, den EHC Dübendorf. Basel hat also eine Rechnung mit Angstgegner offen, denn auch in der aktuellen Saison konnte Dübendorf bisher alle vier Direktduelle für sich entscheiden. Und das obwohl Basel in drei von vier Spielen nach zwei Dritteln noch in Führung gelegen hatte.

Die letzten Duelle

Regular Season 19/20

Basel – Dübendorf 3:4 n.P

Dübendorf – Basel 4:3 n.V.

Basel – Dübendorf 1:3

Dübendorf – Basel 3:2 n.V.

Playoff-Viertelfinal 2019

Dübendorf – Basel 4:1

Basel – Dübendorf 1:3

Dübendorf – Basel 1:6
Basel – Dübendorf 4:3 n. V.
Dübendorf – Basel 5:2

Obwohl die Statistik für Dübendorf spricht, ist Trainer Othmann optimistisch: «Die Jungs können jetzt ohne Druck und mit Freude einfach Hockey spielen.» An die vergangenen Niederlagen gegen Dübendorf denkt er nicht mehr. «Das ist Playoff-Hockey. Da soll auf jedes Spiel einzeln fokussiert werden.»

Der EHC Basel rechnet sich Chancen aufs Weiterkommen aus und setzt dabei auf die Unterstützung der Fans. Die Euphorie des Teams soll auf die Zuschauer abfärben. So waren am letzten Wochenende Spieler der Basler U15 in der Stadt unterwegs und verkauften vergünstigte Tickets für das erste Halbfinal-Heimspiel am nächsten Donnerstag. Der EHC ist endlich wieder Gesprächsthema in Basel. EHC-Sportchef Olivier Schäublin erklärt: «Sobald der Basler das Gefühl hat, dass der Verein erfolgreich ist, möchte er auch dabei sein und den Verein unterstützen.»

Für den Sportchef ist der Aufstieg das erklärte Ziel

Trainer Othmann möchte noch nicht über einen möglichen Aufstieg in die NLB sprechen: «Es ist nicht gut für den Kopf, schon weiterzuschauen». Für ihn gilt die alte Trainingsfloskel «Spiel für Spiel». Er fügt mit einem Lachen hinzu: «Natürlich wollen auch wir jedes Spiel gewinnen.» EHC-Sportchef Olivier Schäublin ist in dieser Hinsicht deutlich offensiver: «Wenn man den Halbfinal erreicht, möchte man natürlich ins Final.»
Von den vier verbliebenen Teams ist zu erwarten, dass Dübendorf und Lyss nicht in die NLB aufsteigen möchten. Basel und Martigny bringen jedoch die Infrastruktur mit, die es für eine NLB-Saison braucht. Schon seit Monaten ist der EHC Basel damit beschäftigt, Vorkehrungen für einen möglichen Aufstieg in die NLB zu treffen. «Es ist ganz klar das Ziel, dieses oder nächstes Jahr aufzusteigen», sagt Schäublin. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht der EHC Basel seine Fans: «Schreiende Fans geben Energie. Wenn du ein Tor machst, dann möchtest du nochmals einen Treffer erzielen. Das Publikum ist Motivation und die grosse Freude am Hockey», erklärt Othmann. Die Fans sollen dafür sorgen, dass die Basler Hockeyaner gegen Dübendorf, wie von Othmann gefordert, einfach Hockey spielen können. Und das ohne Kühlschrank auf dem Rücken.

Playoff-Halbfinal

EHC Dübendorf (2.) - EHC Basel (3.)

Best of Five:

Di, 18.2., 20 Uhr

Do, 20.2., 20.15 Uhr in Basel

Sa, 22.2., 17.15 Uhr

eventuell Di, 25.2., 20.15 Uhr in Basel und Do, 27.2., 20 Uhr