Triathlon
Die Wildcats springen über den Ozean

Das Basler Team baut in Australien eine Trainingsbasis auf. Nach dem Einmann-Pilotversuch im Vorjahr sind nun fünf Athleten Downunder. Die Athleten profitieren von einer unglaublichen Infrastruktur.

Patrick Pensa
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Die Wildcats-Athleten David Koster, Gaëlle Brack, Nikos Wilczek, Philipp Grosheny und Julian Fischer (von links) geniessen ihren Ruhetag.ZVG

Die Wildcats-Athleten David Koster, Gaëlle Brack, Nikos Wilczek, Philipp Grosheny und Julian Fischer (von links) geniessen ihren Ruhetag.ZVG

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Das Leben kann ungerecht sein. Währenddessen die daheimgebliebenen Athleten auf ihrer Joggingrunde mit Handschuhen, Mützen und mehreren Schichten Kleidung den eisigen Temperaturen trotzen, geniessen ihre Kollegen die australische Sonne.

Doch der Eindruck täuscht. Die fünf Wildcats-Athleten Gaëlle Brack, Nikos Wilczek, Philipp Grosheny, Langstreckenspezialist David Koster und Junioren-Vizemeister Julian Fischer liegen nicht auf der faulen Haut. Oder nur, wenn es der Trainingsplan so will – wie zum Beispiel gestern. Ansonsten heisst es um 4.30 Uhr Tagwache. Das Schwimmtraining beginnt noch vor Sonnenaufgang. «Ich habe mich schnell an den Rhythmus gewöhnt», sagt Nikos Wilczek. «Man geht dafür ja auch früher ins Bett.» Einen Vorsatz, den Wilczek mit nach Hause nehmen will.

Gaëlle Brack findet es super, um 8 Uhr schon das erste Training hinter sich zu haben, und wundert sich, wie viele Australier früh morgens Sport treiben. Nur auf eine Begegnung hätte sie gerne verzichtet: «Einmal lag am Morgen eine tote Schlange am Boden.»

Nach dem Schwimmtraining folgt normalerweise eine Lauf- oder Veloeinheit, um dann von 12.00 bis 16.00 Uhr Siesta zu machen. Abends wird dann nochmals trainiert. Ideale Bedingungen, um eine Grundlage für die Triathlonsaison zu legen.

Die zwei 20-Jährigen, Brack und Wilczek starten in diesem Jahr erstmals in der Schweizer Pro-Serie und wollen dort Fuss fassen. Die Athletin muss sich an die längere Distanz gewöhnen, der Athlet an das höhere Tempo. Einen Unterschied, den er auch in Australien kennenlernte. «Man darf nicht vergessen, dass hier gerade Saison ist. Die sind voll im Saft», sagt der angehende Primarlehrer zu dem hohen Trainingstempo.

Die Athleten weilen für einen Monat in Australien. Ausser Philipp Grosheny, der bereits im Vorjahr in Perth zu Besuch war. Er wird drei Monate bleiben. Sein australischer Trainingspartner Troy Main, der letzten Sommer bereits in Basel war, wird dafür gleich lange in die Schweiz reisen.

Das Projekt «Trainingsbase Wildcats Australia», das von Cheftrainer Claude Ammann auf vier Jahre angelegt wurde, sieht vor, dass in jedem Jahr ein weiterer Athlet zu dieser Zweiergruppe hinzukommt. Ziel des Projektes ist es, innerhalb von vier Jahren Wildcats-Athleten an die nationale Spitze heranzuführen und damit an alte Zeiten anzuknüpfen.

Passend dazu ist vor Ort Paul Mackay verantwortlich, der früher ebenfalls für die Wildcats startete. Er leitet dort eine eigene Trainingsgruppe und soll eine hohe Trainingsqualität garantieren.

Die Athleten profitieren nicht nur von einer unglaublichen Infrastruktur mit mehreren 50-m-Pools, einer Leichtathletiklaufbahn und angenehmen Temperaturen; nach dem Cheftrainer sollen sie auch die australische Mentalität aufsaugen, welche den Spagat von Lockerheit und knallhartem Training schafft.

Einen Vorgeschmack darauf erhielten die Basler gleich bei Ankunft. Sie wurden mit einem spontanen Barbecue herzlich empfangen. Und mussten am nächsten Morgen um 4.30 Uhr aus den Federn. Das Leben kann so ungerecht sein.