Eishockey
Die NLB hat sich vom klapprigen Leiterwägeli zum schicken Flitzer gemausert

Die Nationalliga B besticht europaweit mit rekordmässigen Zuschauerzahlen und enormer Qualität. Auch neben dem Eis sorgt die NLB für Aufsehen und hat gegenüber der höchsten Schweizer Liga mächtig Boden gutgemacht.

Michael Schenk
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Schauplatz NLB: Die einstige Pleiteliga hat sich zu einer publikumskräftigen Plattform entwickelt. keystone

Schauplatz NLB: Die einstige Pleiteliga hat sich zu einer publikumskräftigen Plattform entwickelt. keystone

KEYSTONE

Mehr als 2300 Fans pro Heimspiel während der Qualifikation in Langenthal – Rekord. Fast 3500 bei Quali-Sieger Olten – Rekord. 1381 in Basel mit steigender Tendenz. Auch das, ein Bestwert seit 2009. Und dito in Visp mit 3426 Zuschauern pro Match ein Allzeit-Höchst. Durchschnittlich waren 2264 Leute an jedem NLB-Qualifikationsrundenspiel dieser Saison – so viele wie nie zuvor. Klar, auch dank den SCL Tigers, die im Mittel 5208 Fans an ihren Heimspielen zählten. Notabene nur unwesentlich weniger, als zuvor in der NLA. Die NLB, keine Frage, boomt und entwickelt sich vom «Zero» zum «Hero». Von der einstigen Pleiteliga, der unter anderem Morges, Neuenburg, Sierre, Chur oder Herisau zum Opfer fielen, hin zum wirtschaftlich attraktiven Format. Keine andere zweithöchste Eishockeyliga vermag europaweit so viele Fans zu mobilisieren. Die NLB ist zum vorbildlichen Nischenprodukt avanciert. Eishockey-Sub-Zentren wie das Berner Mittelland, die Nordwestschweiz, das Wallis, der Jura oder mit Thurgau der Ostzipfel des Landes sind ein derbyreicher Nährboden auf dem Spitzen-Eishockey «light» prächtig gedeiht. Es müssen ja nicht immer fünf Sterne sein, auch ein Dreisternehotel kann sehr viele Annehmlichkeiten bieten und rentieren.

Kontrakt mit Teleclub und SRF

Der im Sommer 2012 unterzeichnete Fünfjahresvertrag mit dem Schweizer Fernsehen (SRF) und Cinetrade (Teleclub) beschert Swiss Ice Hockey jährlich brutto rund 18 Millionen Franken. Nahezu 80 Prozent mehr als beim alten Kontrakt. Klar geht vom Nettoerlös aus der gesamten zentralen Vermarktung von Swiss Ice Hockey jährlich nur ein kleiner Teil an die NLB-Klubs – immerhin aber sind das heute mehr als 100 000 Franken pro Klub. Rund 50 Prozent mehr als noch in der Saison 2011/12. Teleclub überträgt regelmässig NLB-Partien, was den Werbewert der Liga durchaus stützt. Alles Zahlen und Fakten, die den NLB-Bossen das Leben vereinfachen.

Warum soll man aufsteigen?

Der Grossteil der NLB-Klubs operiert heute mit Budgets von drei bis gut vier Millionen und steht gesund da. Die Einsicht, dass es nicht immer Kaviar sein muss, oder nur so viel Fischeier, wie man sich leisten kann, fördert die schwarzen Zahlen in den Haushaltsbüchern der NLB-Organisationen. Es besteht keine Not mehr, aufzusteigen und sich darum zu übernehmen respektive zu verschulden. Das Produkt NLB funktioniert prima. Und auch wenn es Mal nicht rund läuft, gibt es keinen Grund zu Panik(-käufen).

Da derzeit nur zehn Teams in der NLB spielen, es reglementarisch aber zwölf Plätze gäbe, gibt es keine Absteiger. Der Budget-Multiplikator in die nächsthöhere Liga – und das beginnt schon ab der 2. Liga – ist im Schweizer Eishockey so gross geworden, dass sich die Ligen auf dieser finanziellen Anforderung quasi in homöopathische Dosen schliessen. Und das ist gut so, weil es allen eine Planungssicherheit gibt. Die NLA fordert eine komplett andere, vorab auch in personeller Hinsicht, Organisation als die NLB. Und die NLB eine völlig andere als die 1. Liga.

Mit tiefen Budget droht gleich der Wiederabstieg

Der Sprung von der NLB in die NLA verlangt mindestens eine Verdoppelung des Budgets. Unter sieben, acht Millionen kann man indes in neun von zehn Jahren gleich die Playouts planen. Geld freilich, das für einen potenziellen Aufsteiger weder aus dem Vermarktungsvertrag von Swiss Ice Hockey noch der Werbung, noch mit zusätzlichen Zuschauer-Einnahmen generiert werden kann. Wer in der NLA überleben will – vorausgesetzt er hat keinen Mäzen mit fettem Portemonnaie und Mega-Eishockeyherz – braucht heute eine mehrheitsfähige, moderne Infrastruktur. Eine Highheels taugliche Halle sozusagen. Das ist essenziell.

Sport auf Topniveau ist längst Entertainment und gesellschaftliche Plattform. Stichwort VIP-Betreuung, Sponsoring-Packages, Merchandising, Parkplätze, Catering etc. Was Tempo, Taktik und Technik auf dem Eis angeht, hat die NLB vis-à-vis der NLA gewaltig Terrain gutgemacht. Inzwischen sind Tausende von NLA- und NHL-Spielen in Form bestandener Persönlichkeiten in der NLB «on ice». Gemixt mit vielen jungen, talentierten und aufstrebenden Spielern, die für höhere Aufgaben vorbereitet werden, ergibt dies ein höchst attraktives Niveau. Den Unterschied zwischen NLA und NLB macht in dem Sinn zunehmend der Rahmen aus, in dem sich das Spiel abspielt. Just in dieser Hinsicht hat die NLB derzeit noch ihr grösstes Entwicklungspotenzial. Doch auch diesbezüglich ist man mit diversen Hallenprojekten – etwa in Visp, Langenthal und Olten – auf einem guten Weg.

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