Super League
Die nächste Schlacht im Joggeli

Der FCB erkämpft sich nach dem Chaos der letzten Tage ein 1:1 gegen YB. Und der Präsident spricht plötzlich.

Céline Feller
Merken
Drucken
Teilen
Es war eine Abwehrschlacht. Mal für Mal werfen sich die FCB-Spieler wie hier Jasper van der Werff in die Schüsse der Berner.

Es war eine Abwehrschlacht. Mal für Mal werfen sich die FCB-Spieler wie hier Jasper van der Werff in die Schüsse der Berner.

Bild: Keystone

Der FC Basel führt dieser Tage ja viele Schlachten. Interne, welche man nicht weiter kommentieren möchte, aber in der Beurlaubung des Captains enden. Welche zwischen den Aktionären. Solche mit den Fans, die sich aufgrund der Entwicklungen um Valentin Stocker und möglichen Anteilsverkäufen wehren und ihrem Unmut Luft machen.

Man hat fast das Gefühl, dass die jüngste Schlacht in dieser Woche dabei fast untergeht. Jene, welche nur fussballerischer Natur ist und in anderen Zeiten interessiert wie kaum etwas im Schweizer Fussball: Das Duell zwischen dem Leader und dem ersten Verfolger. Ein sogenanntes Spitzenspiel, sofern man es bei einem Abstand von 19 Punkten vom Zweiten auf den Ersten überhaupt noch so nennen kann.

Males' Premieren-Traumtor

Dabei ist dieses Spiel zwischen dem FC Basel und den Berner Young Boys das, was die Bezeichnung Schlacht wirklich verdient hat. Oder vielleicht besser: eine Abwehrschlacht. Anders kann man kaum bezeichnen, was der FCB in diesem Spiel zeigt. Phasenweise steht er mit elf Mann hinter der Mittellinie. Er summiert in der ersten Halbzeit nicht einmal 30 Prozent Ballbesitz. Er weiss sich nur mit langen, weiten Bällen zu befreien. Und er schiesst in der ersten Halbzeit ein einziges Mal aufs Tor.

Dass dieser Schuss auf so wunderschöne wie wundersame Art und Weise das Heimteam in Führung bringt, ist komplett gegen den Spielverlauf. Darian Males legt sich nach einem Querpass Aldo Kalulus den Ball vom rechten auf den linke Fuss und zirkelt den Ball ins rechte obere Eck. Ein Traumtor. Der Vorsprung hält aber lediglich sechs Minuten. Dann gleicht YB hochverdient aus. Weil beim FCB in der Defensive in etwa so wenig stimmt wie in der Führung.

Danach macht YB weiter, wie es begonnen hat: dominant, hoch stehend, gefährlich. Nach einer Stunde hält Heinz Lindner das 1:1 fest. Nur um zu sehen, wie Arthur Cabral in den nächsten fünf Minuten gleich zwei sehr gute Chancen versiebt. Eine erneute Führung wäre aber ohnehin unverdient gewesen. Dazu ist das, was der FCB offensiv zeigt, schlicht zu wenig. Man könnte ihm gar ein Konzept im Offensiv-Spiel absprechen. So ist eigentlich auch dieser Punkt zu viel, den die Basler im Joggeli behalten.

Weiteres Warten auf einen Heimsieg

Es ist aber auch ein Punkt, der keinem Team viel bringt. Basel kommt nicht vom Fleck, wartet weiter seit Anfang Dezember auf einen Heimsieg. Aber das Heimteam wird auch einfach glücklich sein, gegen den übermächtigen Meister nicht verloren zu haben. Timm Klose bezeichnet es gar als Reaktion auf das, was passiere und geschrieben werde. YB seinerseits kann sich nicht weiter absetzen, aber es wird ihnen egal sein. Sie haben wichtigere Aufgaben vor sich. Der FCB auch, aber nicht auf dem Platz. Die Unruhen werden nicht abnehmen, da hilft auch ein Punkt gegen YB nichts.

Aber etwas muss man dem FC Basel an diesem Abend attestieren: Wie es sich gehört in einer Schlacht, kämpft er. Er zeigt Einsatz. Man kann ihm gar Leidenschaft zuschreiben, nicht noch mehr Tore zu bekommen. Es ist eine positive Überraschung. Eben so wie das Resultat. Weil damit vor dem Anpfiff niemand gerechnet hätte. Mehr ist es aber eben auch nicht. Auch wenn die Umstände dieser Tage schwierig sind, wie auch der neue Captain Pajtim Kasami nach dem Spiel zugibt: «Es fällt alles schwerer.» Insofern sieht er auch das Erreichte ähnlich wie Klose, sagt:

«Ich weiss nicht, ob wir zwei Punkte verloren, oder einen gewonnen haben.»

Burgener spricht von einem Tag der Abrechnung

Was in den letzten Tagen passiert ist, kommentiert der Captain nicht detailliert. «Wir dürfen uns nicht damit beschäftigen.» Klose wird deutlicher, sagt, dass es nicht einfach sei, wenn einem der Captain weggenommen werde. «Vor allem weil viele Spieler eine Beziehung zu Valentin haben. Ich auch.» Er finde es schade, mehr könne er aber nicht sagen. Mehr muss er auch nicht sagen. Das muss einer, der nach dem Spiel doch noch hinsteht: der Präsident.

Bernhard Burgener sagt viel, aber gibt kaum etwas preis. Nur so viel: Valentin Stocker werde wieder ins Training kommen. Zu den möglichen Verkäufen spricht er von einem Glatteis, auf dem sich viele bewegen.

«Der FCB wird in Basler Händen bleiben. Es ist meine zentrale Aufgabe, dass wir überleben.»

Er freue sich auf den Tag der Abrechnung und spricht die Medien an. Und startet damit eine weitere Schlacht.