Handball
Die Bundesliga lockt als Fernziel

Der Binninger Florian Goepfert setzt alles auf eine Karriere als Profispieler. Noch spielt er in der Nationalmannschaft nur die zweite oder sogar dritte Geige.

Michael Wehrle
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Florian Goepfert will in Zukunft bei den Kadetten nur noch die erste Geige spielen und alles dafür geben. Archiv Juri Junkov

Florian Goepfert will in Zukunft bei den Kadetten nur noch die erste Geige spielen und alles dafür geben. Archiv Juri Junkov

bz Basellandschaftliche Zeitung

Doch in Zukunft möchte Florian Goepfert auf dem linken Flügel schon am Thron des noch gesetzten Manuel Liniger rütteln.

Wenn die Schweizer Handballer heute in der EM-Qualifikation in Stäfa auf Weissrussland treffen, führt noch kein Weg an Liniger vorbei, aber Goepfert hofft, dass ihm Nationaltrainer Goran Perkovac die Rolle der Nummer zwei zuteilt. Um die streitet Goepfert sich mit Marcel Hess. Der ist sechs Jahre älter, bringt natürlich deutlich mehr Erfahrung mit und hat sicher in der Defensive noch Vorteile.

Fernziel Deutschland

Aber Goepfert ist einer, der die Herausforderung sucht und annimmt. So wechselte der 22-Jährige vor dieser Saison vom RTV Basel zum besten Schweizer Klub, den Kadetten Schaffhausen. Dort soll Goepfert eines Tages die Lücke schliessen, die Liniger nach seinem Wechsel in die Bundesliga zum TBV Lemgo hinterlassen hat. Und Deutschland ist auch das ferne Ziel von Goepfert.

«Ich habe mich super in Schaffhausen eingelebt», sagt der Binninger. «Sportlich ist das genau das,
was ich wollte», betont er. Zufrieden sei er mit seinen Spielanteilen, auch wenn er manches Mal hinter dem polnischen Routiner Leszek Starczan zurückstehen muss. «Ich durfte ja nicht davon ausgehen, dass ich 60 Minuten auf dem Platz stehe, aber wenn ich in der Champions League eine Halbzeit lang spiele, dann bringt mich das weiter.» Goepfert setzt nun voll auf Handball, auch wenn er sein Wirtschaftsstudium in Basel noch weiterzieht. «Ich bin fast nie dort, schreibe aber die Prüfungen», erklärt er. Innerhalb von fünf Jahren wolle er den Bachelor-Abschluss schaffen, im Moment sei er etwa bei der Hälfte auf dem Weg dahin.

In Schaffhausen fühle er sich aber gut aufgehoben, denke, dass seine Arbeit geschätzt werde. «Doch eins ist klar, ich bin Profi, ich muss Leistung bringen», sagt er. Präsident Giorgio Behr ist jedenfalls angetan von seinem Neuzugang. «Er ist jung, diese Saison ist für ihn zum Lernen. Er darf Fehler machen», sagt der Wirtschaftsprofessor. Für ihn ist Goepfert einer, der seine Chance im Sport packen will, im Gegensatz zu anderen Schweizern, die sich gerne den Weg des geringsten Widerstands gingen.

Gesunde Selbstkritik

14 Länderspiele hat Goepfert inzwischen bestritten. «Vielleicht komme ich heute zum Einsatz, wenn es Manu nicht läuft», sagt er. Noch aber ist der sieben Jahre ältere Liniger
fast eine Art Vorbild. «Ich kann von Manu profitieren», weiss Goepfert um die Klasse des Bundesligaprofis. Den möchte er jedoch zumindest in Sachen Abwehr bald schon überholen. «Es wäre gut, wenn ich auf einer Rückraumposition verteidigen kann», sagt er. Mit 1,90 Metern ist er gross genug dafür, noch fehlen aber ein paar Kilogramm, 83 bringt er auf die Waage. «Es braucht lange, aber
so langsam schlägt das Krafttraining an», erzählt er lächelnd.

Und im Abschluss wolle er ein wenig überlegter werden. «Ich sollte auch mal einen Wurf nicht nehmen, sondern vielleicht einen Pass an den Kreis spielen», sagt er. Schafft der ehrgeizige Flügelspieler das, steht einer internationalen Karriere nichts im Weg.