FC Basel
Die Abschiede nahen: Am Samstag öffnet das Transferfenster in der Schweiz

Wenn am Samstag auch in der Schweiz das Transferfenster öffnet, dürfte beim FC Basel Bewegung rein kommen. Das aktuell 29 Spieler umfassende Kader wird dünner werden.

Céline Feller
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Werden bald kaum mehr Rotblau tragen: Samuele Campo (links) und Aldo Kalulu.

Werden bald kaum mehr Rotblau tragen: Samuele Campo (links) und Aldo Kalulu.

freshfocus.ch

Einer ist ja schon weg. Dimitri Oberlin. Seit genau 14 Tagen steht der 23-Jährige nicht mehr auf der Lohnliste des FC Basel. Der Vertrag wurde per Ende 2020 aufgelöst. Ausschlaggebenden soll der Besuch und die Finanzierung einer Party gewesen sein, nur einen Tag vor dem Auswärtsspiel in Lugano. Oberlin, der schon vor diesem Zwischenfall kaum mehr eine Rolle spielte, fiel so komplett durch. Einst von Eigentümer Bernhard Burgener als «nächster Salah» bezeichnet, wurde das Missverständnis nach dreieinhalb Jahren endgültig beendet.

Als Missverständnis könnte man auch das Engagement jenes Mannes bezeichnen, der in dieser Transferperiode den FC Basel mit grösster Wahrscheinlichkeit ebenfalls verlassen dürfte: Aldo Kalulu. Mit grossen Vorschusslorbeeren kam er von Olympique Lyon, obschon er in der Saison vor dem Transfer nach Basel «nur» für Sochaux in der zweiten französischen Liga spielte. Wirklich durchsetzen konnte sich Kalulu nie. Weder Marcel Koller noch Ciriaco Sforza fanden je wirklich Verwendung für ihn. In der Herbst-
Transferperiode war der Franzose fast schon weg. Aber eben nur fast. Sein Wechsel zu Amiens platze kurz vor knapp, der Spieler machte seiner Enttäuschung via Instagram und Twitter Luft. Eine Aktion, die seine Karten in Basel nicht eben verbesserte.

Nun soll das Kapitel endlich beendet werden. Kalulus Wunsch sei es, zu seinem früheren Arbeitgeber Sochaux zurückzukehren, wie der Sportdirektor des Ligue-2-Klubs, Thomas Deniaud, gegenüber «Francebleu» erklärte. Die Realität sieht wohl aber anders aus. Deniaud sagt: «Ich war letzte Woche noch bei seinem Agenten. Aldo hatte Sochaux zu seiner Priorität gemacht, aber ich glaube, er wird zu einem anderen Ligue-2-Klub wechseln.»

Das dicht besetzte Mittelfeld

Welcher dies sein soll, und ob Deniaud mehr weiss, konkretisiert dieser nicht. Klar ist nur: Kalulu ist einer der zwei Top-Kandidaten für einen Abgang in diesem Fenster, welches am Samstag öffnet und am 15. Februar wieder schliesst. Denn Obschon der FCB bereits im Oktober eine Verdünnung des Kaders angekündigt hatte, ist dieses noch immer sehr breit. 29 Akteure führt der Verein auf seiner Homepage als zur ersten Mannschaft zugehörig auf.

Nachwuchshoffnungen wie Carmine Chiappetta oder Liam Chipperfield fehlen dort, obschon sie zu Einsätzen kommen könnten. Beide sind im Mittelfeld zu Hause und damit in einem Sektor, der bei den Baslern sehr gut besetzt ist. So sehr, dass Top-Kandidat Nummer 2 für eine Abgang einer ist, dem man bei seiner Verpflichtung vor drei Jahren noch die Fähigkeit attestierte, Matías Delgado zu ersetzen: Samuele Campo. Aber Campo, ein absoluter Konzeptspieler, ausgestattet mit einer Technik und einem linken Fuss, wie es ihn in der Schweiz sonst wohl kaum gibt, konnte dieses Versprechen nie einlösen. Bezeichnend dafür ist, dass seine meiste Einsatzzeit aus jener Phase datiert, in der sein direkter Konkurrent auf der Zehner-Position, Luca Zuffi, aufgrund eines Kreuzbandrisses monatelang fehlte.

Nicht nur in diesen Monaten zeigte Campo zwar immer wieder, zu was er fähig war: Bälle in die Tiefe, die kaum sonst einer spielt. Freistösse, Pässe, Übersicht. Aber zu seinem Repertoire gehören eben auch: Nonchalance, Ballverluste, eine nicht optimale Körpersprache und Zweikampfschwäche. Der Versuch von Sforza, ihn eine Reihe weiter nach hinten auf die Sechs zu schieben, ist gescheitert. Dies erklärte Sforza kurz vor der Winterpause. Im Gespräch mit dem Spieler habe er dessen Unwillen gespürt, sich an eine defensivere Rolle zu gewöhnen und ihm einen Wechsel nahe gelegt.

Mit seinen 25 Jahren ist Campo kein Rohdiamant mehr, kein Talent, das man dereinst für viel Geld verkaufen kann. Beim FCB besitzt er zwar noch Vertrag bis 2022, den er aussitzen könnte. Will er aber spielen, muss er weg. Wo es für den Techniker weiter geht, ist unklar. In die Challenge League dürfte er nicht gehen wollen, ein Transfer ins Ausland ist daher realistischer, sofern sich ein geeigneter Abnehmer findet.

Auch für Zuffi und Klose geht es um die Zukunft

Während diese beiden Abgänge schon so gut wie sicher sind, gibt es noch Personalien, deren Zukunft ebenfalls zeitnah geklärt werden müssen. Da wären die Leihspieler Jorge, Jasper van der Werff und Timm Klose, deren Verträge alle im Sommer auslaufen. Während Jorge verletzungsbedingt keine Chance mehr hat, sich für eine Übernahme zu empfehlen, können van der Werff und Klose dies tun.

Klose sagte vor dem Jahreswechsel, es liege an ihm, ob er bleiben könne. Heisst also wohl, dass er gewisse Parameter erfüllen muss, damit er fix übernommen wird. Van der Werff hingegen kann zwar versuchen, sich aufzudrängen. Da es aber keine Kaufklausel gibt, dürfte er im Sommer zurück nach Salzburg gehen.

Und dann ist da noch ein prominenter Name: Luca Zuffi. Der Vertrag des 30-Jährigen läuft ebenfalls im Sommer aus. Er muss sich nach seiner Verletzung wieder beweisen und darum kämpfen, dass seine Zeit beim FCB im verflixten siebten Jahr nicht endet. Nur: Wie viel Sinn es macht, seinen Vertrag zu verlängern, ist die andere Frage, wenn man sieht, was auf seiner Position alles an Talenten nach kommt.