Handball
Der RTV Basel zeigt gegen Kreuzlingen, was in ihm steckt

Die Realturner überzeugen mit wiedergewonnenen Tugenden, zu denen insbesondere Rückkehrer Pascal Stauber seinen Teil dazu beigetragen hat.

Ilan Olstein
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Basels Goalie Pascal Stauber mit einem Freudenschrei nach einer geglückten Parade.

Basels Goalie Pascal Stauber mit einem Freudenschrei nach einer geglückten Parade.

Uwe Zinke

Cassius Marcellus Clay Junior – besser bekannt als Muhammad Ali – hat ihn erfunden: den Trash-Talk. Die Box-Legende lockte seine Kontrahenten im Ring mit provozierendem Geschwätz aus der Reserve: «Wenn du nur schon daran denkst, mich zu schlagen, wach besser auf und entschuldige dich bei mir!» Von Legenden wie Ali kann man sich im Handball-Sport einiges abschauen.

Auch der RTV Basel ist bekannt für seinen aggressiven und vielleicht nicht immer ganz sportlichen Spielstil. Igor Stamenov – Captain und RTV-Urgestein – praktiziert diesen Trash-Talk genau so leidenschaftlich wie «The Greatest». Generell galt der Gang zum RTV für alle Gegner als höchst unangenehm. Doch dieser Status ist seit dem Abstieg in die Nationalliga B am bröckeln.

Saisonziele früh in Gefahr

Auch in dieser Saison gelang es dem Team von Trainer Silvio Wernle nicht, seine Gegner, die allesamt als Aussenseiter antreten, zu verunsichern. Die Realturner zeigten sich in den Startspielen von einer ungewohnt zaghaften Seite. Kampf und Wille, Attribute, die den RTV stets auszeichneten, gingen den Bebbi teilweise komplett ab.

Für Wernle hat diese Blockade mentale Gründe: «Wir sind schlichtweg überheblich aufgetreten, was uns in den Startphasen jeweils früh in Rücklage brachte.» Das realistische Ziel, um den Aufstieg mitzuspielen, schien bereits nach wenigen Runden in Gefahr. Deshalb hat man sich in der vergangen Woche zusammengesetzt und nochmals auf die kommenden Aufgaben eingeschworen.

Stauber kehrt sensationell zurück

Diese Massnahme trug im Spiel gegen den bislang verlustpunktlosen Leader aus Kreuzlingen Früchte. Da war er wieder: Ein hoch konzentrierter, zweikampfstarker und zielstrebiger RTV, der die Gäste vor allem durch die hervorragende Deckungsarbeit zu bemitleidenswerten Statisten degradierte. Fünf Treffer gelangen den Ostschweizern in Halbzeit eins (12:5). Von der 11. bis in die 29. Minute gab es gar kein Vorbeikommen an einem, der den Löwenanteil am positiven Aufritt des RTV trägt: Pascal Stauber.

«Das Ein und Alles» sei es, das Torwartspiel im Handball. Stauber, der nach längerer Verletzungspause sein Comeback gab, will aber nichts davon wissen, dass der verhaltene Saisonstart etwas mit seinem Fehlen zu tun hat: «Da war nur eine schwache Halbzeit der Goalies dabei.»

Derby steht vor der Tür

Nichtsdestotrotz verleiht Staubers blosse Anwesenheit den Teamkameraden und Gegnern ein vertrautes beziehungsweise unwohles Gefühl. Wer eine 55-Prozent-Fangquote hat, verleitet die Schützen zu noch präziseren Würfen, was selten von Erfolg gekrönt ist. Und mit seiner Körpersprache bringt Stauber Emotionen ins RTV-Spiel, die seine Vorderleute ans Limit pushen. Beim hochverdienten 32:25-Sieg konnten aber alle Mannschaftsteile überzeugen.

Das wird im heissen Derby gegen Möhlin erneut nötig sein, denn «dieser Sieg ist nur etwas Wert, wenn wir das nächste Spiel gewinnen», meinte Wernle. Mit Stauber im Tor: machbar.

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