FC Basel

Der FCB vor dem Klassiker in Zürich: Von Stürmern und stürmischen Zeiten

Schiesst Rückkehrer Arthur Cabral (links) die Sorgen von Marcel Koller (Mitte) weg?

Schiesst Rückkehrer Arthur Cabral (links) die Sorgen von Marcel Koller (Mitte) weg?

Ricky van Wolfswinkel und Arthur Cabral sind zurück - ebenso wie die Fragen zur Zukunft des FCB-Trainers Marcel Koller. Kann er sich eine vierte Pleite in Serie leisten?

Auf den ersten Blick fällt es kaum auf. Alle Spieler sind so dick verpackt, man erkennt sie am Freitagmorgen kaum. Der Wind, der bläst, ist eisig kalt. Die Mützen sind daher tief ins Gesicht, die Halswärmer bis weit nach oben gezogen. Aber zwei Spieler, die stechen dennoch ins Auge. Der eine, weil er endlich wieder da ist. Und der andere, weil er wieder richtig da ist. Ersterer ist Arthur Cabral, der seit Trainingsstart Anfang Januar aufgrund eines gezerrten Kreuzbandes ausfiel. Zweiterer ist Ricky van Wolfswinkel, der wie seit Donnerstag bekannt ist, nach überstandener Reha nach einem Aneurysma-Eingriff wieder voll mittun kann. Er darf Zweikämpfe bestreiten, Kopfbälle ausführen, wieder ohne Helm auflaufen und er ist vor allem: wieder matchfit.

Das neue Gedränge im FCB-Kader

Die zwei Rückkehrer entspannen die Lage beim FC Basel merklich. So sehr, dass die Leihe von Julian von Moos nach Wil (bis Saisonende) auch weniger Aufsehen erregt, als sie das noch vor Wochenfrist getan hätte. Denn damals hatte der FCB nur noch einen einzigen, einsatzbereiten, gestandenen Stürmer im Kader: Kemal Ademi. Bloss war dieser nicht mehr der Kemal Ademi vom Saisonstart, in dem er aus gefühlt jeder Lage und fast jedem Spiel ein Tor erzielte. Er war zuletzt viel eher der Kemal Ademi, dem man deutlich anmerkte, dass er seit Anfang November kein Tor mehr geschossen hat.

«Er ist ein bisschen mit sich am kämpfen», gewährt der Trainer Marcel Koller Einblick in das Seelenleben seines Stürmers und ergänzt: «Er hat aktuell nicht das Selbstvertrauen, das notwendig ist.» Es fehle das berühmte, zufällige Tor, bei dem er auch abgeschossen werden könne, und dann platze der Knoten wieder. «Bis das passiert, ist es halt einfach eine Kopfsache.» Ob Ademi ob der wiedergewonnen Konkurrenz und seiner Formkrise am Samstag gegen den FC Zürich gleich seinen Stammplatz abgeben muss, ist möglich. Sowohl Cabral als auch Van Wolfswinkel sind in den Augen Kollers bereit, um spielen zu können. Aber: Die längere Absenz wirft natürlich auch Fragen auf, ob sie effektiv schon fit genug für einen Startelfeinsatz sind.

Ohnehin wird das Gedränge im Kader des FC Basel wieder grösser. Endlich – muss man fast sagen. Neben den beiden Stürmern kehren nämlich auch die zuletzt gesperrten Valentin Stocker und Omar Alderete zurück. Beide haben ihre Sperren nach Unsportlichkeiten abgesessen und verleihen dem dünn besetzt wirkenden Kader wieder mehr Breite, Flexibilität und ja, auch Qualität.

Das verleiht Marcel Koller auch mehr Spielraum für taktische Anpassungen – gleichzeitig aber auch weniger Optionen für Ausreden. Nicht dass der Trainer diese nach den beiden Niederlagen gegen YB und St. Gallen lauthals bemühte. Dass die Sperren in den beiden Spitzenspielen aber so zahlreich wie gewichtig warten, betonte er dennoch. Jetzt hat Koller ein so breites Kader zur Auswahl wie seit Wochen nicht mehr. Es fordert ihn noch mehr, in diesem so immens wichtigen Spiel die richtigen personellen Entscheidungen zu treffen.

Die alten Fragen beim FCB-Trainer

Marcel Koller weiss auch, dass das Spiel nicht nur für das Punktekonto und das Selbstvertrauen wichtig sein wird, sondern auch für ihn. Nach der dritten Niederlage in Serie wurden die Fragen und Stimmen zu seiner Person lauter. Koller besitzt einen Vertrag bis im Sommer, der sich beim Gewinn eines Meistertitels verlängert. Aber die Frage ist momentan zu St. Jakob viel eher, ob er diesen bis im Sommer erfüllen darf. Die positiven Argumente, die er noch im Winter aufweisen konnte, sind verflogen.

Zwar spielt der FC Basel immer noch europäisch und im Cup – mit Auftritten wie gegen YB oder vor allem St. Gallen muss man aber gar Angst haben, dass das unterklassige Lausanne für den FCB im Cup-Viertelfinal Anfang März gefährlich werden könnte. So spielt Koller - auch wenn das niemand so sagt und sowohl er als auch seine Chefs etwas gar übertrieben auf angeblicher Ruhe beharren - am Samstag gegen den FCZ auch ein bisschen um seine Zukunft. Ob auch er spüre, dass der Druck zunehme, wurde er am Freitag gefragt. Koller antwortete mit: «Ja, das ist grundsätzlich so. Vor allem auch, wenn man bei einem Spitzenverein ist.»

Als Trainer eines solchen, weiss Koller selber, wie heikel eine vierte Niederlage in Serie wäre. Zwar verbliebe der FCB auf Platz 3. Aber der Rückstand auf das Spitzenduo würde noch grösser. Die Aussicht auf den Titel noch kleiner. Die Zeiten in Basel noch stürmischer. Und der Wind noch eisiger, als er es am Freitagmorgen bereits war.

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