Irgendwann muss es geschehen. Lieber früher als später, wenn es nach dem FC Basel geht. «Vielleicht explodiert ja noch einer der jungen Spieler», sagte Trainer Raphael Wicky nach seinem ersten Training als Chef des Fanionteams. Und ähnlich tönt es allenthalben, wenn man sich beim Serienmeister umhört. Eine Neuentdeckung, ein wuchtiger Durchbruch. Wie bei Manuel Akanji, aber jetzt bitte in der Offensive.

Eben hat der FCB mit Dimitri Oberlin (19) ein weiteres Talent verpflichtet. Damit ist die Kaderplanung abgeschlossen, sofern nicht noch jemand den Klub verlassen sollte. So oder so käme es dem FCB entgegen, wenn einer der jungen Spieler einschlagen würde. 

FCB-Trainingslager in Crans-Montana:

Und hier kommt die «Angola-Connection» ins Spiel, wie Neftali Manzambi (20) sich und seine beiden Kumpels Dereck Kutesa (19) und Afimico Pululu (18) während des Gesprächs mit der «Schweiz am Wochenende» nennt.

Allesamt sind sie Angreifer, allesamt sind sie hoch talentiert und allesamt haben sie Wurzeln in Angola im Südwesten Afrikas. Pululu und Manzambi wurden in Luanda, der Hauptstadt der ehemals portugiesischen Kolonie geboren. Kutesas Eltern flüchteten schon vorher in die Schweiz, er kam in Genf zur Welt.

Der Bürgerkrieg (1975 bis 2002) hat in Angola über einer halbe Million Menschen das Leben gekostet, rund 2,5 Millionen flüchteten oder wurden vertrieben. Das hat die Familien der drei Freunde in die Schweiz (Manzambi, Kutesa) und nach Frankreich (Pululu) geführt und letztlich die Basis dazu gelegt, dass die drei im FCB einen Verein fanden, der auf sie setzt.

Pululu und Manzambi wurden in Luanda, der Hauptstadt der ehemals portugiesischen Kolonie geboren.

Pululu und Manzambi wurden in Luanda, der Hauptstadt der ehemals portugiesischen Kolonie geboren.

Jeder der drei hat das Zeug, um in der Super League bestehen zu können, da ist man sich auch bei anderen Vereinen sicher. Ein bisschen Glück, das richtige Timing – und bumm! Da wäre die herbeigesehnte Explosion. Trainer Raphael Wicky obliegt es, den Moment zu finden, zu riechen, welcher der drei am weitesten ist. Eine Bestandesaufnahme.

Beginnen wir beim Ältesten, Manzambi. Ein Muskelpaket sondergleichen, schnell, durchaus torgefährlich. Er ist der Anführer unter den dreien, am längsten schon in Basel. Mit 12 Jahren verliess er das Elternhaus in La Chaux-de-Fonds und kam in die Lehnmatt, das Internat des FC Basel. Seit rund zwei Jahren ist er regelmässig bei der ersten Mannschaft im Training und in diesem Jahr definitiv im Kader.

Neftali Manzambi ist ein Muskelpaket sondergleichen, schnell, durchaus torgefährlich.

Neftali Manzambi ist ein Muskelpaket sondergleichen, schnell, durchaus torgefährlich.

Er kennt den Umgang mit Medien, das Team, den Trainer. Deutsch ist kein Problem. Die Lehre machte er bei der Novartis als Büroassistent, er wohnte mit Gleichaltrigen aus der Deutschschweiz. Im Nachwuchs spielte er oft als Stürmer, aber in der ersten Mannschaft konnte er sich dort selten behaupten. Derzeit leidet er an einer leichten Muskelverletzung. Mit Dimitri Oberlin ist eben ein hoffnungsvolles Talent zum FCB gestossen. Weitere Konkurrenz für Manzambi. «Je mehr gute Spieler in der Mannschaft sind, desto grösser sind unsere Fortschritte», sagt der Angola-Schweizer. Er fürchtet sich nicht vor Konkurrenz. 

Dann Kutesa. Auch er wuchs in der Westschweiz auf, auch er spricht Französisch, und wie seine beiden Kollegen hat er seine Muttersprache, Portugiesisch, weitgehend verlernt. Kutesa durchlief den Nachwuchs von Servette, stieg mit den Genfern aus der Challenge League ab (wegen finanzieller Probleme), und während sein Team im Folgejahr den direkten Wiederaufstieg schaffte, wechselte Kutesa in den Nachwuchs des FC Basel.

Dereck Kutesa durchlief den Nachwuchs von Servette.

Dereck Kutesa durchlief den Nachwuchs von Servette.

Seit einem Jahr ist er im Kader der ersten Mannschaft und kam dort nach überstandener Patellasehnenoperation vergangene Saison zu ersten Einsätzen in Meisterschaft und Cup. Er ist zurückhaltender als Manzambi, aber der Schalk lacht aus seinen Augen. Witz hat Kutesa auch auf dem Platz, Spielwitz. Schnell, wendig – ein Wirbelwind auf dem Flügel. Er kennt Wicky schon aus Servette-Zeiten, war beim Walliser in der U14 und dann in der U16. Kutesa lobt Wicky: «Er behandelt uns Profis jetzt gleich wie damals in Genf die Talente, spricht ehrlich mit den Spielern, ist immer positiv.»

Und dann wäre da noch Pululu. Das Nesthäkchen. Im Gespräch schüchtern, eher misstrauisch verschränkt er die Arme vor der Brust. Seine Antworten sind knapp, aber präzis, die Stimme tief. Er ist Stürmer mit ausgeprägtem Torriecher. Und seine Schnellkraftwerte sollen noch besser sein als jene von Breel Embolo. Was er in den Testspielen schon gegen Athletic Bilbao bewies.

Wie Manzambi stiess er schon als 12-Jähriger zum FCB. Und zwar aus Frankreich. Eine knappe Stunde mit dem öV reiste er jeweils an aus Mulhouse, ehe auch er in der Lehnmatt ein neues Daheim fand. Zweimal hat er sich bisher den Meniskus gerissen – einmal links, einmal rechts. Im Winter kam er von der Verletzung zurück, spielte die Rückrunde in der U21 und steht jetzt im Kader der ersten Mannschaft. «Die Verletzungen waren hart, aber man lernt auch daraus», sagt er.

Pululu hat die Nase vorn

In Basel ist man von den Fähigkeiten der drei überzeugt. Man weiss aber auch, wie heikel es ist, einen jungen Spieler beim FCB zu integrieren, will auf jeden Fall vermeiden, dass man einen Rohdiamanten verbrennt. Das heisst für die Angola-Boys: Geduld haben, auf die Chance warten.

Wer aber hat die Nase vorn? Manzambi wurde während der Vorbereitung durch einen leichten Muskelfaserriss gebremst. Er dürfte sicher die schlechtesten Karten haben. Bleiben Kutesa und Pululu. Ersterer hat den Vorteil, dass er schon vergangene Saison zu ersten Einsätzen kam, dass ihn der Trainer seit Jahren kennt und er ansprechende Leistungen gezeigt hat während der Vorbereitung.

Pululu ist erst seit einem halben Jahr wieder fit, startete aber danach gleich durch und erzielte gegen Bilbao seinen ersten Treffer in einem Spiel für die erste Mannschaft. Im Zusammenhang mit der oft beschworenen Leistungsexplosion fällt kein Name häufiger als Pululu. Er hat die Nase vorn.