Regiosport
Das Wohnzimmer als neues Studio: So halten Basler Sportanbieter ihre Kunden trotz Corona fit

Fitness-, Tanz- und Yogastudios sind seit einigen Wochen bereits geschlossen. Die drastischen Massnahmen sind für die Anbieter aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Aufgrund ihres digitalen Angebots erschliessen sich für sie sogar neue Chancen.

Simon Leser
Merken
Drucken
Teilen
Erd-Meditation für Anfänger

Erd-Meditation für Anfänger

Youtube

Not macht erfinderisch. Während viele Unternehmen, Selbstständigerwerbende und Angestellte um ihre Existenz bangen, kommt auch eine positive menschliche Tugend zum Vorschein. Ausgelöst durch die Zwangsschliessung von Fitness-, Tanz- und Yogastudios, spriessen virtuelle Unterrichtseinheiten wie Pilze aus dem Boden. Über Videokonferenz-Apps wie Zoom wird Nähe und Abwechslung in Zeiten von Entbehrung und Monotonie geboten. Was das Tanzstudio sonst ist, ist heute das Wohnzimmer. Ein Ort, um sich zu treffen und die Gedanken zu entleeren.

Viele Sportanbieter aus der Region haben in den letzten Tagen ihr Programm digital ausgerüstet. Täglich unterrichten sie Sportbegeisterte über ihre Bildschirmkameras. «Sporteinheiten über einen Livestream gibt dir ein Gefühl der Gemeinschaft», sagt Savina Osswald. Sie ist Geschäftsführerin des Anjali Studios Basel, das neben Yoga auch Pilates anbietet. Sie und ihr Team realisierten früh, dass ein solches Angebot ein wichtiges Signal aussendet. «Wir wollen mit den Leuten in Kontakt bleiben und dafür sorgen, dass sie ihre Yoga-Praxis nicht verlieren.» Das Angebot besteht aus kostenpflichtigen Kursen sowie aus Videos, die gratis zur Verfügung gestellt werden. Osswald will ihren Kunden in den rastlosen Zeiten Halt geben. Yoga ist dafür ein geeignetes Mittel. Die Teilnehmenden entfliehen ihren mit Informationen vollgestopften Gedanken und kehren in sich herein. «In Krisenzeiten muss man innovativ, offen und kreativ sein. Dann gibt es immer einen Weg», sagt sie und überlegt sich, das digitale Angebot nach der Coronakrise weiterhin anzubieten.

Getanzt wird nur mit Hygieneempfehlung

Das Mantra der Tage heisst Social Distancing. Es beisst sich daher eigentlich mit Tänzen, in denen oft kein Blatt zwischen ein Tanzpaar passt. Doch Sabrina Stäubli hat vorgesorgt. Gemeinsam mit ihren beiden Kollegen der Geschäftsleitung vom Tanzstudio Bailamos Salsa bietet sie digitale Einzel- und Paartanzkurse an. Salsa, Bachata und Reggaeton als Linderung der angeschlagenen Volksseele. «Wir empfehlen den Tanzpaaren, dass sie nur teilnehmen, wenn sie zusammen wohnen», sagt sie. Auch die Tanzlehrer müssen das gleiche Dach über dem Kopf haben. Während normalerweise in drei Studios getanzt wird, hat ihr Team auf die Schnelle ein Studio umgebaut, um einen digitalen Unterricht zu ermöglichen.

Zusammen mit ihrem Partner steht sie nun darin und lässt die Musik laufen, die via Zoom in die eigenen vier Wände der Teilnehmenden ausgestrahlt wird. «In einer Krise darf man nicht stehen bleiben. Man muss vorwärts schauen», sagt sie. Auch wenn nur zehn Prozent der üblichen Tanzkurse stattfinden, sieht sie das Positive. Aufgrund des digitalen Angebots schalten sich auch Leute ein, die gar nicht in Basel wohnen.

Die digitale Reichweite steigt auch bei den fünf Fitnesscenter, die zur Migros gehören. Mit Fitness@home hatte es bereits vor der Krise ein Heimangebot im Portfolio. «Nun sind die Benutzerzahlen aber regelrecht explodiert», sagt Daniel Gerber, Leiter der Migros-Fitnessanlagen Basel. Die Coronakrise ist eine Chance für solche Kanäle. Daneben produzieren die Instruktoren neuerdings wöchentlich hausgemachte Videos. Diese finden ihren Weg über die sozialen Medien zu den Kunden, die zudem mit Wochenchallenges auf Trab gehalten werden: 1000 Liegestütze oder 30 Minuten Wandsitzen. «Menschen fühlen sich besser, wenn sie sich bewegt und geschwitzt haben», sagt Gerber.

Ähnlich sieht es Andrea Schumacher, die selbstständige Zumba- und Fitnessinstruktorin ist. «Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, beweglich zu bleiben – geistig und körperlich.» Und so strahlt sie mehrmals die Woche aus ihrer Wohnung, tanzt in die Bildschirmkamera, lässt lateinamerikanische Musik laufen. Es vermittelt den Teilnehmenden Spass und lässt sie die Realität für einen kurzen Moment entfliehen. Dem Computer, der vor ihnen platziert ist, und dem Umstellungsvermögen der Sportanbieter sei Dank.