FC Basel
Das Unterbewusstsein und seine Folgen: «Als Meister denkt man wohl anders»

Der FC Basel beweist im zweiten Spiel in Folge, dass die bereits entschiedene Meisterschaft eine Bürde ist. «Die Spannung hinzubekommen, ist eine Gratwanderung», gibt Renato Steffen zu.

Céline Feller
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«Wie eine Niederlage», sagt Renato Steffen enttäuscht.

«Wie eine Niederlage», sagt Renato Steffen enttäuscht.

Keystone

Luca Zuffi? Taucht nicht auf. Marc Janko? Keine Lust. Matias Delgado? Hat keine Zeit, weil er in der Physio ist. Also bleibt es an Renato Steffen, zu erklären, wieso der FC Basel im ersten Heimspiel als Meister nur ein 3:3 gegen den FC Thun geholt hat.

Sichtlich enerviert taucht der meistgefoulte Spieler der Partie in der Mixed Zone auf. «Wenn man so spät noch den Ausgleich kassiert, dann fühlt es sich schon wie eine Niederlage an», sagt Steffen und spricht das 3:3 in der Nachspielzeit an. Dass der FCB in diesem Spiel aber überhaupt einmal in Führung gehen würde, daran glaubten nach dem Spielverlauf die wenigsten.

Zweimal geraten die Basler in Rückstand, können zwar zweimal ausgleichen. Aber der Meister ist über weite Strecken schlechter als der Tabellensiebte. Es behagt dem FCB nicht, dass der Gast hoch presst. «Uns hat in einigen Situationen die Präzision gefehlt», meint Steffen und spricht die unheimlich vielen Ballverluste an, die nach dem Abpfiff auch Cheftrainer Urs Fischer bemängelte.

Die Gratwanderung mit der Spannung

Es sind die Folgen einer bereits entschiedenen Meisterschaft. Folgen, gegen die der FCB zwar anzukämpfen versucht, aber offensichtlich ohne Erfolg. «Das Denken, wenn man schon Meister ist, ist vielleicht schon ein anderes, als wenn man es noch nicht ist», gibt Steffen zu. Wäre man noch nicht Meister, dann «würden wir es bis zur 95. Minute durchziehen. Dass das aber mit dem Wissen der bereits gefallenen Entscheidung nicht so ist, haben wir schon in Lugano gesehen (der FCB verschenkte eine 2:0-Führung, Anm. d. Red.). Solche Spiele geben wir normalerweise nicht mehr aus der Hand.» Aber es sei nun einmal im Unterbewusstsein.

Das 3:3 gegen Thun in Bildern:

Thun jubelt: Den Berner Oberländern gelingt in der Nachspielzeit das 3:3.
9 Bilder
Wer sie nicht macht, bekommt sie: Fransson scheitert an Faivre.
Flugeinlange von Steffen.
Serey Die erzielt das 3:2 in der 90. Minute.
FC Basel - FC Thun (32. Runde, Super League, 2016/17)
Enges Laufduell: Janko (links) gegen Bürki.
Steffen erzielt in der 24. Minute das 1:1.
Elyounoussi im Abschluss.
Sorgic erzielt das 1:0 für Thun in der 17. Minute.

Thun jubelt: Den Berner Oberländern gelingt in der Nachspielzeit das 3:3.

Keystone

So sehr, dass die oft beschworene Spannung nicht mehr hochgehalten werden kann. Auch, wenn Fischer alles versucht, um dem entgegenzuwirken, scheint es ihm nicht zu gelingen. «Es macht den Anschein, dass es mitspielt, dass wir bereits Meister sind», muss er zugeben. «Die Spannung so hinzubekommen, in Spielen, in denen es nicht mehr um so viel geht, das ist eine Gratwanderung.»

Eine, die dem FCB unglaublich schwerfällt. Fischer schickte seine beste Elf auf den Platz. Gebracht hat es nichts. Oder nur phasenweise etwas. «Ansatzweise haben wir gezeigt, was wir können. Aber das muss über 90 Minuten klappen, nicht nur über 60 Minuten wie in Lugano oder bis zum Bruch im Spiel wie heute.» Noch hat der FCB Zeit, seine Einstellung zu korrigieren. Für Steffen ist aber schon jetzt klar: «Wollen wir im Cupfinal etwas reissen, müssen wir eine Schippe drauflegen.»

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