Breitensport
Beach-Soccer-Krise: Ein sandiges Problem – auch in Liestal

Die nationale Beach-Soccer-Krise ist auch in Liestal spürbar: Kritisiert wird die Vernachlässigung des Breitensports.

Mirjam Bollinger
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Triste Zeiten beim «Gitterli» Man hofft auf ein baldiges Frühlingserwachen im Baselbieter Beach Soccer.

Triste Zeiten beim «Gitterli» Man hofft auf ein baldiges Frühlingserwachen im Baselbieter Beach Soccer.

Juri Junkov

Seit einigen Monaten steckt der Wurm im Beach Soccer. Was ab 2010 als Erfolgsgeschichte mit renommierten Sponsoren und Grossevents im Zürcher Hauptbahnhof oder auf dem Bundesplatz begann, gipfelte vergangenen Sommer in einer Krise. Während sich das Nationalteam weiterhin von einem Erfolg zum nächsten kickte, durchlebt die Liga ein Vereinssterben: 2010 nahmen noch 30 Männerteams an der Swiss Beach Soccer League teil, 2019 waren es nur noch elf. Bereits ein Jahr zuvor wurde die zweite Liga gestrichen.

In den Vereinen wurden Vorwürfe gegen die Swiss Beach Soccer GmbH (SBS) und die beiden Schweizer Beach-Soccer-Pioniere Angelo Schirinzi und Reto Wenger laut. «Zweifellos haben die beiden Grosses für den Sport in der Schweiz geleistet. Dennoch liegt ihr Interesse auf der Nati, wobei die Förderung des Breitensports vernachlässigt wird», sagt Benjamin Schellenberg, der Präsident der Winti Panthers.

Der Auslöser der eigentlichen Krise markierte jedoch die finanzielle Intransparenz der SBS. Einerseits missfiel es den Vereinen, dass der Spielbetrieb der Amateurliga im Jahr 2018 an eine gewinnorientierte Firma ausgelagert wurde. Es handelt sich dabei um die Eventfirma Zone B, die Reto Wengers Bruder Beat gehört. Andererseits weigerte sich die SBS, einen Vertrag mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) offenzulegen, welcher der Liga jährlich 60'000 Franken garantiert.

Weiterkämpfen trotz ungewisser Zukunft

Auch im Baselbiet hinterlässt die Misere Spuren. So liess Goran Abt, der Präsident der Liestaler Chargers, auf Anfrage verlauten, man habe sich aufgrund fehlender Spieler nicht für die diesjährige Liga angemeldet. «Wir stehen noch in Verhandlung mit anderen Vereinen. Ob eine Ligateilnahme dennoch möglich wird, ist Teil laufender Gespräche.» Der Absprung einiger Fussballer sei familiären oder beruflichen Ursprungs. Drei haben den Verein gewechselt. Nichts Ungewöhnliches und vor allem kein Grund zur Sorge, sollte man meinen. Tatsächlich liegt das Problem aber tiefer: «Wenn Spieler aufgrund ihres Alters den Verein verlassen und keine nachrücken, ist das ein Problem», ist Abt sicher. Er und Schellenberg teilen ihre Auffassung von Nachhaltigkeit: «Events dürfen nicht zur Nachwuchsrekrutierung für die Nati verkommen.» Schellenberg doppelt nach: «Die Verantwortung für den Nachwuchs sollten die Vereine übernehmen.»

Die Schwierigkeiten, mit denen die Chargers kämpfen, sind in Liestal sichtbar. Der vierfache Schweizer Meister kann nur noch von glorreichen Anfangszeiten mit Tribünen und Hunderten von Zuschauern träumen. Wer sich allerdings fragt, was mit dem Sandplatz beim Gartenbad Gitterli geschieht, ist voreilig. «Natürlich führen wir die Trainings fort. Momentan sind sie sogar elementar, da sie den Spielern Halt geben», sagt Abt.

Gestrichener SFV-Beitrag und notwendiger Neustart

Ende 2019 wurden endlich konstruktive Gespräche zwischen den verhärteten Fronten geführt, um einen neuen Verband zu gründen. Dafür wurde der Natispieler Sandro Spaccarotella, der früher bei den Chargers spielte, ins Boot geholt. Er soll als Vermittler die Wogen zwischen den Interessen der Nati und den Vereinen glätten und ist für die diesjährige Liga verantwortlich. In welchem Spannungsfeld er dabei steht, zeigt sein überschwänglicher Optimismus. So ist «Spacca» überzeugt, dass zukünftig wieder Grossevents im Zentrum stehen und in Nachwuchsförderung mittels Jugendturnieren investiert wird. «Ich bin absolut zuversichtlich, was die Zukunft des Beach Soccers in der Schweiz betrifft», sagt er auf Anfrage der bz. Diese Einschätzung erstaunt. Zwar spricht der geplante Neustart dafür, dass beide Seiten kompromissbereit sind. Die finanzielle Lage lässt jedoch weiterhin zu wünschen übrig. Im Dezember liess der SFV eine Bombe platzen. Kurzerhand strich er die 60'000 Franken für die Liga. Dass dies wegen der internen Unstimmigkeiten passierte, liegt auf der Hand.

Auf Nachfrage, ob die erwähnten Grossevents ohne SFV-Beiträge nun auf dem Rücken der Vereine ausgetragen werden, winkt Spaccarotella ab: «Wir sind in aktuellen Gesprächen mit dem SFV sehr darum bemüht, die Gelder wieder zu erhalten. Falls dies nicht gelingt, werden die Einbussen durch Sponsoren wettgemacht.» Doch es dürfte klar sein, dass sich die Sponsorensuche bei dieser Ausgangslage schwierig gestaltet. Der Neustart hängt in der Schwebe. So sind sich die beiden Parteien bis heute nicht einig, wie die diesjährige Liga aussehen soll. Währen Schirinzi und Spaccarotella dafür plädieren, den Spielbetrieb auf die fussballfreie Zeit zu beschränken und sich somit für Beach Soccer als Eventsportart starkmachen, befriedigt dieser Ansatz viele Vereine kaum. Sie wünschen sich eine Meisterschaft, die dem Amateurbereich des SFV unterstellt ist. «Für eine Randsportart wie Beach Soccer ist eine SFV-Beteiligung sehr wünschenswert. Ausserdem können wir uns in einem kleinen Land keine Konkurrenzen leisten», sagt Abt.

Für den neuen Verband wird die kommende Saison zur Feuertaufe. Es wird sich zeigen, wie sehr die vielen Kompromisse dem Überleben der Sportart zuspielen. Abt ist sicher: «Unser Ziel ist es, 2021 wieder an der Liga teilzunehmen. Dafür braucht es frischen Wind und neue Mitglieder, die Freude am Sandsport haben. Ansonsten sehe ich eine düstere Zukunft.»