Super League
Auf und neben dem Platz: Nach dem 1:4 gegen Zürich herrscht beim FCB schon wieder Untergangsstimmung

Der FC Basel lässt sich vom FC Zürich im ersten Spiel des neuen Jahres gleich mit 1:4 aus dem Stadion schiessen. Auch neben dem Platz flammt ein Konflikt auf.

Jakob Weber
Drucken
Teilen
Timm Klose ist nach dem Spiel ratlos.
18 Bilder
Die Frustration ist beim Heimteam gross.
Edon Zhegrova ist nach der Pleite bedient.
Vier Mal muss sich Heinz Lindner bezwingen lassen.
Der FCZ freut sich über einen hohen Auswärtssieg.
Die FCB-Abwehr schläft in der zweiten Halbzeit des Öfteren.
Blaz Kramer erzielt die Führung.
Der Slowene setzt sich gegen Widmer und Cömert durch.
Marchesano ist in der ersten Halbzeit ein Aktivposten.
Der Zürcher schiesst drüber.
Petretta liefert sich ein Laufduell.
Pululu wird von der Zürcher Abwehr dicht bedrängt.
Kasami kämpft sich durch.
Lindner dirigiert seine Vordermänner.
Kramer trifft vor der Pause den Aussenpfosten.
Zürich hat in der ersten Halbzeit nur teilweise die Lufthoheit.
Widmer hält hinten den Laden vor der Pause dicht.
Dzemaili feiert seine Rückkehr.

Timm Klose ist nach dem Spiel ratlos.

Freshfocus

Meine Fresse!» Fabian Frei bolzt den Ball direkt nach Abpfiff wutentbrannt aus dem Stadion. Er motzt in Richtung Ricky van Wolfswinkel, weil der zuvor beim Stand von 1:3 nicht vehement genug verteidigt hatte und Frei in der Folge nur noch ein Foul im Strafraum ziehen konnte. Antonio Marchesano verwandelte den fälligen Penalty. Dann pfiff Schiedsrichter Sandro Schärer ab und der bemitleidenswerte FCB trottete von dannen.

Mit hängenden Köpfen versuchen Pajtim Kasami und Luca Zuffi anschliessend die 1:4-Niederlage zu erklären. Kasami spricht von einer «katastrophalen Leistung», Zuffi kann sich auch nicht so richtig erklären, was da gerade passiert ist. Er sagt: «Wir haben gerecht so hoch verloren. Die Enttäuschung ist riesig.»

Vor lauter Enttäuschung über die auf allen Ebenen ungenügende Darbietung in der zweiten Hälfte geht vergessen, dass der FCB eigentlich 45 Minuten ganz gut gespielt hat. Zumindest offensiv. «Wir müssen zur Pause führen», analysiert Heinz Lindner richtig. Doch weil FCZ-Goalie Yanick Brecher sowohl gegen Kasami als auch gegen Arthur Cabral stark pariert, geht der intensive Klassiker mit vielen Zweikämpfen torlos in die Pause.

Doch nach dem Seitenwechsel geht beim FCB gar nichts mehr. Der FCZ geht durch eine von Eray Cömert abgefälschten Volley von Blaz Kramer in Minute 67 in Führung. Es ist das erste FCZ-Tor im Joggeli seit März 2017. Sechs Minuten später doppelt Lasse Sobiech nach. Der Abwehr-Hüne köpft einen Freistoss von FCZ-Rückkehrer Blerim Dzemaili beinahe ungehindert ins Netz. Beim FCB werden erste Hände verworfen.

Das ist nicht mehr der FC Basel früherer Tage

Zwar kommt Rotblau durch eine sehenswerte Volley-Abnahme von Cabral nur zwei Minuten später wieder auf ein Tor ran. Doch die Schlussphase zeigt deutlich, dass der FCB 2021 nicht mehr der FCB früherer Tage ist. Der hätte nach dem Anschlusstreffer zumindest noch einen Punkt geholt. Doch weil Frei den nächsten Kopfball eines FCZ-Innenverteidigers – diesmal ist es Nathan – ebenso unglücklich ins eigene Netz lenkt, wie zuvor Kollege Cömert, stellt der FCZ in der 80. Minute die Weichen definitiv auf Auswärtssieg. Auf den ersten FCZ-Sieg in Basel seit 2013 ist Marchesanos Penalty zum 4:1 nur noch das I-Tüpfelchen.

Das 1:4 ist nicht nur die höchste FCB-Niederlage seit dem 1:7 vor zweieinhalb Jahren in Bern. Sie führt auch zu einem Negativrekord. Noch nie stand der Verein in der Super League nach 15 Runden mit weniger Punkten da. Kein Wunder ist die Stimmung im FCB nach nur einem Spiel bereits wieder im Keller.

Trainer Ciriaco Sforza versucht gar nicht erst, öffentlich Gründe für die Niederlage darzulegen. Er will lieber intern analysieren. Angesprochen auf den Rückstand auf YB und die dahinschwindenden Meisterchancen reagiert er pikiert: «Wir haben noch 21 Spiele und müssen auf uns schauen. Klar bin ich jetzt enttäuscht, aber wir geben deswegen jetzt nicht gleich alles auf.»

Der Verein zensiert die eigene Fankurve

Neben dem Ärger über den sportlichen Fehlstart sorgt ein letztendlich nur digital verbreitetes Protestbanner für Unmut. Der Hintergrund: Eigentlich wollten die FCB-Fans im Klassiker gegen den FCZ mit dem Banner die Mannschaft unterstützen und gegen die Klubführung protestieren, indem auf deren schlechte Wahlresultate an der vergangenen GV aufmerksam gemacht wird.

Der FCB liess dieses Banner vor Anpfiff entfernen.

Der FCB liess dieses Banner vor Anpfiff entfernen.

Muttenzerkurve

Doch der Verein veranlasste, dass das bereits aufgehängte Banner vor dem Anpfiff wieder entfernt wird. Diese «Zensur» hat die Muttenzerkurve letztendlich in einem Protestschreiben auf ihrer Homepage öffentlich gemacht. Dort erneuern die Fans ihren Unmut gegenüber Eigentümer Bernhard Burgener und CEO Roland Heri deutlich. «Der FCB hat unter der aktuellen Führung kein Fundament mehr. Nur ein verhältnismässig kleiner Teil der Fans ist bereit, sich solidarisch zu zeigen», heisst es dort unter anderem in Anlehnung an die nur knapp 4000 verkauften Halbjahreskarten. Diese hatte Heri als Erfolg verbucht und sich für die Solidarität bedankt. Doch die Fans interpretieren diese relativ niedrigen Zahlen offenbar ganz anders.

Der Verein erklärt das Abhängen des Banners auf Anfrage damit, dass im Vorfeld nur eine unterstützende Aktion der Mannschaft genehmigt wurde. Wegen dem Zusatz entschied der FCB, den unteren Teil des Banners zu entfernen, da sich die Fans nicht an die ursprüngliche Abmachung gehalten hätten. Daraufhin entschieden sich die Fans, auch auf den oberen Teil zu verzichten.

In Zeiten der freien Meinungsäusserung kommt diese Aktion bei den Fans natürlich einem Affront gleich. Die Reaktion beider Parteien zeigt, dass das schlechte Verhältnis zwischen Führung und Fans kaum mehr zu kitten ist. Kaum hat das Jahr, in dem beim FCB eigentlich alles besser werden sollte begonnen, ist schon wieder Untergangsstimmung.

Das Telegramm:

Basel – Zürich 1:4 (0:0)

St. Jakob-Park. – Keine Zuschauer. – SR Sandro Schärer. – Tore: 67. Eigentor Cömert (Kramer) 0:1. 73. Sobiech 0:2 (Dzemaili). 75. Cabral 1:2. 80. Eigentor Frei (Nathan) 1:3. 94. Marchesano 1:4 (Foulpenalty).

Basel: Lindner; Widmer (70. Padula), Cömert, Klose, Petretta; Frei, Zuffi; Pululu (70. von Moos), Kasami (77. van Wolfswinkel), Stocker (46. Zhegrova); Cabral.

Zürich: Brecher; Omeragic (55. Wallner), Sobiech, Nathan, Aliti; Doumbia, Dzemaili (80. Domgjoni); Tosin, Marchesano, Schönbächler (70. Gnonto); Kramer (70. Ceesay).

Bemerkungen: FCB ohne Jorge und Xhaka (verletzt), Campo, Kalulu, Sene, Bunjaku, Hajdari (alle kein Aufgebot). FCZ ohne Britto, Kololli, Reichmuth und Seiler (alle verletzt). – Verwarnungen: 27. Kramer (Foul). 28. Kasami (Foul). 50. Pululu (Foul). 56. Petretta (Foul). 62. Doumbia (Foul). 62. Dzemaili (Reklamieren). – 6. Schuss von Kramer an den Aussenpfosten. – Trauerminute vor dem Anpfiff in Gedenken an Oldrich Svab.

Die Noten zum Spiel:

Heinz Lindner: 4 Er hat das Rennen gemacht und ist die Nummer 1 im Basler Tor. Als diese kassiert er die ersten FCZ-Tore im Joggeli seit März 2017. Schuld hat er an keinem Gegentreffer. Ein gebrauchter Tag ist es dennoch für ihn.
15 Bilder
Silvan Widmer: 3,5 Ist einer von zwei Spielern, die es nicht schaffen, Kramer am Abschluss vor dem 0:1 zu hindern. Auch sonst merkt man ihm an, dass er Teile der ohnehin kurzen Vorbereitung verpasst hat.
Timm Klose: 3,5 Hauptschuldig ist er bei keinem Treffer. Im Gegenteil: Er ist der beste Defensivspieler der Basler. Das nützt dem Abwehrchef aber auch nichts, wenn sein Team vier Tore kassiert.
Eray Cömert: 3 Gemeinsam mit Widmer lässt er Kramer beim 0:1 zu viel Platz und lenkt den Ball gar noch ins Tor ab. Damit wird das Tor als Eigentor gewertet. Ein rabenschwarzer Einstieg ins neue Fussballjahr für ihn. Nach Spielschluss humpelt er mit Schmerzen in die Kabine.
Raoul Petretta: 3,5 Er kann auch im neuen Jahr nicht kaschieren, dass er gegen vorne zu wenig Impulse setzen kann. Hinten steht er ausserdem auch noch zwei Mal falsch bei zwei Gegentoren.
Fabian Frei: 3 Gegen vorne ist das ja okay, was er macht. Am Ende steht aber auch ein Eigentor und ein verschuldeter Penalty von ihm und damit Mitverantwortung für die Hälfte der Zürcher Tore.
Luca Zuffi: 4 Ist der Spieler, der kreativ und offensiv mit die besten Ansätze hat. Baut dann aber mit der Zeit ab und kann auch zu wenig Gegensteuer geben, als der FCB die Kontrolle verliert.
Valentin Stocker: 4 Am Jahresende fehlte er verletzungsbedingt, ebenso wie beim Trainingsstart. Beim ersten Spiel ist ihm anzumerken, dass er noch nicht ganz bei 100 Prozent ist. Wird in der Pause folgerichtig ausgewechselt.
Pajtim Kasami: 3 Sichtbar genervt, dass ihn Sforza vor allem in der ersten Halbzeit ununterbrochen korrigiert. In der zweiten Halbzeit darf er mehr selber entscheiden - und ist prompt nicht bei Sobiech, als dieser das 0:2 erzielt. Nicht nur deshalb eine seiner schwächsten FCB-Leistungen.
Afimico Pululu: 4 Der Mann hatte vor der Winterpause einen Lauf. In Ansätzen zeigt er das auch gegen den FCZ. Zählbares springt aber nicht heraus.
Arthur Cabral: 4 Lässt erst zahlreiche gute Chancen liegen, bevor er in der 75. Minute in bester Cabral-Manier einmal mehr ein wunderschönes Tor erzielt. Es bringt am Ende jedoch nichts.
Edon Zhegrova: 4 Ersetzt Stocker in der 46. Minute. Einen guten Abschluss verzeichnet er, sonst wird es auch mit ihm nicht besser, was die Offensivbemühungen angeht.
Andrea Padula: - Ersetzt Widmer in der 70. Minute und ist damit zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.
Julian von Moos: - Ersetzt Pululu in der 70. Minute und ist damit zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.
Ricky van Wolfswinkel: - Kommt in der 77. für Kasami und ist damit zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.

Heinz Lindner: 4 Er hat das Rennen gemacht und ist die Nummer 1 im Basler Tor. Als diese kassiert er die ersten FCZ-Tore im Joggeli seit März 2017. Schuld hat er an keinem Gegentreffer. Ein gebrauchter Tag ist es dennoch für ihn.

Freshfocus

Die Highlights im SRF-Video: