Eishockey
Arno Del Curto macht den HCD fit für den Final

Fussballspass, Sprungschule, Video und gemeinsames Essen - ein exklusiver Blick hinter die Kulissen des Playoff-Finalisten HC Davos. Das Fazit: Die ZSC Lions müssen sich warm anziehen.

Kristian Kapp
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Gebannt lauschen die HCD-Spieler den Worten von Arno Del Curto.

Gebannt lauschen die HCD-Spieler den Worten von Arno Del Curto.

swiss-image.ch/Nadja Simmen
Videostudium.
5 Bilder
Konditionstrainer Michael Bont, Dick Axelsson und Marcus Paulsson.
Würstchen und Kartoffelsalat.
Gregory Sciaroni auf der Treppe.
Beat Forster beim Rumpftraining.

Videostudium.

swiss-image.ch/Nadja Simmen

Es ist halb 9, als die ersten Spieler in der Vaillant-Arena eintreffen, es schneit. Die einen schlurfen Richtung Garderobe, andere schreiten voller Tatendrang zum Spind – Morgenmuffel und Morgenmenschen vereint. Playoff-Finalist Davos rückt zum letzten Training der Woche ein.

Die beiden letzten Tage wurden von Trainer Arno Del Curto wegen der über eine Woche langen Wartezeit zwischen Halbfinals und Endspielen zum «Mini-Trainingslager» erklärt. Es folgen Übungen, die am Tag vor einem Match nie auf dem Programm stehen.

Es gibt auch andere Anzeichen für spezielle Zeiten. Del Curto betritt die Garderobe mit einem Bündel A4-Blätter mit dem Schweizerpsalm. Andres Ambühl, sein Captain, darf die Papiere verteilen. Der Trainer gibt einen Auftrag mit: «Schaut, dass ihr dann zumindest die erste Strophe könnt.»

Die Nationalhymne will gelernt sein

Die Nationalhymne gibts im Schweizer Eishockey nur im Playoff-Final. Ab Donnerstag wird vor den Spielen gesungen – oder zumindest mitgesummt. Weiter geht es mit anderer Musik. Stürmer Dino Wieser, der DJ in der Garderobe, waltet seines Amtes. Das Handy an die Soundanlage gekoppelt, und elektronische Klänge dröhnen aus den Boxen: der Soundtrack fürs Aufwärmen und Dehnen der Muskeln.

Sehr wichtige Minuten, wie Michael Bont betont. Bont, bekannt aus dem Skibusiness als Personal Trainer von Carlo Janka oder Kommentator bei SRF, geht Del Curto hin und wieder bei Trockenübungen zur Hand – wie später bei der Sprungschule, die sie gemeinsam leiten.

Zunächst gehts aber zum Fussball, vor der Knochenarbeit muss noch etwas Spass sein. Alle Spieler stehen im Kreis, ein Ball wird hin- und herjongliert, wer die Kugel zu Boden gehen lässt, ist out. «Ihr Lieblingsspiel», sagt Del Curto. Und Videocoach Andy Egli, der das Treiben amüsiert beobachtet, verrät den Geheimfavoriten: «Jan von Arx ist einer unserer besten Fussballer.»

Doch es ist mit Beat Forster ein anderer Routinier, der ruhig und souverän triumphiert, nachdem die zu verbissen agierenden Gegner, vor allem die Tessiner Fraktion, sich gegenseitig abgeschossen und eliminiert haben. Flüche auf Italienisch, Applaus für Forster, dann weitere Dehnübungen unter Anleitung von Verteidiger Noah Schneeberger (Del Curto: «Unser Chefvorturner»). Es darf gesprungen werden.

Sprungschule ist Del Curtos Lieblingsdisziplin

Die Sprungschule. Darauf schwört Del Curto schon seit Jahren. Die meisten tun es entlang weicher Matten, welche die Sprünge abfedern. Unter Bonts Aufsicht gibt es das Alternativprogramm nebenan: Treppe hoch statt geradeaus. «Der Effekt ist der gleiche, der Impact bei den Landungen aber etwas kleiner», erklärt er.

Doch auch auf der Treppe ist es kein Kinderspiel. Nach wiederholtem Bewältigen der über ein Dutzend Stufen rufen die nach Atem ringenden Spieler höhere Mächte an. «Madonna», seufzt Reto von Arx. «Jesus Christ», keucht Tyler Redenbach. Bont treibt weiter an, scherzt: «Da musst du aber noch etwas höher springen.»

Del Curtos Gruppe auf den Matten ist fertig, Dino Wieser setzt sich kurz hin, greift sich an die Oberschenkel und lädt den beobachtenden Gast zum Mitmachen ein – es wird dankend abgelehnt. Nicht, dass es schaden würde. Die Sprungschule ist mittlerweile Fixpunkt in allen technischen Sportarten, beim Handball zum Beispiel, aber auch dort, wo die Sprungkraft nicht am wichtigsten ist: Skifahren oder eben Eishockey. «Du setzt die Kraft, die in dir steckt, in Geschwindigkeit um. Und die Elastizität der Muskeln ist gut für die Verletzungsprophylaxe», erklären die Trainer.

Nach den Anstrengungen wird der Puls wieder hinuntergefahren. Del Curto und Egli bitten zum Video, im grossen Gemeinschaftsraum schauen alle gemeinsam auf den Bildschirm. Es werden Szenen vom Halbfinal gegen Bern gezeigt. Angriffsauslösungen, Forechecking, Tore. Und schlecht getimte Abspiele: «Du hättest da viel schneller passen müssen», sagt Del Curto.

Keine Verkrampfung in Sicht

Die Replik des Spielers folgt postwendend: «Ich passe halt nicht mehr, ich schiesse nur noch.» Gelächter der Mannschaft, die als etwas verspielt und nicht wirklich schussfreudig gilt. Man spürt: Das Team ist fokussiert, die Stimmung dennoch gut, von Verkrampfung vor den Finalspielen keine Spur. Und das, obwohl die Hälfte des Kaders kaum über Playoff-Erfahrung auf höchstem Niveau verfügt.

Del Curto sagt später nicht ohne Stolz über seine «Küken-Abwehr» mit dem Quintett, das zwischen 18 und 21 Jahre jung ist: «Da ist keiner nervös.» Das Mini-Trainingslager geht in ebenfalls gelöster Atmosphäre zu Ende. Nach intensiven Einheiten auf dem Eis versammelt sich die Mannschaft zur gemeinsamen Mahlzeit. Dino Wieser spendiert Würstchen mit Kartoffelsalat – ein Sorry für die «dumme Strafe» in der Schlussphase von Halbfinal 4, die dem SC Bern noch eine Chance zu einem Comeback bescherte.

Danach ist Schluss für die Woche, einige bleiben dennoch in der Garderobe. Erst am Montagmorgen versammelt sich der HCD wieder, um den Schlussspurt Richtung Playoff-Final in Angriff zu nehmen. Bis dann werden die strapazierten Muskeln erholt sein. Und der Himmel spielt mit, es hat aufgehört zu schneien. Als die Spieler die Eishalle verlassen, werden sie von Sonnenstrahlen begrüsst.

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