Der Skiweltverband FIS versuchte an der WM in Seefeld 1985 zusammenzuhalten, was zusammenzuhalten war: mit Verboten, mit kupierter Streckenführung, mit Appellen an die Vernunft. Doch die Entwicklung des «Halbschlittschuhschritts» überrollte die Funktionäre gnadenlos. «Trottinett-Schritt» oder «Finnstep» wurde die Technik auch genannt.

Oder, bis heute am geläufigsten, «Siitonenschritt» – nach dem finnischen Pionier Pauli Siitonen, der schon in den 1970er-Jahren damit experimentierte. Schon lange vor 1985 war also im Langlaufzirkus klar, dass das seitliche Abstossen mehr Tempo erzeugt. Und dass die Ski bei dieser Technik nicht mehr mit Haftwachs versehen werden mussten, was schnelleres Gleiten erlaubte. Nur: Es gab auch Nachteile, diese hob die FIS damals gerne hervor. Die Loipen wurden kaputtgetreten und, noch viel schlimmer, das klassische Langlaufen drohte auszusterben.

Der Schweizer wird umgestimmt

Die WM in Seefeld vor 34 Jahren war so etwas wie der Showdown in Sachen Siitonenschritt. Der Verband wollte 1985 um jeden Preis Sieger verhindern, die auf Haftwachs verzichteten. Er scheiterte kläglich. Die NZZ schrieb damals: «Der Vorschlag, den Siitonenschritt zu verbieten, hätte zur Annahme die Einstimmigkeit der Mannschaftsführer erfordert, doch bei der Abstimmung in alphabetischer Reihenfolge kam bereits von australischer Seite ein brüskes Nein.» Ein anderes Verbot hingegen konnte die FIS damals durchsetzen: Sie verhinderte, dass nur mit einem, dafür einem etwas längeren Stock gelaufen wurde, hiess es in der NZZ.

Dies hatten einige Läufer tatsächlich vor, um den Siitonenschritt zu perfektionieren. So zum Beispiel der Schwede Gunde Svan, der später der überragende Athlet der WM werden sollte.
Auch der Engadiner Giachem Guidon, damals WM-Teilnehmer, erinnert sich gut an jene Zeiten, als vor dem Start Läufer und Betreuer hektisch umhereilten, um herauszufinden, ob die Strecke denn nun im Siitonenschritt zu bewältigen sei.

Schweizer Erfolge

Die FIS hatte die Strecken so kupiert angelegt, dass eine Bewältigung ohne Haftwachs unmöglich schien. Dennoch entschied sich ein Grossteil der Läufer für Gleitski. Guidon: «Ich wollte klassisch laufen, wurde von den Betreuern aber kurzerhand mit Gleitski auf die Strecke geschickt.»

Mit Erfolg: Über die 30 km wurde er Achter, die 4×10-km-Staffel mit Koni Hallenbarter, Andi Grünenfelder und Joos Ambühl erreichte den fünften Platz. Ohnehin hat Guidon gute Erinnerungen an jene WM, als viele Schweizer Zuschauer den Weg nach Tirol fanden und als man aus Schweizer Sicht eine «Bombenleistung» erbracht habe.

Neue Zeiten, neue Diskussionen

Guidon, der von 1982 bis 1994 aktiver Läufer war und die Schweiz an vier Olympischen Spielen und fünf Weltmeisterschaften vertrat, war 2006/07 kurzzeitig Schweizer Cheftrainer. Er arbeitet heute für die Schweizer Wachsfirma Toko im Aussendienst, wird aber an der WM in Seefeld nicht zugegen sein. Berufshalber werde er aber genau mitverfolgen, was sich in Wachsfragen tue bei den Rennen. An den Veränderungen im Langlauf der 1980er-Jahre störte sich der heute 58-Jährige nie.

«Der Fortschritt war nicht aufzuhalten.» Das war er tatsächlich nicht. Schon in der Saison nach der WM 1985 wurden die Langlaufwettbewerbe aufgeteilt in klassisch und Freistil. Nicht, dass die Technikdiskussionen im Langlauf seither ruhen würden. Seit einigen Jahren starten die besten Athleten oft mit Gleitski in klassische Rennen, setzen sich dabei im Doppelstockstoss oftmals gegen diagonal laufende Konkurrenten durch. Die nächste Entwicklung also, die dem klassischen Laufen an den Kragen gehen könnte.