Apropos
Aber bitte mit Sahne!

Klaus Zaugg ist nach PyeongChang gereist und berichtet über die sportlichen und sonstigen Ereignisse im Olympiadorf. Heute über Tiramisu, «Olympia-Mäuse» und politische Theorien...

Klaus Zaugg, PyeongChang
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Tiramisu, in PyeongChang leider ausverkauft.

Tiramisu, in PyeongChang leider ausverkauft.

Keystone

Bin ich boshaft? Nein, überhaupt nicht. Bemühe ich mich zu wenig, politisch korrekt zu sein? Nein, ich nehme mich jeden Tag aufs Neue zusammen. Also, es geht um folgende Geschichte. Das Mediendorf (wo die Chronistinnen und Chronisten hausen) und das olympische Dorf (für die Athletinnen und die Athleten) liegen hier in Gangneung nicht fernab des richtigen Lebens. Es ist möglich, zu Fuss in die Stadt zu gehen.

Ich habe ein wunderbares Kaffeehaus gefunden. Nur knapp zehn Minuten Fussmarsch von den olympischen Dörfern. «Premium Boutique Dessert 39 – Bakery & Coffee». Hier gibt es göttliche Süssspeisen und köstlichen Kaffee. Und bequeme weisse Lederpolsterstühle. Zu den Spezialitäten des Hauses gehört Tiramisu. Und es ist ständig ausverkauft. Warum, konnte ich mir nicht erklären.

Soeben habe ich mit einer Begleitung, deren Name mir gerade entfallen ist, Kaffee und Kuchen genascht. Und bin hinter das Geheimnis der ausverkauften Tiramisus gekommen. Ich weiss nicht recht, ob ich es euch verraten soll. Es ist politisch nicht ganz korrekt. Also: Ich bin von meiner Begleitung auf die zahlreich ein- und ausgehenden schönen, jungen, sportlichen Frauen aus aller Herren Ländern aufmerksam gemacht worden. Olympische Heldinnen, ganz klar. Sie tragen alle Akkreditierungen um den Hals. Kult-Curler Martin Rios würde sagen: «Olympia-Mäuse».

Da ich meistens in tiefsinnige philosophische Gespräche vertieft bin, habe ich diese Kundinnen bisher nicht bemerkt. Da bin ich politisch korrekt. Aber nun fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Sie huschen ins Lokal, kaufen von den köstlichen Süssigkeiten und schweben wieder davon. Kein Wunder, ist das Tiramisu ständig ausverkauft.

Meine politisch nicht korrekte Theorie (wofür ich mich entschuldige) ist die folgende: hin und wieder entwischen olympische Heldinnen dem gestrengen Alltag und kommen ohne das Wissen ihrer Trainerinnen und Trainer hierher, um verbotenerweise göttliche Speisen zu kosten. Aber bitte mit Sahne (frei nach Udo Jürgens).