Kanu
Zwei Badener Schulfreunde wollen die Kanuweltspitze aufmischen

Gérôme Martin und Nicolas Vuille haben ihre ersten Weltcupeinsätze im Slalom hinter sich. Dabei wollen sie es nicht bewenden lassen.

Fabio Baranzini
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Ambitioniert: Gérôme Martin (l.) und Nicolas Vuille

Ambitioniert: Gérôme Martin (l.) und Nicolas Vuille

Fabio Baranzini

Mike Kurt, der bereits drei Mal an Olympischen Spielen teilgenommen hat, ist derbekannteste Kanute der Schweiz. Die Karriere des mittlerweile 34-jährigen Solothurners wird jedoch nicht mehr ewig andauern. Die Suche nach einem Nachfolger kann also beginnen. Und die Chance stehen gut, dass dieser aus Baden kommt, denn in der Limmatstadt im Osten des Kantons wohnen gleich zwei vielversprechende Nachwuchskanuten: Gérôme Martin (20) und Nicolas Vuille (19). Die beiden gehören bereits jetzt zu den zehn besten Kanuten des Landes in der Disziplin Slalom und haben schon an Nachwuchs-Weltmeisterschaften teilgenommen.

Im Juni haben die beiden zudem ihre Feuertaufe im Weltcup bestanden. Martin wurde bei seiner Premiere in London 60., Vuille belegte in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana den 58. Rang. «Wir haben ziemlich auf den Deckel bekommen, aber das gehört beim ersten Mal dazu», so Vuilles Kommentar. Dass sie noch nicht mit der absoluten Weltspitze mithalten können, hängt nicht nur mit ihrem jugendlichen Alter und der fehlenden Erfahrung zusammen. Viel schwerer fällt ins Gewicht, dass die Trainingsbedingungen und der Stellenwert der Sportart hierzulande alles andere als optimal sind.

Andere Dimensionen im Weltcup

Vuille und Martin trainieren 10 bis 15 Stunden pro Woche, entweder in Baden oder in Zürich. Beide Slalomstrecken sind aber eigentlich viel zu wenig anspruchsvoll. «In Baden beträgt der Höhenunterschied vom Start bis ins Ziel etwa zwei Meter. Bei meinem Weltcuprennen in Slowenien ging es nach dem Start gleich einmal vier Meter runter, bevor das nächste Tor kam. Das sind ganz andere Dimensionen, die wir uns nicht gewohnt sind», so Vuille.

Die nächstgelegene Strecke, die weltcuptauglich ist, liegt in Augsburg – gut 300 Kilometer entfernt. Und damit folgt bereits das zweite Problem: Die Kosten für Reisen, Trainings und Material belaufen sind für KV-Lehrling Vuille und den angehenden Studenten Martin auf rund 15’000 Franken im Jahr. «Sponsoren zu finden, ist für uns extrem schwierig. Und ohne geht es nicht, denn selbst an der Weltspitze kann man nicht vom Preisgeld leben», sagt Martin.

Schweizer Meisterschaften direkt vor der Haustür

Trotz den nicht gerade rosigen Zukunftsperspektiven, denken die zwei Freunde – Martin und Vuille kennen sich seit der Primarschule – nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: Ihr grosser Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. In näherer Zukunft warten aber auch schon zwei Highlights auf Gérôme Martin und Nicolas Vuille: Im August findet die Schweizer Meisterschaften direkt vor ihrer Haustür in Baden statt und im nächsten Jahr wollen sie sich für die U23-Weltmeisterschaften in Brasilien qualifizieren.

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