Ski alpin
Wird aus dem Fan dereinst ein Ass?

Der Aarburger Fabrice Stalden (12) ist Teil des Aargauer Kaders. Er fühlt sich nirgends so wohl wie auf der Piste.

Von Melanie Gamma
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Der Schnee ist von jeher Fabrice Stalders Element.gamma

Der Schnee ist von jeher Fabrice Stalders Element.gamma

Kurz vor Weihnachten hielt Fabrice Stalder in seiner Klasse einen Vortrag über die US-Skifahrerin Lindsey Vonn. Das Thema war kein Zufall. «Sie ist mein grosses Vorbild», sagt der bald 13-Jährige, der irgendwann selber wie Vonn oder Didier Cuche Weltcuprennen fahren möchte. «Das ist mein Traum», sagt Fabrice Stalder, «aber so richtig denke ich darüber noch nicht nach.» Er weiss: Der Weg an die Spitze ist lang, für Talente aus dem Unterland ohnehin.

Unversucht lässt Stalder allerdings nichts, um die Chance zu wahren, einst den Durchbruch zu schaffen. Im Winter fährt er jeden Mittwochnachmittag mit dem Aargauer Skikader auf die Klewenalp, um zu trainieren. Er hält sich mit Geräteturnen, Jugi, Einradfahren und Tennis fit. Im Sommer absolvierte er auf Rollerblades Slalomstangentrainings. Seine Balance festigte er auf der Slackline, die im Garten der Stalders neben einem Trampolin gespannt war.

Ausgeprägter Gleichgewichtssinn

Konditionell gehört Stalder im Kanton zu den Besten und kommt den Swiss-Ski-Kaderathleten mit seinen Werten nahe. Auf der Rennstrecke sieht der Aarburger, dem als Dreijähriger vom Kinderarzt ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn attestiert wurde, seinen Mut als Stärke. Obwohl er selber schon Stürze seiner Kollegen oder von Lara Gut miterlebte, als sie am selben Ort trainierte wie das Aargauer Kader, sagt Stalder: «Angst habe ich nie beim Fahren, aber es hat mich auch schon ‹vermöbelt› auf der Piste.» Bisher blieb er unverletzt, anders als sein älterer Bruder Cyrille, der bis zu einem Schienbeinbruch ebenfalls im Aargauer Kader war und heute Fabrices Ski wächst vor einem Rennen.

Die Stalders sind ohnehin eine skisportverrückte Familie, die Eltern lernten sich vor Jahren im Skiclub Rothrist kennen, Tochter Florence heizt ebenso über die Piste wie Patenkind Gian, ein begeisterter Freestyle-Skifahrer. Fabrice Stalder stand mit zwei Jahren bereits auf den Brettern, fuhr in den Winterferien stets mit der ersten Gondel hinauf und kehrte erst in die Skihütte zurück, wenn die Lifte stoppten. «Beim Skifahren habe ich den Kopf frei und es ist ein cooler Sport», sagt er über sein zeitintensives Hobby. Fast jedes Wochenende steht ein Rennen auf dem Programm, oft schrillt der Wecker vor fünf Uhr morgens. In Trainingslagern feilen die Aargauer Kaderathleten an ihrer Technik – und erledigen abends im Skigebiet die Hausaufgaben.

Elf Rennen in drei Monaten

«Fabrices Lehrer sind tolerant und dispensieren ihn auch mal vom Sportunterricht, damit ich ihn rechtzeitig ins Kadertraining bringen kann», sagt Mutter Eliane Stalder. Elf Rennen bestreitet ihr Sohn in den nächsten drei Monaten. Ziel ist, von 999 Anfangspunkten mit Erfolgen möglichst viele «abzuarbeiten». 2011 stand Stalder mit nur noch 148 Restzählern da – ein gutes Ergebnis, «das ich diese Saison noch zu verbessern versuche», sagt er. Als nächster Schritt würde der Sprung in ein Kader des Zentralschweizer Schneesportverbandes folgen, danach der in eine Swiss-Ski-Auswahl. Doch auch finanziell ist der Weg zum Skiass aufwändig. Mit einem Sponsorenlauf sammelte Stalder Geld für Rennanzüge und Skikleider, zu bezahlen sind Saisonpässe für verschiedene Skigebiete, Lager und Zusammenzüge, Ski und Wachs. Denn das alles braucht der junge Sportler, um seinem grossen Ziel Schritt für Schritt näher zu kommen.