Nick Alpiger

Wenn die Leidenschaft plötzlich verboten ist

Nick Alpiger muss sich gedulden, bis er sein Comeback als Schwinger geben kann.

Nick Alpiger muss sich gedulden, bis er sein Comeback als Schwinger geben kann.

Der Aargauer Schwinger Nick Alpiger wäre bereit für sein Comeback, muss aber warten – weil Schwingen derzeit nicht erlaubt ist.

Auch in der Krise bleibt Nick Alpiger sich selbst. Eigentlich hätte er am Sonntag am Hallenschwinget Brunegg ja sein Comeback nach überstandener Hüftverletzung geben wollen. Doch was nützt ihm ein Eigentlich, wenn er es ja sowieso nicht ändern kann. Alpiger ist ein Macher, kein Träumer. Einer, der lieber akzeptiert statt reklamiert. «Es gibt im Moment weit Schlimmeres, als dass ich nicht schwingen kann und darf», sagt er.

Dabei gibt es nichts, das er lieber tut. Und doch bleibt Alpiger pragmatisch, auch wenn ihm der Geruch des Sägemehls fehlt, genau wie der Griff in die Späne, die ihm sonst die Welt bedeuten. Aber das Coronavirus gewinnt. Aufgrund der Massnahmen gegen die Ausbreitung der Krankheit sind zahlreiche Schwingfeste abgesagt und das Schwingtraining von oberster Stelle, also vom Eidgenössischen Verband, verboten worden. «Es geht ja allen Schwingern gleich», sagt Alpiger. «Wir vermissen es alle.»

Besonders nach der langen Winterpause, in der jeder für sich oder maximal im kleinen Team die Basis für die neue Saison legte. Und erst das erste Fest zeigt, wer wo steht. «Da ist die Vorfreude schon gross», sagt Alpiger. Und doch ist seine Situation etwas anders als die von vieler seiner Kollegen. Weil sein Winter anders war als viele zuvor.

Zum ersten Mal überhaupt hatte sich der 24-Jährige aus Staufen in der vergangenen Saison schwer verletzt. Nach dem Eidgenössischen, das er an Krücken statt im Sägemehl beendete, musste er sich einer Operation unterziehen. Eine Sehne am Hüftbeuger war ge­rissen – nach dem gewonnenen ersten Gang gegen Samuel Giger konnte Alpiger sein Bein nicht mehr heben. Drei weitere Duelle stand er durch, ehe die Aufgabe unausweichlich wurde.

Das Schwingen verlernt man nicht

Die Saisonvorbereitung litt darunter. Natürlich. Erst später als gewohnt konnte Alpiger mit dem Schwingtraining beginnen. Unter Volllast, also gegen Gegner, die sich nicht zurückhalten, trainierte er nur wenige Wochen. Und trotzdem sagt er: «Ich bin bereit für das Comeback. Ich bin gesund und fühle mich stark.» Nur der Test im Wettkampf fehlt. Und das Warten dauert nun viel länger als sonst. «Aber es ist, wie es ist», sagt Alpiger.

Nun hält er sich eben anders fit und bleibt bereit für den Moment, wenn es losgeht. «Das Schwingen verlernt man nicht», sagt Alpiger. Zu sehr haben sich die Bewegungsabläufe in seinen Muskeln und in seinen Ge­danken verwurzelt. Eine Verletzung mag den Körper schwächen, die Intuition bleibt. Darum macht er sich keine Sorgen, dass er nun erst später zurückkehrt. Aber einen Vorteil, dass er nun länger Zeit hat, sieht er nicht. «Ich wäre bereit ge­wesen.» Die Pause müsste nicht länger dauern, sie ist es nun einfach.

Immerhin im Beruf geht es für Alpiger weiter wie gewohnt, hat das Virus seine Arbeit noch nicht stillgelegt. Als Maurer arbeitet er zurzeit auf einer Baustelle in Bettwil.

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