Ringen
Verlässt Mister «Hart, aber herzlich» die Freiämter Matte nicht zu früh?

Bei der fünften Finalteilnahme musste Marcel Leutert als Trainer Freiämter Ringer zum dritten Mal mit Silber Vorlieb nehmen, Jetzt tritt er ab, ohne Groll ab.

Wolfgang Rytz
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Marcel Leutert verlässt die Trainerbühne bei der Ringerstaffel Freiamt mit erhobenem Haupt.

Marcel Leutert verlässt die Trainerbühne bei der Ringerstaffel Freiamt mit erhobenem Haupt.

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«Ich bin stolz, meinem Nachfolger eine Supermannschaft übergeben zu können.» Wie seine Vorgänger Leonz Küng und Urs Neyer geht Marcel Leutert nicht als «Schleiffer» in die Vereinsgeschichte ein. «Hart, aber herzlich», lautete das Motto während seiner sieben Jahre. Er sei für seine Athleten mehr der Kollege gewesen, blickt der 40-jährige Ottenbacher zurück.

Leuterts väterlicher Stil trug in den letzten Jahren reichlich Früchte. Einerseits verstand er den Umgang mit den älteren Ringern, mit denen er noch in demselben Team gerungen hatte. Andererseits baute er Jahr für Jahr junge Talente in die erste Mannschaft ein. In Leuterts Zeit als Cheftrainer etablierten sich beispielsweise Christian Huwiler, die Zwillinge Christoph und Nicola Küng, Pascal Gurtner, Manuel Stierli, Randy Vock oder Michael Bucher in der Nationalliga A. Ebenfalls auf dem Sprung in die oberste Liga sind Nico Küng, Yanik Klausner und Roman Zurfluh.

Der richtige Zeitpunkt

Da stellt sich die Frage, ob der erfolgreiche Trainer nicht zu früh zurücktritt. «Nein, nein», winkt er ab, er habe von Leonz Küng auch eine Supermannschaft übernommen. Da sei er stolz, dass er dies nun auch so halten könne. «Für mich stimmt die Bilanz mit zwei Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen.» Damit verlängerte Leutert Freiamts Serie auf 22 Medaillen in ununterbrochener Folge

Genügend grosses Eigenreservoir

Leutert steht hinter der Vereinsstrategie, nur Verstärkungen beizuziehen, wenn diese keinem eigenen Talent im Weg stehen. «Wir haben genügend eigene Ringer.» Er bedaure die aktuelle Situation mit den B-Lizenzen, spricht er die Titelgewinne von Kriessern und Hergiswil an. Beide Vereine profitierten von Leistungsträgern aus anderen Vereinen. Wohl nahm Freiamt in der Qualifikation die Dienste des Einsiedlers Sven Neyer in Anspruch, aber im Halbfinal und Final standen jeweils zehn eigene Ringer auf der Matte.

Besondere Erwähnung verdient Akos Korica. Der Weinfelder 84-kg-Greco-Ringer trainierte in den letzten zwei Jahren vor allem bei Freiamt, kämpfte aber für Hergiswil. Da zeichnet sich aber eine Änderung ab. Leutert sagt dazu: «Wir haben Akos aufgebaut, aber im Training auch von ihm profitiert.»

Finalniederlage abgehakt

Traditionell stieg am Samstag vor Weihnachten in Aristau die Freiämter Ringernacht. Dabei herrschte eine ausgelassene Stimmung, obwohls «nur» Silber zu feiern gab. «Das Positive überwiegt in dieser Saison», erklärt Leutert. «Wir waren mit einem jungen Team nahe am Titel dran.» In beiden Finalkämpfen sei das Glück auf Hergiswiler Seite gestanden. «Aber Hergiswil stellte die ausgeglichenste Mannschaft und hat verdient gewonnen.»

Nach der verlorenen Finalserie gab vor allem Pascal Strebels Einbruch im 66-kg-Greco-Kampf zu reden. Der Olympiaringer hatte in der Woche zuvor sechs Kilogramm abgehungert. Doch dies war nicht alleine der Grund für die fehlende Energie in der Entscheidungsrunde. Der Aristauer lag unter der Woche krank im Bett. Dies unterstreicht Leuterts Aussage, dass Freiamt im Final nicht vom Glück begünstigt war. Der siebte Meistertitel ist vorläufig aufgeschoben...