Tennis

Verhextes Rasen-Mekka: Stefanie Vögele scheitert in Wimbledon in der ersten Runde

Endstation 1. Runde: Stefanie Vögele scheitert in Wimbledon früh.

Stefanie Vögele verpasst auch im neunten Anlauf ihren ersten Sieg in Wimbledon. Und diesmal denkbar unglücklich.

Abseits der grossen Plätze spielt sich für die Aargauerin Stefanie Vögele in Wimbledon ein kleines Drama ab. Gegen die Estin Kaia Kanepi (WTA 76) führt sie mit Satz und Break, serviert zum 6:5, als ein Aufschlag für die Zuschauer gut hörbar die Netzkante berührt. Vögele unterbricht den Ballwechsel – in der Annahme, der Aufschlag werde wiederholt.

Doch der am Netz angebrachte Sensor hatte nicht reagiert, und der Schiedsrichter lässt den Ballwechsel nicht wiederholen. Prompt muss Vögele das Break zum 5:6 und den Satzausgleich hinnehmen. Im dritten Durchgang lässt sie sich bei 4:4 den Aufschlag abnehmen und verliert mit 7:5, 5:7, 4:6.

«Es war ganz klar eine Netzberührung da. Das hat mich extrem aufgeregt», sagt Vögele eine gute Stunde nach dem Spiel, immer noch mit Tränen in den Augen. Es sei frustrierend, so zu verlieren, wenn der Schiedsrichter einen solch schweren Fehler begehe. «Wir werden für jeden Fehler bestraft», haderte Vögele. «Sollen sie ihre Millionen doch für irgendwas ausgeben, wenn der Netzsensor nicht funktioniert.» Vielleicht habe sie ja im nächsten Leben mehr Glück, sagte sie mit einer gehörigen Portion Zynismus, «oder hier im Doppel».

«Pleiten, Pech und Pannen»

Bei den Australian Open, den French Open und den US Open – bei all diesen Grand-Slam-Turnieren hat Stefanie Vögele im Hauptfeld schon Siege feiern können, doch in Wimbledon scheint es für sie wie verhext zu sein. Es ist im neunten Anlauf die neunte Niederlage im Rasen-Mekka. «Hier heisst es für mich: Pleiten, Pech und Pannen», sagt Vögele. «An dieser Niederlage werde ich noch zu beissen haben.»

In der Weltrangliste bewegt sich Vögele, die im November 2013 einmal Position 42 belegt hatte, seit Jahren an der Schwelle zu den Top 100. Manchmal reicht das für die Aufnahme in den WTA-Hauptfeldern, manchmal nicht. «Das erschwert meine Planung», sagt Vögele. «Man gewöhnt sich nie daran. Aber ich nehme es, wie es ist. Wenn ich mir zu viele Gedanken mache, drehe ich durch», sagt Vögele, die ihre Basis seit einigen Jahren in Prag hat.
Grundlegende Gedanken zur Zukunft mache sie sich nicht.

Am liebsten in die Ferien

«Es ist nur eine Niederlage und das Leben geht weiter», relativiert sie. Sie wisse, dass sie nicht ewig weiterspielen könne. Vor allem als Frau, wenn man einmal eine Familie gründen wolle. «Aber das Tennis macht mir noch Freude. So lange ich gesund bin, versuche ich, so lange wie möglich zu spielen.» Dass man nach einer solchen Niederlage am liebsten gerade aufhören wolle, taxiert sie als normal. «Nach einem solchen Spiel habe ich keinen Bock mehr. Am liebsten würde ich jetzt Ferien machen.»

Doch das Tennis-Leben der Stefanie Vögele lässt das kaum zu. Schon kommende Woche bestreitet sie ein ITF-Turnier in Frankreich, danach spielt sie in Lausanne und Palermo. Abgesehen von den Grand-Slam-Turnieren verlief das Jahr für Vögele bisher sehr erfreulich. Im März feierte sie in Indian Wells gegen die Amerikanerin Sloane Stephens, die ehemalige US-Open-Siegerin, ihren zweiten Sieg gegen eine Top-Ten-Spielerin und im Frühling erreichte sie in Lugano die Halbfinals. «Die vergangenen Monate waren nicht so schlecht», sagt die 29-Jährige aus Leuggern.

56 000 Franken als Trostpflaster

In der Weltrangliste hat sich Vögele damit wieder in den Top 100 etabliert, was ihr die Aufnahme in den Hauptfeldern der Grand-Slam-Turniere garantiert. Für ihre Niederlage in Wimbledon erhält Vögele vor Abzug der Steuern 45 000 britische Pfund, was umgerechnet rund 56 000 Franken entspricht. Es ist aber auch das einzige Trostpflaster.

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