Challenge League
Urs Bachmann dankt ab - die störenden externen Einflüsse sollen abnehmen

Urs Bachmann tritt als Sportchef per sofort zurück – und überrascht mit diesem Schachzug alle. Raimondo Ponte hat grosse Chancen, das Amt als Nachfolger zu übernehmen.

Dean Fuss
Merken
Drucken
Teilen
Für Urs Bachmann ist der FC Aarau Geschichte.

Für Urs Bachmann ist der FC Aarau Geschichte.

Keystone

Am Freitagmittag treffen sich die Mitglieder des Club 100 – der wichtigsten FCA-Sponsorenvereinigung – zum Lunch. Eigentlich nichts Besonderes, sondern einfach eine weitere Ausgabe des regelmässig stattfindenden Anlasses. Doch diesmal ist alles anders. Nachdem die eine oder andere kritische Frage zur aktuellen Verfassung der Mannschaft gestellt wird, meldet sich Sportchef Urs Bachmann zu Wort und erklärt zur allgemeinen Verwunderung seinen sofortigen Rücktritt.

Was für ein Knall! Das hat niemand erwartet. Noch am Donnerstag hatte der 62-Jährige in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» gesagt, dass er «nicht viel anders machen würde, wenn ich die laufende Saison nochmals planen könnte». Nun zieht er also die Reissleine.

Weshalb sich Bachmann dazu veranlasst sieht, teilte der FCA am späten Nachmittag in einem Communiqué mit: «Urs Bachmann hofft, dass damit die störenden externen Einflüsse abnehmen, der Weg frei gemacht wird für neue Lösungen und die Mannschaft des FC Aarau sich auf die sportlichen Ziele konzentrieren kann.»

Eine Herzensangelegenheit

Es ehrt Bachmann, dass er die Situation so sieht und den Weg zugunsten seines Herzensklubs frei macht. Nach dem schwachen Saisonstart des FCA mit gerade einmal drei Punkten aus sechs Spielen und dem Fall ans Tabellenende in der Challenge League tritt er so als eine Art Märtyrer von seinem Posten als Sportchef ab. Damit scheidet Bachmann auch aus dem Sportausschuss aus. Diesen hatte der FCA Ende Juli durch Raimondo Ponte und Sascha Stauch verstärkt.

Wie es mit Bachmanns weiteren Mandaten im Klub – Bachmann ist auch noch im Verwaltungsrat und Chef Infrastruktur – weitergeht, steht derzeit noch nicht fest. Bachmann selber war für eine persönliche Stellungnahme telefonisch nicht erreichbar.

Überrascht zeigte sich FCA-Vizepräsident Roger Geissberger: «Damit haben der Präsident (Alfred Schmid, Anm.d. Red.) und ich nicht gerechnet. Wir bedauern den Rücktritt von Urs sehr.» Geissberger würde sich persönlich darüber freuen, wenn Bachmann mit «seiner Erfahrung, seinem Know-how und seinem gradlinigen Wirken» erhalten bliebe und «weiter im Verwaltungsrat mitarbeiten würde».

In den vergangenen Wochen nahm die Kritik am Sportchef aus dem Umfeld des FC Aarau stetig zu. «Diese Geschichte hat zwei Seiten: Einerseits das Sportliche, das man kritisieren darf, andererseits das Administrative, wo Kritik fehl am Platz ist. Was Vertragswesen, Ehrlichkeit, gute Beziehungen zu Spielervermittlern, Sportchefs und Präsidenten anderer Klubs anbelangt, hat Urs einen hervorragenden Job gemacht. Aber das sehen halt die Leute auf der Strasse nicht», sagt Geissberger.

Steht der Nachfolger bereit?

Mit Raimondo Ponte steht Bachmanns Nachfolger aller Wahrscheinlichkeit nach bereits fest. Der 60-Jährige ist seit Ende Juli Chefscout und Sportausschussmitglied des FC Aarau. Ponte hat dank seiner Erfahrung durchaus das Zeug, um den FCA als Sportchef wieder auf Kurs zu bringen. Doch die Zeit drängt: Will der neue Mann den Klub noch verstärken, muss er sich wohl bei einem Schweizer Klub nach einem neuen Spieler umsehen, da sich das nationale Transferfenster erst Ende September – und nicht wie das internationale bereits Ende August – schliesst.

Bleibt zu hoffen, dass sich Bachmanns Wunsch nach etwas mehr Ruhe rund um den FCA erfüllt – und der Klub den Turnaround möglichst bald schafft.