Ringerstaffel Freiamt
Und plötzlich ist der Final ein Thema

Die Freiämter Ringer fordern im Halbfinal der Mannschaftsmeisterschaft Titelverteidiger Kriessern heraus.

Wolfgang Rytz
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Mit Leib und Seele als Trainer und Coach im Einsatz: Adi Bucher strebt mit den Freiämter Ringern die Finalqualifikation an.

Mit Leib und Seele als Trainer und Coach im Einsatz: Adi Bucher strebt mit den Freiämter Ringern die Finalqualifikation an.

Wolfgang Rytz

«Kriessern und Willisau in der Schweizer Mannschaftsmeisterschaft allein auf weiter Flur»: So lauteten die Einschätzungen vor Beginn der Nationalliga-A-Saison der Ringer. Nach Abschluss der Qualifikation präsentiert sich die Situation ausgeglichener. Wohl gewann Willisau als meistgenannter Favorit den ersten Meisterschaftsteil. Doch nur einen Punkt dahinter etablierte sich die Ringerstaffel Freiamt mit sieben Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen gegen Willisau auf Rang 2 vor Meister Kriessern. Entsprechend spekuliert die Aargauer Ringerhochburg nun im Halbfinalduell gegen die Ostschweizer auf einen Sieg. Und die Zuschauerzahlen belegen klar: Im Oberfreiamt ist wieder einmal das legendäre Ringerfieber ausgebrochen.

Neue Motivation eingeimpft

Hinter dem Freiämter Aufschwung steckt ein Name: Cheftrainer Adi Bucher. Der damalige Nachwuchstrainer übernahm 2015 nach dem Absacken auf Position 5 das Heft in die Hand und gab die Zielsetzung heraus, mit dem vorhandenen «starken Nachwuchs» den Verein innert dreier Jahre an die Spitze zurückzuführen.

Der Merenschwander baute sein Trainerteam um und aus und impfte den Athleten neue Motivation und mehr Trainingsfleiss ein. Seine gleichermassen aufopfernde wie zielstrebige Arbeit zahlte sich in den letzten zwei Jahren mit zwei dritten Plätzen in der Nationalliga A aus. Obwohl die Ringerstaffel Freiamt in diesem Herbst die Abgänge von Thomas Wild und Manuel Jakob sowie den Ausfall des eidgenössischen Kranzschwingers Pascal Gurtner zu verkraften hatte, rückte die Mannschaft mittlerweile deutlich näher an die Spitze heran.

Das liegt einerseits an den eigenen Teamstützen. Die Leutert-Zwillinge Nils und Nino, Randy Vock, Pascal Strebel und Michael Bucher gewannen von insgesamt 48 Kämpfen deren 42. Vor der dritten Runde erhielt endlich auch Magomed Aischkanow die Lizenz. Der 22-jährige russische Ringer hat eine Schweizerin geheiratet und trainiert seit zweieinhalb Jahren bei den Freiämtern. Er gewann seine bisherigen acht Einsätze bis 86 oder 97 kg allesamt überlegen.

Schritt um Schritt nach vorne

Damit machte Adi Bucher die Schwäche in den oberen Gewichtsklassen nach Gurtners Ausfall teilweise wett. Im Laufe der Qualifikation kamen zwei weitere wertvolle Freistilringer hinzu. Reto Gisler gab mit 44 Jahren ein Comeback und zeigte, dass er in den mittleren Gewichtsklassen immer noch nationale Klasse verkörpert. Nico Küng hat eine weitere Verletzung überwunden und steht als wertvoller Ergänzungsringer zur Verfügung.

Obwohl Freiamt im letzten Qualifikationskampf gegen Einsiedeln auf taktische Spiele verzichtete und deshalb im Halbfinal auf Meister Kriessern trifft, liebäugelt Bucher mit dem Finaleinzug. «Wir haben uns in den letzten zwei Jahren Schritt um Schritt verbessert. Wenn jetzt alle gemeinsam Verantwortung übernehmen und an sich glauben, schaffen wir die Überraschung.» Damit würde das Team seinem Trainer ein Abschiedsgeschenk bescheren. Bucher tritt aus beruflichen Gründen Ende Saison zurück. Das Halbfinalduell beginnt für Freiamt morgen Samstag um 20 Uhr in Kriessern. Eine Woche später folgt der Rückkampf um 20 Uhr in der Bachmattenhalle Muri. Nach dem Aufmarsch von über 500 Zuschauern gegen Einsiedeln dürfte das neue Ringerfieber im Freiamt beim Kampf um die erste Finalteilnahme seit 2014 eine noch grössere Kulisse bescheren.