1. Liga
Teichmann war 2013 das grösste Talent des FC Aarau – heute schiesst er seine Tore für Baden

Kennen Sie den Song «Mit 17 hat man noch Träume» von Peggy March? Den Schlager, mit dem die amerikanische Popsängerin Mitte der 1960er-Jahre die Hitparaden stürmte?

Ruedi Kuhn
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Für Christopher Teichmann spielt Fussball nur noch eine Nebenrolle.

Für Christopher Teichmann spielt Fussball nur noch eine Nebenrolle.

Mario Heller

17 Jahre alt war der talentierte Fussballer Christopher Teichmann, als für ihn ein grosser Traum in Erfüllung ging.

Am 13. Juli 2013, exakt drei Monate vor seinem 18. Geburtstag, gab der gebürtige Deutsche sein Debüt in der ersten Mannschaft des FC Aarau. Der damalige Trainer René Weiler ermöglichte Teichmann zum Auftakt der Saison 2013/14 einen Einsatz von Beginn an. Und das ausgerechnet im Auswärtsspiel beim Meister FC Basel.

Frischling mit feiner Technik und ausgeprägter Schnelligkeit

Weiler zauberte mit Teichmann einen Frischling aus dem Hut. Einen nicht besonders robusten Frischling, aber einen Frischling mit feiner Technik und ausgeprägter Schnelligkeit! Der FC Aarau verlor zwar 1:3, aber der junge Mann machte seine Sache im zentralen, offensiven Mittelfeld ordentlich.

Teichmanns Traum von der grossen Karriere lebte. Während der Saison 2013/14 kam er zu zehn Teileinsätzen im Fanionteam und galt als Versprechen für die Zukunft.

Es kam anders, ganz anders. Was für Teichmann vor dreieinhalb Jahren mit einem Feuerwerk begonnen hatte, endete in einer Sackgasse. Rein sportlich betrachtet folgte nach dem Hoffnungslauf die Ernüchterung.

Der weitere Karriereverlauf als Beweis: Im August 2014 wurde er von Aarau an die Basler Old Boys ausgeliehen. Anfang 2016 nahm er eine sechsmonatige Auszeit vom Fussball, um sich auf die anstehenden Matura-Prüfungen vorbereiten zu können. Im Juli 2016 versuchte er sein Glück bei YF Juventus. Und seit Beginn dieser Saison spielt Teichmann für den Erstligisten Baden.

Alles ging wohl etwas zu schnell

Was ist mit Teichmann passiert? Warum hat er den Durchbruch nicht geschafft? «Für mich ging im Sommer 2013 wohl alles etwas zu schnell», blickt er zurück.«Die Begeisterung um meine Person war extrem. Ich stand von einem Moment auf den andern im Blickpunkt. Nach meinem ersten Einsatz für Aarau gab es einen regelrechten Medienhype.

Es wurde alles aufgebauscht.» Und was waren die Folgen des Presserummels? «Ich konnte die in mich gesetzten Erwartungen nicht erfüllen», fügt Teichmann hinzu. «Nach dem Abgang von René Weiler Ende Saison 2013/14 hat der FC Aarau nicht mehr auf mich gesetzt.»

Teichmann ist zufrieden

Die schlechte Nachricht: Teichmanns Traum von der Profikarriere war so schnell vorbei wie er begonnen hat. Die gute Nachricht: Teichmann ist mit seiner momentanen Situation glücklich und zufrieden. Beruflich läuft nach der Matura im Sommer 2016 alles wie am Schnürchen.

Momentan absolviert er ein 18-monatiges Praktikum bei der UBS und lernt die Welt der Grossbank von der Pike auf kennen. Ist diese Ausbildung vorbei möchte er entweder Wirtschaft oder Sport studieren. Einen Berufswunsch hat er noch keinen. Kommt Zeit, kommt Rat.

Neun Tore in neun Spielen

Und der Fussball? Der rückte in den vergangenen Jahren in den Hintergrund. Statt als Profi spielt Teichmann momentan als Amateur beim Erstligisten FC Baden. Das – wen wundert’s – ganz erfolgreich. In den bisherigen neun Spielen hat der Flügelstürmer mit dem starken rechten Fuss neun Tore erzielt.

Am Samstag trifft der bald 22-Jährige mit Baden in der Vorqualifikation für den Schweizer Cup 2018/19 auf Echallens. Also ausgerechnet auf die Mannschaft, die in diesem Cup-Wettbewerb den FC Aarau 2:1 geschlagen hat. Echallens? Ein Fall für Teichmann?

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