Basketball
Spiessrutenlauf überstanden – die Aarauer ziehen in den Halbfinal ein

Nach einem souveränen Sieg in Spiel 1 der Playoff-Viertelfinalserie musste Alte Kanti Aarau auswärts gegen Villars antreten. Dies mit dem Ziel, ein entscheidendes drittes Spiel um jeden Preis zu verhindern. Das gelang mit einem 94:61 souverän.

Merken
Drucken
Teilen
Yannick Ngarambe gegen Robbie Lewis im Kampf um den Ball.

Yannick Ngarambe gegen Robbie Lewis im Kampf um den Ball.

Kevin Dennis Müri

Würden die Viertelfinalgegner in eigener Halle reagieren können? Das erste Spiel war geprägt gewesen von teils grenzwärtigem Einsatz und einem Villars, dasaufgrund des deutlichen Spielstandes am Ende die Beherrschung verlor.

Der BC Alte Kanti Aarau liess sich hingegen nicht sonderlich beindrucken, und entschied trotz einiger unvorhergesehener Hindernisse die erste Partie klar für sich. Dieses Ziel hatte Aarau auch für die zweite Begegnung. Die grosse Unbekannte in dieser Rechnung blieb Villars Nervenkostüm.

Der Start in Spiel 2 gelang der Alten Kanti wunschgemäss. Die Defensive, welche einen grossen Anteil am ersten Sieg hatte, hielt von Beginn an dicht und wurde zur Quelle vieler Konterpunkte. Dadurch konnte sich Aarau bereits im ersten Viertel zweistellig absetzen, und alles deutete auf den erhofften Verlauf hin.

Doch da stand für Villars noch ein gewisser Marko Kraljevic auf dem Feld, der die Gastgeber mit zwei Dreipunktewürfen beinahe eigenhändig wieder zurück ins Spiel brachte. Denn Aarau wirkte zum ersten Mal in der Serie verunsichert, und Villars biss sich in seiner Chance fest.

Kraljevic hätte zum Helden der Partie avancieren können und schien dies auch zu spüren. Allerdings überdrehte er nach zwei weiteren Dreiern und sein Einfluss auf die Partie sank entsprechend. Villars hatte allerdings in der Zwischenzeit neuen Mut gefasst.

Auch Innenspieler Robbie Lewis’ Leidenschaft war geweckt: Ob mit Punkten in Korbnähe oder beim Kampf um den Ball in Bodennähe, Lewis bewies das nötige Kämpferherz. Nichtsdestotrotz wirkte dieser Zusatzaufwand meist glücklos, und löste entsprechende Frustration aus. Denn die Aarauer Führung blieb bis zur Pause an der Schmerzgrenze von zehn Punkten.

Platzwunde bei Villars

Nach dem Wiederanpfiff überschlugen sich die Ereignisse. Ohne ersichtliche Ursache stand Villars-Spielmacher Alessandro Veglio plötzlich mit blutüberströmtem Gesicht an der Seitenlinie. Eine klaffende Platzwunde über dem linken Auge wurde schnell als Ursprung identifiziert, und durch die notwendige Behandlung verloren die Westschweizer kurzzeitig ihren besten Aufbauspieler.

Diese Chance nutzte Aarau gnadenlos aus und zog genau in dieser Phase davon. Kurz darauf wurde Villars-Trainer, der bereits vorher negativ aufgefallen war, mit seinem zweiten technischen Foul sanktioniert, und damit gemäss dem Regelwerk der Halle verwiesen. Eine weitere Schwächung für die Gastgeber, die bei einem Comeback alles andere als nützlich ist.

Aaraus Trainer Milenko Tomic rotierte über den Spielverlauf mit seiner ganzen Bank und verteilte seine Minuten gleichmässig, während Villars auf die Hauptleistungsträger vertrauen musste. Allerdings war ein möglicher Sieg bis zum vierten Viertel mindestens so weit entfernt wie ihr Trainer von der Bank.

Die damit verbundene Enttäuschung fand schliesslich kurz vor Schluss ihren traurigen Höhepunkt: Aaraus Captain Robertino Engel will nach einem Sprint über das halbe Feld zum Korbleger hochsteigen, und wird von Robbie Lewis mit der Schulter voraus aus seinem Gleichgewicht gerammt.

Verletzt wurde dabei zwar niemand, aber die Gastgeber hatten damit signalisiert, dass sie sich definitiv aufgegeben hatten.

Die restlichen Minuten verstrichen ohne nennenswerte Aktionen und die Alte Kanti steht hochverdient im Halbfinale. Auf der Strecke bleibt ein Villars mit viel Talent und Temperament. Letzteres stand den Westschweizern in der nun entschiedenen Serie aber meist nur im Weg.

Für Aarau geht es nun im Halbfinale gegen Pully, welches am Anfang dieser Saison für einen Verlängerungskrimi in der Telli gesorgt hat. In der Saisonbilanz steht es zwar 2:0 für Aarau, doch Pully wird sich mit Sicherheit als noch hartnäckiger erweisen, als es Villars getan hat.