Radsport

Silvan Dillier vor Bestätigung der ersten Profisaison

Silvan Dillier durfte sich auch bei den Sixday Nights in Zürich für seine Leistungen feiern lassen.

Silvan Dillier durfte sich auch bei den Sixday Nights in Zürich für seine Leistungen feiern lassen.

Silvan Dillier darf mit Stolz und einem Weltmeistertitel in der Tasche auf seine erste Profisaison zurückblicken. Nach dem Saisonabschluss auf der Bahn, will der Aargauer in der kommenden zweiten Profisaison bei BMC seinen Platz im Team festigen.

Silvan Dillier kann eigentlich alles. Er kann spurten, treten, leiden, kraxeln und geschmeidig pedalieren. Die Schweizer Radhoffnung stellte ihre Vielseitigkeit im ersten Profijahr beim BMC-Team eindrücklich unter Beweis.

Der 24-Jährige brillierte bei den belgischen Eintages-Klassikern, fuhr in Rundfahrten um den Sieg mit, büxte in einer Bergetappe der Tour de Suisse aus, spurtete in Gippingen aufs Podest und erreichte mit dem ambitionierten Bahnvierer einen beeindruckenden Schweizer Rekord. Und zu guter Letzt ist Dillier der einzige Schweizer Radprofi, der sich amtierender Weltmeister nennen darf. Als Mitglied des BMC-Teams gewann er in Spanien den Titel im Mannschaftszeitfahren.

Abschluss als Vorbereitung fürs neue Jahr

Auch am Sechstagerennen in Gent und an den Sixday Nights in Zürich am Wochenende winkte der Aargauer vom Podest. Es waren seine zwei letzten Renneinsätze im alten Jahr. Nimmt man es genau, gehört der bei Dillier traditionelle winterliche Abstecher auf die Bahn bereits zur Vorbereitung auf die neue Saison.

„Ich kann daraus einen kleinen Vorteil ziehen, bin dank der gewonnenen Intensität in den Trainingslagern und in den ersten Rennen des Jahres schon ein Stück weiter als viele meiner Teamkollegen“, sagt der gebürtige Schneisinger. Während man auf der Strasse mit Kadenzen bis 110 Umdrehungen pro Minute fährt, steigt die Marke bei Sprints auf der Bahn schon mal auf 180.

Gestandene Fahrer als Lokomotive

Dank dieser Souplesse und der Frühform verschaffte er sich vor einem Jahr gleich zu Beginn der Profikarriere bei BMC den Respekt von Mitstreitern und Teamleitung. „Man sah in den ersten Rennen schnell, dass ich den Sprung geschafft hatte. Es ist zu Beginn einer Karriere wichtig, dass man sein Potenzial zeigen kann“, sagt Dillier. Denn dort scheiden sich die Karrieren: Wasserträger hier, Siegfahrer da.

Dilliers Weg zeigt derzeit nach oben. Als Neuling durfte er bereits die grossen Rennen des Frühjahrs, die Flandern-Rundfahrt und Parix-Roubaix, bestreiten. Und machte seinen Job derart gut, dass im späteren Saisonverlauf selbst Olympiasieger, Weltmeister und Tour de France-Gewinner für ihn schufteten. In Gippingen leisteten Cadel Evans und Samuel Sanchez Helferdienste für Dillier und zog ihm Philippe Gilbert den Spurt an. Bei der fünftägigen Wallonien-Rundfahrt war Sprinterkönig Thor Hushovd die Lokomotive auf den letzten Metern. Silvan Dillier machte und hatte Eindruck.

Obwohl sein Rennprogramm aufgrund der Leistungen ein markantes Upgrade bis hin zum Aufgebot für das sechsköpfige WM-Zeitfahrteam erhielt, erfüllte die BMC-Rennleitung Dillier nicht jeden Wunsch. Als im Herbst eine Teilnahme an der Spanien-Rundfahrt zur Debatte stand und der junge Aargauer dieses Vorhaben liebend gerne in die Tat umgesetzt hätte, kam ein klares Nein. Die Enttäuschung verflog schnell und heute sagt Dillier: „Es gibt immer wieder Talente, die im ersten Jahr eine dreiwöchige Rundfahrt bestreiten und danach zwei, drei Saisons von der Bildfläche verschwinden.“ BMC achte darauf, dass dies ihm nicht widerfahre.

Fokus auf die Eintagesrennen

Vor lauter Highlights ist es schwierig, bei Silvan Dilliers Debütantenball einen Stolperer zu finden. Gab es in der ersten Profisaison überhaupt negative Erlebenisse? Er denkt kurz nach und sagt: „Die hat es vielleicht schon gegeben, aber wenn, dann habe ich sie vergessen“.

Und wie geht es weiter in der Karriere von Silvan Dillier? Ist er bei der Frage, wo er angesichts seiner universalen Fähigkeiten in den nächsten Jahren die Prioritäten setzen will, bereits schlüssiger geworden? Teils, teils lautet wohl das Fazit. In der Strassensaison mit dem BMC-Team sieht er durchaus klarer. Die belgischen Kopfsteinpflaster haben einen neuen Anhänger gefunden, die Erlebnisse in den Frühjahrs-Klassikern haben ihm Mumm gemacht. „Ich möchte mich in den nächsten Jahren auf die wichtigen Eintagesrennen fokussieren“, sagt er.

Grosse Highlights stehen bevor

Wieso aber bei seinem Potenzial nicht auch an das Gesamtklassement einer grossen Rundfahrt denken? Dafür sei er von den körperlichen Voraussetzungen her nun mal nicht prädestiniert, meint Dillier. Und fügt nach kurzem Abstand an: „Man hat als Veloprofi ja auch noch ein Leben.“ Sich so asketisch hingeben wie Bradley Wiggins, das ganze Jahr auf Schokolade und auf vieles mehr verzichten – das wolle und könne er wahrscheinlich nicht.

Immerhin ist vorgesehen, dass der 24-Jährige 2015 erstmals eine der drei grossen Rundfahrten bestreiten wird. Wenn auch nicht als Anwärter auf das Gesamtklassement. Und es gibt neben der Tour de France schliesslich noch andere lohnende Ziele. Die Olympischen Sommerspiele in zwei Jahren zum Beispiel. Nur wo? Auf der Bahn oder doch…

Der Weg ist eigentlich vorgespurt. Silvan Dillier soll  als Teil des Schweizer Bahnvierers in Rio um eine Medaille pedalen. Das kann er und will er im Grunde auch. Nur hat Dillier im Gegensatz zum neuen Teamkollegen Stefan Küng keine entsprechende Klausel im Vertrag, die ihm die eindeutige Fokussierung und Vorbereitung auf das Bahn-Projekt garantiert. „BMC bezahlt mich und es ist nicht mehr als logisch, dass BMC mich so einsetzen will, dass für das Team der grösstmögliche Effekt besteht“, sagt der Aargauer.

Allerdings will der Arbeitgeber Silvan Dillier damit nicht unbedingt eine Olympische Grosstat verbieten. „Es gibt Personen, die sagen, ich könne in Rio auch im Strassenrennen um eine Medaille fahren“, sagt Dillier etwas zögerlich. Man spürt, dass er selber noch nicht so recht daran glaubt. Er hat ja auch noch zwei Jahre Zeit.  

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