Pferderennen
Sibylle Vogt reitet der Konkurrenz in Saudi-Arabien davon

Am Freitag und Samstag fand in Saudi-Arabien das höchstdotierte Pferderennen der Welt statt. Mit dabei war die gebürtige Leimbacherin Sibylle Vogt. Die 24-Jährige nahm am Freitag an der stc International Jockeys Challenge teil. Sie lieferte in drei von vier Rennen ab und wurde Zweite am teuersten Pferderennen der Welt.

Laura Pirroncello
Merken
Drucken
Teilen
Sibylle Vogt war nach ihrem Sieg sprachlos.

Sibylle Vogt war nach ihrem Sieg sprachlos.

imago images

Schon das erste Rennen beendete Vogt auf den dritten Platz. «Da wusste ich, dass ich zumindest nicht ohne Punkte nach Hause gehen werde», sagt sie. Auch das zweite Rennen lief zu ihren Gunsten. Wieder der dritte Platz für die Aargauerin. Zu diesem Zeitpunkt war klar, es liegt drin, in der Gesamtwertung auf dem dritten oder vierten Platz zu landen.

Das dritte Rennen lief dann aber nicht sehr gut. Doch das wusste Vogt bereits im Voraus: «Das Pferd, das mir zugelost wurde, läuft normalerweise Strecken von 1500m. Das Rennen ging aber über eine Distanz von 1800m.» Die Trainer wollten etwas ausprobieren und sehen, wie sich das Pferd über eine längere Distanz schlägt. Folglich holte die Aargauerin in ihrem dritten Rennen keine Punkte.

Nach dem dritten Rennen stand Mike Smith bereits als Gesamtsieger fest. Sibylle Vogt wusste: Mit einem Sieg im letzten Rennen konnte sie Zweite werden. «Die Gewinnchancen waren für mich im vierten Rennen am grössten», sagt sie. Das Los gab ihr ein sehr starkes Pferd. Am Schluss reichte es dann auch tatsächlich für den Sieg. «Ich habe nicht gedacht, dass es so gut funktioniert. Nach dem Rennen war ich fast etwas sprachlos, ich wusste nicht, was ich sagen sollte», sagt sie.

Neben Sibylle Vogt konnte noch eine weitere Frau (Lisa Allpress) ein Rennen gewinnen. Die beiden sind somit die ersten Frauen überhaupt, die in Saudi-Arabien ein Pferderennen gewinnen konnten. «Es ist überraschend, dass zwei Mal eine Frau und zwei Mal ein Mann gewannen», sagt die Leimbacherin. Frauen würden in diesem Sport immer etwas belächelt werden, dass es jetzt so ausgeglichen war, freut Vogt.

Ein Traum, den sie nie zu träumen gewagt hätte

Für Sibylle Vogt gab es neben den Podestplätzen noch etwas, das sie wohl nicht mehr so schnell vergessen wird. Die Schweizerin konnte ihr Idol Frankie Dettorie schlagen. «Er ist für mich ein extrem talentierter Sattelkünstler. Er hat ein tolles Gefühl und eine unglaubliche Dynamik mit den Pferden», sagt sie. Dass sie ihn schlagen konnte, hänge etwas mit Glück zusammen, aber es sei ein wunderschönes Gefühl: «Ich hätte es mir nie erträumt, überhaupt mit ihm zu reiten, geschweige denn, vor ihm zu sein.»

Dank ihrer starken Leistung konnte Vogt Werbung in eigener Sache machen. Dazu gehört auch der Kontakt mit den anderen berühmten Jockeys. Ihr Ziel, im Winter im Ausland zu reiten, kommt so hoffentlich ein Stück näher. «Ich habe viele Facebook-Anfragen erhalten. Aber der Sport ist schnelllebig, trotzdem ist es jetzt sicher etwas einfacher», sagt die Aargauerin. Man wird sehen, in welchem Land sie der Konkurrenz als nächstes davon reitet.