Schweizer Cup
Eine Niederlage so süss wie Honig: Warum man sich bei «SchöNie» über ein 0:7 gegen den FC Basel freute

Mit einer Packung verloren, doch am Cup-Sonntag kümmerte das bei Schönenwerd-Niedergösgen nach Schlusspfiff keinen mehr. Der «SchöNie»-Captain lobt die Topleistung, auch der Trainer platzt fast vor Stolz. Ein Eindruck vom Sportplatz Inseli.

Frederic Härri
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7 Tore im Gepäck, aber egal. Bei Schönenwerd-Niedergösgen löste das Cupspiel gegen den FC Basel Glücksgefühle aus.

7 Tore im Gepäck, aber egal. Bei Schönenwerd-Niedergösgen löste das Cupspiel gegen den FC Basel Glücksgefühle aus.

Patrick Luethy

Verlieren ist nicht schön. Das weiss jeder, der schon einmal Sport betrieben hat, auf welchem Niveau auch immer. Doch diese Niederlage, sie schmeckte süss wie Honig. Von Bitternoten war im Nachgang keine Spur. Schon gar nicht bei Fabio Liloia, dem Captain des FC Schönenwerd-Niedergösgen, der nach Schlusspfiff die «Topleistung» seiner Mannschaft lobte, kund tat, wie stolz er sich fühle und dann ein kräftiges «Hopp SchöNie!» in das Mikrofon brüllte. Auch Trainer Yannick Kühni wirkte so entspannt und zufrieden wie nach einem erholsamen Tag am Meer: «Es war cool, meiner Mannschaft heute zuzuschauen», sagte er.

0:7 hat «SchöNie» auf dem Sportplatz Inseli in der ersten Cuprunde gegen den FC Basel verloren. Das ist ein beachtliches Resultat, wenn man bedenkt, dass die Basler in ihrer derzeitigen Verfassung auch Kontrahenten vom Kaliber eines FC Sion oder Servette mit einer Packung aus dem Stadion verabschieden. Gewiss hätte das Resultat viel deutlicher ausfallen und die Doppelstelligkeit überschritten werden können, derart viele Tormöglichkeiten ergaben sich den Gästen. Doch soll an dieser Stelle nicht der Kampfeswille und die Verteidigungslust von Schönenwerd-Niedergösgen unerwähnt bleiben.

Auch Valentin Stocker lobt die «tolle Stimmung»

Über 20 Minuten hielten die Hausherren das Spiel torlos, was zu grossen Teilen mit Michael Simic zu tun hatte. Mehrmals warf sich der Goalie von SchöNie in die gegnerischen Versuche, lenkte die Schüsse über und neben das Tor und einmal an die Latte. In einer Szene wäre er bereits geschlagen gewesen, doch Verteidiger Luca Liloia hielt dankenswerterweise seinen Kopf hin und rettete auf der Torlinie. Schliesslich aber wurde der von Basel entfachte Druck zu gross. Erst traf Tician Tushi, dann erhöhte Raoul Petretta und in der 41. Minute verwandelte Matias Palacios einen Foulelfmeter für seine Farben. 0:3 stand es zur Halbzeit. Valentin Stocker, der das Spiel in Freizeitkleidern neben seinen ebenfalls nicht eingesetzten Basler Kollegen Pajtim Kasami, Fabian Frei und Eray Cömert verfolgte, lobte in der Pause «die tolle Stimmung» auf dem Sportplatz.

Arthur Cabral, der derzeit gefährlichste Stürmer der Super League, wurde gegen Schönenwerd-Niedergösgen geschont.

Arthur Cabral, der derzeit gefährlichste Stürmer der Super League, wurde gegen Schönenwerd-Niedergösgen geschont.

Anthony Anex / KEYSTONE

In Hälfte zwei folgte die Phase, die SchöNie-Trainer Kühni später als «ein bisschen bitter» umschreiben sollte. Zwischen der 53. und der 62. Minute bekam Schönenwerd-Niedergösgen vier Tore in einer Art und Weise, bei der es jedem schummrig werden konnte, der es mit den Hausherren hielt. Doch SchöNie reparierte den Dammbruch rechtzeitig und hielt die Gegentor-Flut in Schach. Viel hing sicherlich auch damit zusammen, dass der Hunger der Basler Kobra mittlerweile gestillt war, was man daran sehen konnte, dass mit Sebastiano Esposito der derzeit zweitgefährlichste Stürmer der Super League erst in der 74. Minute eingewechselt wurde. Arthur Cabral, der gefährlichste Stürmer, blieb gleich ganz draussen.

«Jetzt nehmen wir noch eins, zwei»

Und so führte das Schlussresultat zu lachenden Gesichtern allenthalben, die nur noch ein wenig herzlicher hätten ausfallen können, wenn dem unterklassigen Gastgeber ein Ehrentreffer geglückt wäre. «Das eine Tor für uns wäre schön gewesen», meinte Kühni mit einer Mimik, die sagte: Sei’s drum.

Das grösste Strahlen an diesem Cup-Sonntag gehörte wohl Fabio Liloia, der gar nicht mehr wusste, wohin mit seinem Glück. «Jetzt nehmen wir noch eins, zwei», sagte der Captain nach Schlusspfiff zu seinem Trainer und setzte sich die imaginäre Bierflasche an den Mund. Kühni lachte und nickte zustimmend. «Aber erst räumen wir hier noch auf.»

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