Radsport
Silvan Dilliers aufregender Ritt auf Frankreichs Strassen

Silvan führte Mathieu van der Poel ins Maillot jaune – und musste tags darauf während eines Sturzfestivals beinahe selbst zu Boden. Mit seinem neuen Team reitet der Aargauer Radprofi momentan auf einer Erfolgswelle.

Marcel Kuchta
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Silvan Diller (l.) mit Teamleader Mathieu van der Poel am Hinterrad.

Silvan Diller (l.) mit Teamleader Mathieu van der Poel am Hinterrad.

Christophe Petit-Tesson / EPA

Ein paar Kilometer vor dem Ziel erwischte es am Montag in der dritten Etappe der Tour de France fast auch Silvan Dillier. Im x-ten Sturz dieses unfassbar hektischen Teilstücks musste der Schneisinger beinahe zu Boden. Er hatte – im Gegensatz zu anderen Fahrern, die teils schwere Verletzungen erlitten – Glück im Unglück und konnte seine Fahrt unversehrt fortsetzen.

Während im Hintergrund der im Schlussspurt kurz zuvor schwer gestürzte Caleb Ewan immer noch am Boden lag, überquerte Dillier wenig später in Pontivy die Ziellinie mit gegen den Himmel gereckter Faust. Nicht aus Dankbarkeit darüber, dass er in diesem wilden Ritt unverletzt geblieben war, sondern weil sein Teamkollege Tim Merlier für den zweiten Etappensieg der Alpecin-Fenix-Equipe gesorgt hatte.

Der besonders emotionale Tag mit Sieg und Gelb

Dies, nachdem die belgische Truppe tags zuvor schon für den ganz grossen Coup gesorgt hatte. Der Niederländer Mathieu van der Poel gewann nicht nur die schwere Etappe auf der ­Mûr-de-Bretagne. Er holte sich gleichzeitig auch noch das äusserst begehrte Leadertrikot, das Maillot jaune. Was eine besonders emotionale Note hatte, weil Van der Poels Grossvater die französische Radsportlegende Raymond Poulidor ist, dem es Zeit seiner eigentlich erfolgreichen Karriere vergönnt geblieben war, das gelbe Trikot auch nur einmal tragen zu dürfen.

Entsprechend gross war die Freude in der Alpecin-Fenix-Truppe, die ja auf dem Papier nicht mal zu den besten, in der Kategorie «World Tour» eingestuften Teams gehört. Die aber mit Mathieu van der Poel einen der derzeit besten Radprofis der Welt in ihren Reihen weiss.

Dillier als Geleitschutz des Superstars

Dass Van der Poel den Traum, den sich sein Grossvater nie erfüllen konnte, bereits am zweiten Tag seiner ersten Tour-de-France-Teilnahme in die Realität umsetzen konnte, daran war auch Silvan Dillier massgeblich beteiligt. Erst spät im vergangenen Jahr, im November, öffnete sich für den Aargauer noch ein Türchen bei diesem ambitionierten Team. Und genau für diese hektischen Rennsituationen, wie sie an der Tour de France zur Tagesordnung gehören, hatte man Dillier, den routinierten Klassiker-Spezialisten mit Rollerqualitäten, geholt. Er führte Van der Poel von der Spitze aus in die letzte Steigung.

«Danach hat Mathieu die Rakete gezündet und den Etappensieg abgeschossen»

beschrieb der Schneisinger die letzten Rennkilometer. Einen Tag später war Dillier ganz am Ende nicht mehr in der Hitze des Gefechts, er hatte jedoch während langer Zeit dem Träger des Maillot jaune in dieser überaus hektischen, dritten Etappe Geleitschutz gegeben.

Wie gut dieses Team harmoniert, zeigte sich übrigens ganz am Schluss der Etappe, als der Chef höchstpersönlich kraft seiner Fahrkünste die beiden endschnellen Alpecin-Männer Jasper Philipsen und Merlier von der Spitze aus durch den technisch anspruchsvollen Parcours Richtung Ziellinie manövrierte. Dort vollendete Merlier die erneute fantastische Teamarbeit. Und auch Silvan Dillier durfte sich wenig später freuen.

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