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Silvan Dilliers Pinkelpause zur Unzeit - und zwei Highlights im Visier

Der Schneisinger Radprofi Silvan Dillier erlebte am vergangenen Sonntag ein spezielles Comeback nach seinem Schlüsselbeinbruch. Nun ist er bereit für die beiden Frühjahres-Klassiker Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix.

Marcel Kuchta
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Silvan Dillier im Anstieg des Kemmelberg während Gent-Wevelgem.

Silvan Dillier im Anstieg des Kemmelberg während Gent-Wevelgem.

Mario Stiehl / www.imago-images.de

Silvan Dillier nennt es einen «taktischen Fehler». Letztlich war es aber wohl nicht viel mehr als schlechtes Timing. Oder ganz einfach: Pech. Was war geschehen? Am vergangenen Sonntag, während des Halbklassikers Gent-Wevelgem, verspürte der Schneisinger Radprofi etwa 100 Kilometer vor dem Ziel den unbedingten Drang, sich erleichtern zu müssen. «Unser Teammanager gab gerade per Funk durch, dass sich das Renngeschehen etwas beruhigt habe. Das war für mich das Signal, schnell an den Strassenrand zu fahren.»

Dumm nur, dass es eine Pinkelpause zur Unzeit wurde. Denn gerade in diesen Rennsekunden teilte sich das Fahrerfeld in zwei Hälften auf. Dillier: «Ich hatte natürlich keine Chance mehr, nach vorne zu kommen.» Das sei für ihn umso ärgerlicher gewesen, als dass er im ersten Rennen nach der durch einen Schlüsselbeinbruch benötigten mehrwöchigen Zwangspause «sehr gute Beine» hatte. Und noch viel wichtiger:

«Im ersten Wettkampf nach einem Sturz verspürte ich keine Angst, der Kopf machte mit.»

Psychisch und physisch war also alles top. Leider sorgte das «Toiletten-Malheur» dafür, dass Dillier über elf Minuten nach Sieger Wout van Aert mit dem Peloton ins Ziel rollte. Immerhin: Im Teambus machte ihm niemand Vorwürfe. Im Gegenteil: «Die sportlichen Leiter waren glücklich, dass ich das Rennen beendet hatte und mich dabei gut fühlte.»

Superstar Mathieu van der Poel im Mittelpunkt

Für die kommenden Aufgaben ist dieses gute Gefühl nämlich Gold wert. Am Ostersonntag steht die Flandern-Rundfahrt auf dem Programm. Eine Woche später soll – so die Behörden wollen – auch Paris-Roubaix über die Bühne gehen. In den beiden wohl wichtigsten Frühjahresklassiker soll Silvan Dillier eine wichtige Rolle spielen. Denn in seinem neuen Team Alpecin-Fenix fährt mit Mathieu Van der Poel ein absoluter Star der Szene um den Sieg mit. Der Holländer siegte bereits im Vorjahr an der Flandern-Rundfahrt und gehört auch heuer wieder zum engsten Kreis der Topfavoriten. Dillier will ihm bei der Mission Titelverteidigung zur Seite stehen. Bei Paris-Roubaix, welches Dillier vor drei Jahren auf Platz zwei beendete, könnte er, je nach Rennverlauf, vielleicht auch etwas auf eigene Rechnung fahren.

Doch so weit mag der 30-Jährige noch gar nicht vorausblicken. Die Coronawirrungen des Vorjahrs und das Sturzpech haben ihn vorsichtig werden lassen. Deshalb freut er sich zwar über die mittelfristige Perspektive, im Juni die Tour de Suisse und dann im Juli mit grösster Wahrscheinlichkeit die Tour de France fahren zu dürfen, «aber man weiss nie, was noch alles passieren kann.»

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