Kunstturnen
Oliver Hegi reist als jüngstes Nationalkader-Mitglied an die EM

Oliver Hegi aus Schafisheim steht vor seinem bisherigen Karrierehöhepunkt: Er turnt an den Europameisterschaften im französischen Montpellier erstmals bei der Elite. Das jüngste Mitglied des fünfköpfigen Schweizer Nationalkaders will sich auch unter den Besten profilieren.

Kathrin Aerni
Drucken
Oliver Hegi pendelt zwischen Magglingen und Schafisheim.

Oliver Hegi pendelt zwischen Magglingen und Schafisheim.

Aerni

Es ist Auffahrt: Die Leute geniessen ihren freien Tag – auch Kunstturner Oliver Hegi. Der 19-Jährige entspannt sich in Biel in der Ruhe vor dem Sturm. Denn bereits am Samstag hiess es, mit seinen Kaderkollegen nach Südfrankreich zu reisen, wo Oliver Hegi bereits ab morgen Donnerstag im Einsatz steht.

Ziel: Ohne Fehler turnen

«Ich bin schon etwas nervös, weil ich möglichst gut turnen will, um mein Team zu unterstützen», gibt der Aargauer zu. Es gehe in erster Linie darum, Erfahrungen zu sammeln und das Team zu unterstützen, sagt er. Hegi ist in Bezug auf seine EM-Ziele realistisch.

«Ich will möglichst ohne grosse Fehler mein Geräteprogramm turnen», sagt er. Die grössten Chancen auf ein gutes Resultat rechnet er sich bei seiner Paradedisziplin, dem Pferdpauschen, aus.

Hegi und seine Teamkollegen Pascal Bucher, Pablo Brägger, Nils Haller und Claudio Capelli müssen ohne ihre grosse Teamstütze Lucas Fischer auskommen. Fischer hat sich anfangs Mai eine Fussverletzung zugezogen. Der amtierende «Aargauer Sportler des Jahres» wäre ein Garant gewesen für zwei starke Noten am Reck und Barren.

Den Schwierigkeitsgrad erhöhen

Im Gespräch mit Hegi kristallisiert sich heraus, dass der eher scheue Teenager sportlich genau weiss, was er will und konsequent seinen Weg geht. Künftig will er noch mehr Elemente trainieren und den Schwierigkeitsgrad seiner Übungen sukzessive erhöhen.

Denn die beste Zeit als Kunstturner steht ihm noch bevor. Seit bald zwei Jahren trainiert Hegi im Sportzentrum Magglingen. Und seit Januar dieses Jahres ist er Mitglied des Nationalkaders. «Ich konnte in Magglingen meine Trainings intensivieren und auf zwei Einheiten pro Tag verteilen», erklärt er die Vorteile des Profibetriebs im nationalen Leistungszentrum. Nebenbei besucht Hegi das Seeland-Gymnasium in Biel, das er voraussichtlich in vier Jahren mit der Matura abschliessen wird.

«Bin gut aufgenommen worden»

«Ich habe früh gelernt, viel Zeit ins Training zu investieren und auf andere Hobbys zu verzichten», sagt Hegi. Seit er in Magglingen trainiere, sehe er zwar seine Familie und Freunde im Aargau nur noch am Wochenende. Doch die Tatsache, dass er gut ins Nationalkader aufgenommen worden sei und seine Familie voll und ganz hinter ihm stehe, habe ihm geholfen, diesen Nachteil in Kauf zu nehmen.

Hilfreich ist da sicher auch sein ehrgeiziges Fernziel: «Ich möchte einmal an Olympischen Spielen teilnehmen.» Die Qualifikation für London kam zu früh. In vier Jahren finden die Spiele in Rio statt. «20 Jahre nach Donghua Li am Pferdpauschen eine olympische Medaille oder ein Diplom zu gewinnen, das wäre doch grossartig», sagt der junge Aargauer für einmal ganz ohne Scheu.

Aktuelle Nachrichten