NLA-Handball
Zehnder sorgt erneut für späten Jubel: Der HSC Suhr Aarau holt einen Last-Minute-Punkt in Kriens

Suhr Aarau spielt auswärts bei Kriens-Luzern 24:24-Unentschieden. Nach einer schwachen ersten Halbzeit kommen die Gäste in Fahrt – wie schon im Europacup wird Manuel Zehnder zur entscheidenden Figur.

Frederic Härri
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Manuel Zehnder besorgt gegen Kriens-Luzern kurz vor Schluss den Ausgleich zum 24:24.

Manuel Zehnder besorgt gegen Kriens-Luzern kurz vor Schluss den Ausgleich zum 24:24.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Aleksandar Stevic ist erst seit rund einer Woche Trainer beim HSC Suhr Aarau. Nervenaufreibende Spiele hat Stevic in dieser kurzen Zeitspanne jedoch schon zweifach erleben können. Das Weiterkommen im Europacup am Wochenende war ein Drama sondergleichen. Und auch der Auswärtsauftritt beim HC Kriens-Luzern geriet zum veritablen Krimi.

Ein 24:24 holte der HSC bei jenem Gegner, auf den man in der Meisterschaft bislang noch nicht getroffen war. Am späten Punktgewinn war der Chefcoach entscheidend beteiligt.

Grazioli gibt Comeback – und befeuert Aufholjagd

Stevic war es, der sah, was funktionierte und was nicht. Er war derjenige, der korrigierte, wenn er es für nötig befand. Und zu korrigieren gab es vieles nach einer ersten Halbzeit, in der die Gäste zwölf Gegentore zuliessen und selbst nur neun Treffer zustande brachten. Gegen Ende von Hälfte eins stellte Stevic um und wechselte von einer offensiv ausgerichteten 5-1-Deckung auf eine 6-0-Verteidigung. Durch die Anpassung bekamen seine Schützlinge die Krienser Aussenspieler besser in Griff. Auch die Anfälligkeit bei Kreisanspielen verringerte sich.

Nebst den Umstellungen auf der systemischen Ebene waren es die Personalentscheide, die letztlich zum Teilerfolg beitrugen. Stevic (und seinem Goalietrainer Milos Cuckovic) entging nicht, dass es wohl nicht mehr der Abend von Torhüter Jannis Scheidiger werden würde. Der 19-Jährige wies eine Fangquote von nur 20 Prozent auf, auch seinem Vertreter Marin Durica erging es nicht besser. Also wechselte Stevic in der Schlussviertelstunde Leo Grazioli ein. Dieser gab sein Comeback nach langer Verletzungspause und veredelte die Rückkehr mit einem gehaltenen Siebenmeter.

Goalie Leo Grazioli hat seine Verletzung überstanden und ist wieder eine Option fürs HSC-Tor.

Goalie Leo Grazioli hat seine Verletzung überstanden und ist wieder eine Option fürs HSC-Tor.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Und wenn man ein erstes übereiltes Fazit ziehen möchte nach der ersten Woche, dann dieses: Den HSC unter Stevic darf man nicht abschreiben. Auch in der Krauerhalle wirkte es so, als ob die Mannschaft an sich und ihrer mangelhaften Torausbeute scheitern würde. Zweieinhalb Minuten vor Schluss lag der HSC mit zwei Toren zurück. Doch dann nutzte erst João Ferraz eine Unachtsamkeit in der Abwehr, ehe Manuel Zehnder sechs Sekunden vor Schluss zum 24:24 traf. Der Last-Minute-Held aus Krems lieferte eine Beinahe-Kopie seines Husarenstücks ab.

Zehnder fand die Lücke, die ihm Kreisläufer Leo Pejkovic freigeräumt hatte. Letzterer war kurz zuvor als siebter Feldspieler eingewechselt worden. Der letzte Schachzug von Stevic an diesem Abend.

Telegramm

Kriens-Luzern - Suhr Aarau 24:24 (12:9)

Krauerhalle Kriens. 225 Zuschauer. SR Capoccia/Jucker. 7 Zeitstrafen gegen Kriens-Luzern, 5 Zeitstrafen gegen Suhr Aarau.
Kriens-Luzern: Zaponsek (12 Paraden)/Eicher; Harbuz (5 Tore), Wanner (4), Lapajne (1), Orbovic (1), Rellstab (5), Steenaerts, Oertli, Schlumpf, Delchiappo (1), Langenick (6), Lavric, Pelko (1), Buob, Vekic.
Suhr Aarau: Scheidiger (2 Paraden)/Durica (3)/Grazioli (4); Willecke, Reichmuth (2 Tore), Hofer (2), Zehnder (8), Ferraz (5), Attenhofer, Silva, Parkhomenko (1), Pejkovic, Laube, Muggli (1), Slaninka (5).

Der Spielverlauf in der Zusammenfassung:

Vor diesem Spieltag hatte der HSC Suhr Aarau zwar schon neun Partien absolviert, gegen einen Gegner jedoch noch nicht gespielt: den HC Kriens-Luzern. Dies änderte sich am Mittwochabend beim ersten Gastauftritt in der Krauerhalle.

Die Innerschweizer zählen zu den meistgehandelten Kandidaten auf den Meistertitel, sind jedoch unerwartet schwach in die Saison gestartet. Von den ersten Spielen gewann Kriens-Luzern bislang nur deren drei. Doch der letzte Erfolg liegt nicht lange zurück: Am vergangenen Wochenende gab es einen 32:27-Sieg gegen St. Otmar St. Gallen. An diesen Auftritt knüpften die Gastgeber in der Startphase auch gegen den HSC an.

Suhr Aarau ging zwar in der 3. Minute in Führung, danach aber verlor die Mannschaft von Aleksandar Stevic kurzzeitig ihre Linie. Besonders mit On Langenick, dem Linksaussen der Krienser, bekundeten die Gäste ihre Mühe. Langenick erzielte die ersten vier Treffer seines Teams und blieb bei all seinen Versuchen makellos. Dem HSC hingegen ging die offensive Effizienz ab: Nur zwei von acht Würfen fanden den Weg ins Tor. Gepaart mit der lückenhaften Abwehr war das eine Mischung, mit der Stevic nicht zufrieden sein konnte. Nach zwölf Minuten griff er beim Stand von 2:5 zum Timeout. Besserung aber stellte sich resultatmässig nicht nahtlos ein. Der Rückstand wuchs auf fünf Tore an, besonders auf gegnerische Kreisanspiele blieb der HSC anfällig. Im Gegensatz zum furiosen Beginn bauten jedoch auch die Krienser in der Folge etwas ab und wirkten offensiv nicht mehr derart unwiderstehlich wie zuvor. Dies hielt den HSC im Spiel. Mit einem 9:12 zur Pause war aus Sicht der Gäste für die zweite Halbzeit noch alles offen.

Der zweite Umgang begann für Suhr Aarau vielversprechend. Eine Zeitstrafe für die Hausherren offenbarte Räume, und Timothy Reichmuth verkürzte per Trickwurf auf 10:12. Erst hält Kriens-Luzern die Drei-Tore-Führung aufrecht, trotz wachsendem Widerstand des HSC. Doch die Aargauer schoben sich zunehmend an ihren Kontrahenten heran. Der Angriff lief nun flüssiger, die Defensive fand ihre Sicherheit. Eine gute Viertelstunde vor Schluss verkürzten die Gäste erstmals auf ein Tor Abstand.

Doch danach verlor der HSC seinen Esprit wieder ein wenig – der Rückstand wuchs erneut auf drei Tore an. Nun wähnten die Zuschauer in der Krauerhalle ihre Mannschaft vielleicht schon wie der sichere Sieger. Doch abermals kämpfte sich Suhr Aarau zurück in die Partie. Eineinhalb Minuten vor Schluss nutzte João Ferraz die mangelhafte Absprache in der Krienser Abwehr zum 23:24. Der HC Kriens-Luzern hatte noch einmal einen Angriff, vergab die Chance auf die Entscheidung aber leichtfertig.

Und so kam der HSC noch einmal zu einer Möglichkeit. Und wie schon am Samstag im Europacup wurde Manuel Zehnder zum Helden: Der 22-Jährige schob sich klug durch die Verteidigung und warf in den finalen Sekunden das 24:24. So sichert sich der HSC Suhr Aarau einen letztlich verdienten Auswärtspunkt.

Update folgt ...