NLA-HANDBALL
Ohne Larouche und Huwyler fehlt die offensive Power: Ein harmloser TV Endingen bleibt gegen den BSV Bern chancenlos

Endingens Trainer Zoltan Majeri muss im Heimspiel gegen Bern auf das verletzte Duo Justin Larouche und Simon Huwyler verzichten. Ohne die beiden Leistungsträger gelingt es dem Tabellenletzten beim 24:36 nicht, die mögliche Kehrtwende herbeizuführen.

Frederic Härri
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Justin Larouche und Simon Huwyler (rechts, hier im Duell mit Suhr Aaraus Martin Slaninka), hinterliessen mit ihrem Fehlen gegen Bern eine grosse Lücke.

Justin Larouche und Simon Huwyler (rechts, hier im Duell mit Suhr Aaraus Martin Slaninka), hinterliessen mit ihrem Fehlen gegen Bern eine grosse Lücke.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Es läuft die 22. Minute in der GoEasy-Arena, zwischen dem TV Endingen und dem BSV Bern steht es 4 zu 12. An der Ostseite des Industriebaus, vor der grossen Fensterfront, schieben sich die elektrischen Storen nach oben. Licht durchflutet die Halle. Und auf einmal, so scheint es, wird das Spiel des Gastgebers durch den plötzlichen Lichteinfall besser. Innerhalb von nur wenigen Minuten verdoppeln die Endinger ihre Torausbeute in dieser Partie, und nachdem Christian Riechsteiner mit einem genialen Pass seinen Kreisläufer Leonard Pejkovic findet, stösst dieser einen nicht zu überhörenden, animalisch anmutenden Schrei aus. Ist es ein Weckruf, der zur rechten Zeit kommt?

Nein, lässt sich in der Nachbetrachtung dieses 24:36 des TV Endingen, der 22. Niederlage im 25. Saisonauftritt, abschliessend festhalten. Dadurch, dass die eingangs erwähnten Hallenstoren während der 60 Minuten Spielzeit immer wieder von Neuem hoch und runter fahren, erweisen sie sich als weitaus wechselhafter als die Leistung der Hausherren. Diese ist nämlich fast überwiegend eines: ungenügend.

Allein in Halbzeit eins vergeben die Endinger 17 ihrer Würfe

Es fällt schwer zu sagen, wann man die Offensive des Tabellenletzten zuletzt derart harmlos und ideenarm gesehen hat wie in jener ersten Halbzeit, als nur neun eigene Tore gelingen mögen und die Endinger gleich «17 Würfe nehmen und nicht treffen», wie Zoltan Majeri unmittelbar nach Spielschluss weiss.

Zoltan Majeri versuchte in den Timeouts immer wieder, Einfluss auf seine Spieler zu nehmen.

Zoltan Majeri versuchte in den Timeouts immer wieder, Einfluss auf seine Spieler zu nehmen.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Der TVE-Trainer hadert. Damit, dass man sicher geglaubte Tore vorne nicht einzahlt und sie stattdessen postwendend ins Gegentor-Konto eingeschenkt bekommt. Vor allem aber hadert Majeri damit, dass er gegen Bern mit Justin Larouche und Simon Huwyler auf zwei verzichten muss, auf die er mit seinem dünn besetzten Kader kaum verzichten kann.

Lieber gegen Basel oder GC in den Playouts? Egal, sagt Majeri

Der Topskorer und der auch offensiv einsetzbare Abwehrchef fehlen angeschlagen, Huwyler sitzt zumindest auf der Bank, Majeri aber will kein unnötiges Risiko eingehen. Auch der Coach weiss, dass die hohe Heimschlappe gegen Bern zwar nicht förderlich fürs Selbstvertrauen war, alles in allem aber zu vernachlässigen ist. Was zählt, sind die Playouts, die in wenigen Wochen beginnen.

Ob Endingen dann gegen den RTV Basel oder GC Amicitia um den Ligaerhalt kämpft, ist für Majeri zweitrangig, «wir schauen auf uns», er hält das für die bessere Strategie. Larouche und Huwyler jedenfalls könnten spätestens zum Saisonfinale wieder einsatzbereit sein. Majeri sagt: «Wir hoffen das Beste.»

Telegramm

Endingen – BSV Bern 24:36 (9:17)

GoEasy-Arena, Siggenthal Station. – Keine Zuschauer. – SR Castiñeiras/Zwahlen. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Endingen, 3-mal 2 Minuten gegen BSV Bern.

Endingen: Schams (6 Paraden)/Imhof (1); N. Grau (5 Tore), S. Grau, Huesmann, Mauron (2), Pejkovic (2), Portmann (2), Radovanovic (6), C. Riechsteiner (1), L. Riechsteiner (1), Schafroth (2).

BSV Bern: Cvitkovic (8 Paraden)/Seravalli (3); Aellen (2 Tore), Arn (3), Baumgartner, Eggimann (6), Freiberg (5), Gerlich (6), Jauer (1), Kusio (3), Rohr (1), Schneeberger (4), Strahm (1), Vögtli (3), Weingartner (1), Widmer.

Bemerkungen: Endingen ohne Fischer, Hitz, Mischler (alle nicht im Aufgebot), Huwyler, (ohne Einsatz) und Larouche (verletzt). – Verhältnis verschossener Penaltys: 3:1.

Sie haben die Partie verpasst? Schauen Sie sich das Spiel noch einmal in der Aufzeichnung des Livestreams an:

Der Spielverlauf:

Der TV Endingen geht in seinem drittletzten Spiel der Hauptrunde in Front. Noah Grau tankt sich auf dem linken Flügel durch und trifft mit seinem zweiten persönlichen Abschluss in diesem Spiel. Innert einer Minute aber kehren die Gäste aus Bern den Rückstand mit zwei schnellen Treffern in eine Führung. Danach fallen die Tore fast schon im Zehn-Sekunden-Takt – es sind die Berner, die bereits in der achten Minute auf 6:2 stellen.

Die Endinger indes zeigen sich in der Startphase zu wenig abgeklärt, vergeben freie Würfe alleine vor dem gegnerischen Keeper oder werfen über die Querlatte. Bezeichnend auch, dass Christian Riechsteiners Siebenmeter in der 10. Minute nur die Torumrandung trifft. Auch Bruder Lukas ergeht es zwei Minuten später nicht besser: Er scheitert an BSV-Goalie Cvitkovic. Immerhin: Weil auch die Berner nicht mehr mit derselben Frequenz skoren, beträgt der Rückstand aus Endinger Sicht nach 15 Minuten weiter nur vier Tore.

Kurz darauf aber muss TVE-Coach Majeri reagieren: Beim Stand von 4:10 ruft er seine Spieler fürs Team-Timeout zusammen. Wirkliche Besserung jedoch ist auch danach nicht in Sicht. Die Endinger tun sich extrem schwer, überhaupt zu Chancen zu kommen, während sie in der Defensive keinen Zugriff finden. In der 21. Minute kassiert Lukas Riechsteiner eine Zeitstrafe, weil er seinen Gegenspieler erst viel zu spät zu fassen bekommt, da steht es 4:12. Wenige Minuten und zwei Gegentore später greift Majeri zum zweiten Mal zur Timeout-Karte.

Dieses Mal zeigt die Massnahme Wirkung, zumindest offensiv: Innert vier Spielminuten verdoppelt der TV Endingen seine bisherige Torausbeute, kurz darauf veredelt Leonard Pejkovic ein geniales Kreis-Anspiel von Christian Riechsteiner. Vor dem eigenen Kasten aber ist Endingen weiterhin schwach, kassiert Gegentreffer um Gegentreffer und muss mit einem Spielstand von 9:17 in die Halbzeitpause gehen.

In Hälfte zwei funktioniert der Angriff zwischenzeitlich besser

Endingen kommt gut aus der Kabine, wirft in weniger als fünf Minuten vier Tore und scheint mit zunehmendem Masse Lösungen in der Offensive zu finden. Doch auch der BSV trifft ebenfalls vier Mal, womit der Acht-Tore-Rückstand bestehen bleibt.

Eine wirkliche Trendwende ist auch danach nicht zu erkennen, die Endinger vergeben ihre Chancen wieder zu leichtfertig, in der Deckung sind sie weiter anfällig. Während die Berner bis zur 13. Minute fünf Treffer nachlegen, gelingt dem TVE kein einziges Tor. In dieser Art und Weise geht es weiter: Beim Stand von 14:30 legt Zoltan Majeri nimmt Majeri die nächste Auszeit.

Nach dem Timeout fällt den Endingern das Torewerfen auf einmal wieder leichter, wodurch sie den Rückstand zwischenzeitlich immerhin auf elf Tore verringern können. Am Ende sind es zwölf Tore, die das Heimteam und den Gast an diesem Tag unterscheiden. Der TV Endingen verliert mit 24:36.