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Rückkehrer Cory Conacher: Ist der Kanadier für den SC Bern ein guter Deal oder eher ein schlechtes Geschäft?

Der kanadische Stürmer konnte sich in Lausanne nicht durchsetzen und stürmt ab sofort für den SC Bern – ein umstrittener Transfer.

Klaus Zaugg
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Gelungene Rückkehr: Beim 4:2-Sieg des SC Bern gegen die SCL Tigers am Mittwoch verbuchte Cory Conacher einen Treffer und zwei Assists.

Gelungene Rückkehr: Beim 4:2-Sieg des SC Bern gegen die SCL Tigers am Mittwoch verbuchte Cory Conacher einen Treffer und zwei Assists.

Bild: Keystone

Nach dem «Conacher-Handel» sagt der Optimist: jetzt hat der SC Bern wenigstens so viele brauchbare ausländische Feldspieler wie Sportchefs. Als Anspielung auf die teuerste Sportabteilung in der Geschichte unseres Hockeys mit «Obersportchef» Raeto Raffainer, «Untersportchefin» Florence Schelling und «Nebensportchef» Alex Chatelain. Alle drei mit sechsstelligen Jahressalären – in Zeiten der staatlichen Hilfsgelder.

Immerhin: Es hat erst einmal funktioniert. Trainer Mario Kogler hat sein ausländisches Personal im Derby in einer Linie zusammengefasst (Dustin Jeffrey, Jesper Olofsson, Cory Conacher). Das Trio erzielte beim 4:2 in Langnau drei Treffer und Cory Conacher war bei seinem SCB-Debüt mit einem Tor und zwei Assists der Mann des Abends.

Nicht nur sportliche, sondern auch finanzielle Fragen

Beim «Nostalgie-Transfer» des Kanadiers – er stürmte bereits in der Meistersaison 2015/16 für den SCB – geht es allerdings nicht nur um sportliche, sondern auch um finanzielle Fragen.

Macht es Sinn, mit den Bundesgeldern einen bereits 31-jährigen Spieler bis zum Ende der übernächsten Saison (bis 2023) zu verpflichten. Einen zudem, den Lausanne wegen ungenügender Leistung nicht mehr haben wollte? Was kostet dieser Deal?

Cory Conacher nach seinem Treffer zum 2:1 für den SCB.

Cory Conacher nach seinem Treffer zum 2:1 für den SCB.

Bild: Keystone

Der Pulverdampf hat sich inzwischen etwas verzogen und wir sehen klarer: Cory Conacher akzeptierte Lausannes Bedingungen für eine sofortige Auflösung seines bis 2023 laufenden Vertrages erst, nachdem ihm der SCB einen neuen Vertrag bis 2023 zugesagt hatte.

Also muss die SCB-Offerte lukrativ sein. SCB-«Obersportchef» Raeto Raffainer, der den ganzen Transfer orchestriert hat, ist sich der politisch-finanziellen Brisanz sehr wohl bewusst. Er behauptet, der SCB habe ein sehr gutes Geschäft gemacht:

«Wir haben nun bis 2023 einen ausländischen Spieler bekommen, beim dem das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Es wäre unmöglich, einen Spieler dieser Klasse unter normalen Umständen auch nur annähernd zum gleichen Salär zu bekommen, das wir nun aushandeln konnten.»

Fast 30 Prozent günstiger als vor fünf Jahren

Cory Conacher also ein «Billig-Ausländer»? Tatsächlich bestätigen Erkundigungen, dass der SCB dem Kanadier fast 30 Prozent weniger Salär bezahlt als damals in der Meistersaison 2015/16. Aber: billig – oder höflicher: günstiger – ist nicht gleich besser.

Entscheidend wird sein, ob Cory Conacher in den nächsten zwei Jahren den hohen sportlichen Ansprüchen, die beim «Bayern München des Hockeys» ans ausländische Personal gestellt werden, tatsächlich genügen kann.

Wenn nicht, wenn er vor Vertragsablauf ausgetauscht werden muss, dann wird aus dem vermeintlich guten Deal unverhofft ein schlechtes Geschäft. Denn anders als jetzt Lausanne wird der SCB für Cory Conacher keinen Abnehmer mehr finden.

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