Barrage
Nach Penalty-Drama: Der FC Aarau verpasst den Aufstieg in die Super League!

Dramatik pur im Brügglifeld! Der FC Aarau vergibt die 4:0-Führung gegen Xamax aus dem Hinspiel und verliert das anschliessende Penaltyschiessen 4:5. Damit verpasst der FCA den sicher geglaubten Aufstieg doch noch.

François Schmid-Bechtel, Sebastian Wendel
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Der FC Aarau verliert gegen Xamax nach Penaltyschiessen.
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Damit verpasst der FCA den angestrebten Aufstieg in die Super League.
FCA-Keeper Nikolic kann keinen Xamax-Elfer parieren.
BG: Barrage-Rückspiel: FC Aarau - Neuchâtel Xamax (2.6.19)
Er versenkt seinen Elfmeter als einziger Aarauer nicht im Tor.
Hier hält Xamax-Goalie Laurent Walthert Zverotics Schuss.
Serey Die verwandelt später den entscheidenden Elfmeter für die Neuenburger...
... und bejubelt den Ligaerhalt.
Die Aarauer Spieler sind nach dem Spiel am Boden zerstört.
Emotionen pur.
Kein Trost hilft.
Die Enttäuschung steht auch den Zuschauern ins Gesicht geschrieben.
Auf der anderen Seite kann Walthert sein Glück kaum fassen.
Grosser Jubel beim Neuenburger Pietro Di Nardo.
Der FC Aarau liegt nach 90 Minuten 0:4 zurück. Es kommt zur Verlängerung.
Soweit hätte es nicht kommen müssen: In der 90. Minute hatte Marco Schneuwly aus drei Metern das leere Tor verfehlt.
Der einstige Torschütze vom Dienst kann es kaum fassen.
In der Verlängerung fallen keine Tore. Das Penaltyschiessen muss entscheiden.
Damit hätte wohl auch Sportchef Sandro Burki nicht gerechnet.
Fassungslosigkeit bei den FCA-Spielern.
Die Bilder der ersten Halbzeit: In der 20. Minute bringt Serey Die Xamax vom Punkt mit 1:0 in Führung.
In der 29. Minute erhöht Oss auf 2:0.
Noch vor der Pause trifft Kemal Ademi per Kopf zum 3:0 für Xamax.
Die Aarauer Offensive um Stefan Maierhofer bleibt in der ersten Halbzeit blass.
Aarau liegt bereits nach 45 Minuten mit 0:3 zurück.
Norman Peyretti (r.) im Duell mit Marcis Oss.
Stefan Maierhofer (l.) versucht, sich gegen zwei Neuenburger zu behaupten.
Parade von Torhüter Nikolic.
In der 72. Minute trifft Tréand zum 4:0. Die Verlängerung ist Tatsache. Der Rest ist bekannt.
Vor dem Spiel: Die Mannschaften sind bereit.
Die Choreo der FCA-Fans vor dem Spiel.
Sportchef Sandro Burki und Trainer Patrick Rahmen vor dem Spiel.
Das Brügglifeld ist ausverkauft.
Xamax-Topscorer Raphaël Nuzzolo nimmt nur auf der Tribüne Platz. Er ist gesperrt.
Die Zuschauer strömen ins Brügglifeld.
FCA-Präsident Alfred Schmid unterstützt die Mannschaft im Stadion.

Der FC Aarau verliert gegen Xamax nach Penaltyschiessen.

freshfocus

Der Aargauerplatz ist für die Aufstiegsfeier hergerichtet. Im Penny Farthing, dem Treffpunkt der Fans, trinken und johlen sie schon drei Stunden vor dem Spiel. Die Party steigt. Spätestens am frühen Abend. Nach dem Schaulaufen im Brügglifeld. Denn was soll da noch schiefgehen? Mit einem 4:0 sind die Aarauer Donnerstagnacht aus Neuenburg heimgekehrt. 4:0 – die Rückkehr in die Super League nach drei Jahren scheint bloss eine Formsache.

Am frühen Abend aber, sehen wir Männer weinen. Hemmungslos, verzweifelt, fassungslos, sprachlos auch. Sie haben gelitten, gekämpft, gerackert, in dieser unbarmherzigen Hitze. Sie haben das Letzte aus sich herausgeholt. Alles, für dieses grosse Ziel. Für den Aufstieg. Für die Krönung einer surrealen Saison, die mit sechs Niederlagen begann, begleitet von Zweifeln und Verzweiflung. Selbst nach elf Spielen waren die dunklen Wolken nicht verzogen.

4:0 - Was soll da noch schiefgehen?

Vier Punkte hatte der FC Aarau zu jenem Zeitpunkt erst. Abstiegskampf wurde prognostiziert. Aber keine Schuldzuweisungen, keine dreckigen Spielchen. Nein, die Mannschaft, der Klub, die Fans, sie alle stellten sich der Herausforderung. Und wurden mit einer einzigartigen Aufholjagd, einem atemberaubenden Steigerungslauf auf Platz 2 belohnt.

4:0 – was soll da noch schiefgehen? Erst recht, weil bei Xamax der Topskorer Raphaël Nuzzolo wegen einer Sperre fehlt. Und, weil Xamax-Trainer Stéphane Henchoz nach der Hinspiel-Klatsche bereits Signale der Resignation aussendete. Der künftige Sion-Trainer hielt nach dem 0:4 fest, dass seine Spieler mit dem Kopf nicht mehr bei der Sache seien, weil viele vor einer ungewissen Zukunft stünden. «Für uns geht es nur noch darum, die Barrage anständig über die Bühne zu bringen.»

Natürlich kennen wir die Geschichte von Liverpool, das nach einem 0:3 in Barcelona zu Hause 4:0 siegte. Aber bei Aarau gegen Xamax, da kann schlicht nichts schiefgehen.
Nur: Xamax tritt nicht auf, als hätte es sich schon aufgegeben. Mit Härte schüchtern die Neuenburger die Aarauer ein. Mit langen Bällen bringen sie sie aus dem Konzept. Und mit Nickligkeiten schüren sie Hektik. Der Plan geht auf, nachdem Serey Die einen Penalty verwandelt, den Leo mit einer unbeholfenen Aktion gegen Karlen verschuldete.

0:1 – alles zittert

Okay, 0:1, was soll da noch schiefgehen? Die Spieler denken anders. Sie konstatieren, dass sie Mühe haben, Zugriff aufs Spiel zu kriegen. Die Mühle im Kopf beginnt zu drehen. Die böse Stimme meldet sich: Ihr könnt etwas verlieren. «Wir wussten nicht, wie wir mit der Situation umgehen sollen», räumt Olivier Jäckle ein.

«Wir haben zwar schon vor dem Spiel gewusst, dass wir etwas zu verlieren haben. Aber nach dem 0:1 wurde dieses Gefühl konkreter.» Und bei Xamax wächst der Glaube. Nach zwei Eckbällen, beide von Geoffrey Tréand getreten, steht es 0:3. Erst setzt sich Verteidiger Marcis Oss gegen Leo im Kopfballduell durch. Danach ist es Stürmer Kemal Ademi, der per Kopf zum 0:3 trifft. Jetzt sind es nicht mehr Zweifel, sondern die pure Versagensangst, die die Spieler des FC Aarau erfasst.

0:3 zur Pause. Trotzdem: Da wird doch wohl nichts mehr schiefgehen? Erst recht, weil sich die Aarauer vom Schock erholen, sich wieder aufrichten, die bösen Gedanken verscheuchen. «Wir waren in der Pause echt am Ende, aber wir sind aufgestanden. Und wir waren sowohl in der zweiten Halbzeit wie auch in der Verlängerung das klar bessere Team», resümierte Jäckle. Aber Xamax trifft. Tréand, ausgerecht er, der vor zwei Jahren trotz eines laufenden Vertrags von Aarau zu Xamax wechselte, auf einen Monatslohn verzichtete, um den Vertrag mit den Aarauern auflösen zu können – ausgerechnet dieser Tréand erzielt das 0:4.

Fussball, du elender Bastard! Aber das Ding lässt sich drehen. Liesse sich drehen. Denn Marco Schneuwly vergibt in der 90. Minute den Aufstiegsball. Von Petar Misic brillant bedient, schiesst er aus kürzester Distanz ziemlich hoch übers Tor. 103 Treffer hat der Mann in der Super League erzielt. Absurd. Wie auch der Pfostenschuss von Frontino zu Beginn der Verlängerung. Fussball, du elender Bastard! Was hat dir Frontino angetan, damit du ihm den Aufstiegstreffer zum Karriereende nicht gönnst?

Burki bleibt – und Tasar?

Penaltyschiessen. Da kann vieles schiefgehen. Von den letzten 24 Penaltys gegen Aarau sei nur einer nicht reingegangen, erzählt der Kollege nebenan auf der Pressetribüne. Die Geschichte ist schnell erzählt. Elsad Zverotic, der Captain, verschiesst als Erster. Alle folgenden Schützen treffen. Alles geht schief.

Wirklich alles? Nein. Dem FC Aarau ist es gelungen, den von GC umworbenen Sportchef Sandro Burki mit einem Dreijahresvertrag zu binden. Damit dürften auch die Chancen steigen, dass Trainer Patrick Rahmen nicht weiterzieht, sollte er ein Angebot, beispielsweise aus Basel, erhalten. Und auf die Frage, warum Nicolas Bürgy und Frontino verabschiedet wurden, nicht aber Varol Tasar, der bei Servette einen Vertrag unterschrieben hat, antwortete Präsident Alfred Schmid: «Vielleicht bleibt Tasar bei uns.»

Trotzdem ist der Fussball ein Bastard. Oder war es zumindest gestern. «Nein», sagt Jäckle. «Natürlich ist das maximal bitter. Aber am Samstag hörten wir vom Tod von Antonio Reyes. Und ein Freund konnte nicht zum Spiel, weil seine Mutter gestorben ist. Sie sehen, es gibt Dinge, die stehen weit über dem Fussball.»

Trainer Patrick Rahmen bedankt sich bei den Fans für die Unterstützung bei Hochs und Tiefs dieser Saison.
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Konsternierte Gesichter auf dem Brügglifeld.
Auch für die kleinen Fans ist der verpasste Austieg ein herber Schlag.
Die Fans hatten sich auf eine grosse Aufstiegsfeier eingestellt.
Enttäuschung auch bei den Fans am Public Viewing im Penny's in Aarau.
Mitfiebern im Restaurant Sportplatz.
Bereits nach wenigen Minuten ging Xamax in Führung – ein Schock für Fans beim Public Viewing in der Aeschbachhalle.
Das Brügglifeld war ausverkauft...
...einige Fans versuchten dennoch einen Blick auf den Platz zu erhaschen.
Public Viewing in der Aeschbachhalle 6. FC Aarau Public Viewing in der Aeschbachhalle 6
Public Viewing im Penny.
Public Viewing im Penny.
Public Viewing im Penny
Public Viewing in der Aeschbachhalle 6
Public Viewing in der Aeschbachhalle 6
Public Viewing im Penny.
Public Viewing in der Aeschbachhalle 6.
Public Viewing in der Aeschbachhalle 6.
Public Viewing in der Aeschbachhalle 6.
Public Viewing im Penny.

Trainer Patrick Rahmen bedankt sich bei den Fans für die Unterstützung bei Hochs und Tiefs dieser Saison.

Key.

Telegramm

Aarau - Neuchâtel Xamax 0:4 (0:3, 0:1) n.V. - Neuchâtel Xamax 5:4-Sieger im Penaltyschiessen.

7526 Zuschauer. - SR Jaccottet. - Tore: 20. Serey Die (Foulpenalty) 0:1. 29. Oss (Tréand) 0:2. 39. Ademi (Tréand) 0:3. 72. Tréand (Doudin) 0:4. - Penaltyschiessen: Zverotic (gehalten), Veloso 0:1; Jäckle 1:1, Tréand 1:2; Bürgy 2:2, Corbaz 2:3; Misic 3:3, Ademi 3:4; Karanovic 4:4, Serey Die 4:5.

Aarau: Nikolic; Giger, Leo, Bürgy, Obexer; Jäckle, Zverotic; Tasar, Peyretti (72. Misic), Schneuwly (92. Karanovic); Maierhofer (84. Frontino).

Neuchâtel Xamax: Walthert; Sejmenovic, Oss, Djuric (46. Veloso); Tréand, Di Nardo, Serey Die, Pickel; Doudin (92. Corbaz); Karlen (63. Ramizi/79. Pululu), Ademi.

Bemerkungen: Aarau ohne Peralta und Neumayr (beide verletzt). Neuchâtel Xamax ohne Nuzzolo (gesperrt) und Gomes (verletzt). 91. Pfostenschuss Frontino. Verwarnungen: 3. Doudin (Foul). 9. Ademi (Foul). 9. Frontino (Unsportlichkeit/Ersatzspieler). 12. Leo (Foul). 19. Zverotic (Foul). 36. Tasar (Foul). 45. Pickel (Foul). 56. Karlen (Foul). 65. Bürgy (Foul). 73. Di Nardo (Unsportlichkeit). 80. Giger (Foul).

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