FC Aarau
Nach blamablem Cup-Aus: Nerven liegen blank – Präsident Schmid erklärt seinen Gränichen-Abstecher

Nach dem blamablen Erstrunden-Out im Cup beim Erstligisten FC Echallens richtet sich der Zorn der Fans auch gegen FCA-Präsident Alfred Schmid – dieser wehrt sich.

Ruedi Kuhn
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Kopie von Bildergalerie, Echallens - Aarau, 13.8.17
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Mats Hammerich kann es nicht fassen.
Lars Hunn muss sich erst mal setzen.
Verkehrte Welt. Die Waadtländer Underdogs feiern, die Aarauer Favoriten ligen am Boden.
Der FC Aarau verliert mit 1:2.
Der Platz liegt vor malerischer Kulisse.
Michael Siegfried im Zweikampf.
Damir Mehidic wird zu Fall gebracht.
Das Interesse am Spiel ist gross.
Fussball in der Provinz – die Mannschaften laufen aufs Feld.
Petar Misic springt mit vollem Einsatz.

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Noch am Sonntagabend, wenige Stunden nach dem blamablen Cup-Out in Echallens, antwortet Roger Geissberger per SMS: «Diese Woche keine Interviews möglich.» Der Vizepräsident des FC Aarau und Verantwortliche für das Ressort Sport richtet weiter aus, dass sich der Vorstand am Montag im Wallis, genauer gesagt in Geissbergers Zweitwohnsitz Bellwald, zu einer Sitzung treffe.

Eine Verwaltungsrats-Sitzung einen Tag nach dem jüngsten Tiefpunkt des monatelangen Abwärtstrends? Ist da beim FC Aarau etwas im Busch? Kommt es nach vier sieglosen Meisterschaftsspielen und dem Scheitern im Cup schon zum grossen Köpfe-Rollen?
«Nein», sagt am Montagvormittag Präsident Alfred Schmid.

«Diese Sitzung wurde schon vor langer Zeit auf diesen Termin anberaumt. Es ist allerdings klar, dass wir auch über die Aktualität und den schlechten Start in die Saison sprechen. Und im weiteren Verlauf der Woche werden wir mit dem Trainer die sportliche Situation analysieren.»

«Peinlichster Klub der Schweiz»

Schauen wir mal, wie die Analyse der Klubverantwortlichen ausfallen wird. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Und sie sind ernüchternd. Mehr noch, sie sind, gemessen an den formulierten Zielen, der blanke Horror: Zwei Unentschieden und zwei Niederlagen in der Meisterschaft und die 1:2-Pleite bei den Amateuren in Echallens sprechen für sich. Und wie so oft in Krisenzeiten lassen auch die Fans kein gutes Haar am FC Aarau.

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Auf der einen Seite werden die Spieler wegen ihrer schlechten Leistungen an den Pranger gestellt und die sportliche Leitung um Sportchef Raimondo Ponte und Vizepräsident Geissberger heftig kritisiert. Begriffe wie «peinlichster Klub der Schweiz», «unfähig» oder «schämt euch ihr Versager» gehören noch zu den harmloseren.

Und nun gerät auch plötzlich der Präsident ins Kreuzfeuer der Kritik, nachdem sich Alfred Schmid zuletzt aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und das Reden und Handeln seinem Vize Roger Geissberger überliess. Viele FCA-Anhänger werfen Schmid vor, dass er sich am Sonntag das Cupspiel zwischen Gränichen und dem FC Sion angeschaut hat.

Schmid nimmt Kritik ernst

Sie sind – verständlicherweise – der festen Überzeugung, dass der ranghöchste Funktionär seinen FC Aarau ans Spiel in Echallens hätte begleiten sollen. Weil es sich für einen Präsidenten gehöre, bei seiner Mannschaft zu sein. Umso mehr, wenn nach dem Fehlstart in die Meisterschaft und der Verunsicherung der Spieler ein Ausscheiden im Cup fast schon absehbar war.

Schmid rechtfertigt sich gegenüber der «Aargauer Zeitung». «Mein Besuch beim Cup-Fest in Gränichen war von langer Hand geplant», sagt er. «Ich hatte eine Einladung von Gränichens Präsident Samuel Keppler. Der FC Aarau und der Zweitligist haben seit vielen Jahren ein gutes Verhältnis. Und weil der FCA im Brügglifeld keinen Kunstrasenplatz hat, durften wir in der Vergangenheit immer wieder in Gränichen trainieren. Ausserdem bot sich mir am Sonntag die Gelegenheit, wieder einmal mit Sion-Präsident Christian Constantin zu sprechen.»

Schmid aber nimmt die Kritik der FCA-Fans ernst. Der Präsident gibt zu, dass er nun wirklich nicht damit gerechnet habe, dass sich der FC Aarau in Echallens «so schwer tut und verliert». Eine Fehleinschätzung, die nach zehn Jahren an der Spitze des FCA und etlichen Krisen erstaunt.

Kaum einer kennt die Mechanismen beim FCA so gut wie der Präsident «Mag sein, dass ich die Aufgabe gegen den unterklassigen Gegner etwas unterschätzt habe», sagt Schmid, «aber im Normalfall hätte sich die Mannschaft gegen den Erstligisten durchsetzen müssen. Jetzt ist es aber wichtig, dass die Spieler die richtigen Lehren aus der verpatzten Startphase ziehen.»

Jurendic will Reizpunkte setzen

Ob die Spieler die Zeichen der Zeit erkannt haben, wird sich am Sonntag im Heimspiel gegen Vaduz zeigen. Marinko Jurendic fordert von seinem Team eine Reaktion. «Das Ausscheiden in Echallens war ein herber Ausrutscher», sagt der Trainer am Morgen nach dem Cup-Out.

«Die Spieler müssen sich bewusst sein, dass die Leistung ungenügend war. Sie müssen eine Schippe drauf legen. Mir fehlt das gewisse Etwas. Ich werde jetzt viele Einzelgespräche führen. Es ist zudem gut möglich», fügt Jurendic hinzu, «dass ich den einen oder andern Reizpunkt setzen werde.» Mehr will der Trainer nicht verraten.

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