(K)eine Abschiedstournee
Mountainbiker Vogel bereitet sich auf seine wohl letzten internationalen Titelkämpfe vor

Auf den Toppositionen der Rangliste taucht Florian Vogel bisweilen immer noch auf. Etwa beim Weltcupstart in Südafrika mit einem feinen siebten Rang. Oder ganz besonders im vergangenen Jahr als vollkommen unerwarteter Europameister.

Rainer Sommerhalder
Drucken
Teilen
Nationalteam-Senior Florian Vogel.

Nationalteam-Senior Florian Vogel.

KEYSTONE

36 Jahre alt ist der gebürtige Aargauer Florian Vogel. Als junger Mountainbikerwar der Kölliker Trendsetter und Vorbild im Kanton. Inzwischen stehen andere regionale Athleten – aus einer jüngeren Generation – im Scheinwerferlicht. Zum einen, weil Vogel seit Jahren nicht mehr im Aargau, sondern mit seiner Frau und den zwei Kindern in Jona am Zürichsee lebt.

Zum andern, weil er inzwischen für das kleine deutsche Team Focus fährt und seine Renneinsätze in der Schweiz seltener geworden sind. Der Swiss Cup in Gränichen, den der Bikeprofi nach wie vor «mein Heimrennen» nennt, wird am 3. Juni die diesjährige Premiere sein.

Kein Mangel an Erfolgen

Vielleicht ist Vogel im Herbst seiner langen und erfolgreichen Karriere ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. Auf den Toppositionen der Rangliste taucht er bisweilen immer noch auf. Etwa beim Weltcupstart in Südafrika mit einem feinen siebten Rang. Oder ganz besonders im vergangenen Jahr als vollkommen unerwarteter Europameister.

«Es war zweifellos einer meiner schönsten Erfolge», sagt Vogel. 2008 errang er diesen Titel bereits einmal, «doch damals gab es das spezielle Trikot, in dem der Europameister ein Jahr lang fährt, noch nicht. Es zu tragen, bedeutet mir viel.» Ebenso sehr, dabei den langjährigen Szene-Dominator Julien Absalon abgelöst zu haben.

Neue Projekte in Planung

Als Titelverteidiger geniesst die Europameisterschaft, die Anfang August als europäisches Sportfestival zusammen mit den kontinentalen Titelkämpfen im Schwimmen, Rudern, Kunstturnen und Triathlon in Glasgow stattfindet, beinahe einen ebenso hohen Wert wie die Heim-WM einen Monat später in Lenzerheide.

Vogel sagt, dass es mutmasslich seine letzte internationale Saison ist. Den Begriff «Rücktritt» möchte er so aber nicht verwenden. «Es wird nicht mein Ende als Sportler sein. Es gibt da noch einige reizvolle Projekte auf meiner To-do-Liste.» Der zweifache Olympiateilnehmer denkt etwa an die 1000 Kilometer lange Schweiz-Umrundung Tortour, an einen 24-Stunden-Event oder das eine oder andere Mehretappenrennen.

Trainer und Extremsportler

«Extremere Sachen halt.» Immer bedeutender wird auch sein Projekt «Velocoach». Zusammen mit dem ehemaligen Konkurrenten Martin Gujan bietet er jungen Athleten Trainingspläne an. «Im Herbst beginne ich den einjährigen Berufstrainerlehrgang von Swiss Olympic. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich danach etwas in Richtung Trainer machen werde.»

Doch vorerst gehört die Aufmerksamkeit dem Leben als Athlet. «Ich bin überzeugt, dass ich weiterhin Rennen gewinnen kann, sonst würde ich den Aufwand nicht mehr auf mich nehmen», sagt Florian Vogel. Allerdings spielt auch die Familie vermehrt in seine Überlegungen und Entscheidungen mit hinein. Es falle ihm zum Beispiel schwerer als früher, für längere Zeit von zu Hause wegzugehen.

Familie geht vor

«Ich überlege mir deshalb zweimal, bei welchem Wettkampf eine frühzeitige Anreise wirklich sinnvoll ist.» Auch das Höhentrainingslager im Engadin lässt der zweimalige WM-Dritte sausen und bringt seine roten Blutkörperchen stattdessen lieber in der eigenen Wohnung im Höhenzelt in WM-Form.

Und wie wirkt sich das Alter im sportlichen Alltag aus? Vogel sagt, dass er sich nicht mehr so schnell erhole wie vor zehn Jahren. «Auch einen Sturz oder eine schlechte Matratze im Hotel vertrage ich weniger gut.» Umgekehrt helfe ihm sein Erfahrungsschatz taktisch während des Wettkampfs. «Ich kann den Rennverlauf besser lesen. Es gibt kaum eine Situation, die ich noch nicht erlebt habe. Und ich werde auch nicht mehr nervös, wenn ich plötzlich vorneweg fahre wie an der EM», sagt Vogel.

Schauen wir mal, wie weit ihn seine Coolness bei seinen wahrscheinlich letzten internationalen Titelkämpfen im September bringt.

Aktuelle Nachrichten