Mountainbike
«Ich finde es sehr enttäuschend»: Swiss Cycling schenkt 4Cross trotz spektakulärer Rennen keine Beachtung

Samuel Willimann aus Erlinsbach gehört zu den besten 4Cross-Fahrern der Schweiz. Trotz grossem Spektakel wird 4Cross kaum Aufmerksamkeit geschenkt, auch gibts von Swiss Cycling keinerlei Unterstützung. Das will der 19-jährige WM-Fahrer nun ändern.

Nicolas Blust
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Samuel Willimann (ganz links) am Start des ersten 4Cross-Finallaufs an der WM in Val di Sole.
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Der Start gelang ihm nach Mass und er konnte als Zweitplatzierter in die erste Kurve.
In der zweiten Kurve wurde der Platz aber zu eng und Willimann stürzte. Beim verzweifelten Versuch, noch einmal den Anschluss zu schaffen, stürzte der 19-Jährige erneut.
Willimann am Boden zerstört. Nach der achtschnellsten Zeit in der Qualifikation hatte er Grosses vor.
Samuel Willimann aus Erlinsbach startete bereits an seiner dritten WM. Und das im Alter von gerade einmal 19 Jahren.
Willimann am Pumptrack WM Qualifier von 2019.
Der frühere Downhillfahrer und U17-Vizeschweizermeister startet im 4 Cross und im Pumptrack. Unterstützung von Swiss Cycling erhält er aber nicht.

Samuel Willimann (ganz links) am Start des ersten 4Cross-Finallaufs an der WM in Val di Sole.

Armin Küstenbrück

Am letzten August-Wochenende fand im Val di Sole die Mountainbike-Weltmeisterschaft statt. Im Schatten der Cross Country- und Downhill-Rennen fand auch der 4Cross-Wettbewerb statt. Dieser findet aber weder in der breiten Öffentlichkeit noch bei Swiss Cycling wirklich Beachtung.

Samuel Willimann aus Erlinsbach zeigte dabei eine bärenstarke Qualifikation. Der 19-Jährige, der bereits an seiner dritten WM an den Start ging, absolvierte die achtschnellste Laufzeit und qualifizierte sich damit locker für die Finalrennen. «Ich war sehr glücklich über dieses Ergebnis. Ich konnte mein Können zeigen und mir gelang eine super Fahrt», sagt Willimann über die Qualifikation vom Freitag.

Doppeltes Sturzpech für Willimann im Finallauf

Im ersten Finallauf ging der Aargauer, der bereits im Alter von 16 Jahren an seiner ersten Weltmeisterschaft teilnahm, dann als Favorit ins Rennen. Gegen die Plätze 9, 25 und 26 kämpfte er um den Einzug ins Viertelfinale. Doch Willimann hatte Pech: «In der zweiten Kurve wurde der Platz eng und ich bin weggerutscht.» Damit war das Rennen für ihn eigentlich schon gelaufen. Für Willimann aber kein Grund, gleich aufzugeben:

«Ich habe noch einmal alles probiert, aber der Abstand nach vorne war schon zu gross.»

Aufgrund des hohen Risikos stürzte Willimann dann sogar noch einmal, was das Ausscheiden besiegelte. Ein harter Schlag für den Erlinsbacher und ehemaligen U17-Vize-Schweizer-Meister im Downhill, vor allem nach der so schnellen Qualifikation. «Es war sehr enttäuschend. Ich wusste, dass ich schnell fahren kann, deswegen habe ich mir deutlich mehr ausgerechnet. Ich hatte im ersten Moment das Gefühl, dass ich alles weggeschmissen habe», so der 19-Jährige.

Es geht Schlag auf Schlag weiter

Nun blickt Willimann aber bereits wieder guten Mutes in die Zukunft. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt ihm ohnehin nicht. Bereits am 18. September startet er am MTB-Festival in Leibstadt. «Ich will dort um den Sieg mitfahren», sagt er kämpferisch. Und eine Woche später stehen dann in Schüpfheim die Schweizer Meisterschaften im Pumptrack an, die gleichzeitig auch die WM-Qualifikation für die Schweizer Fahrer darstellt.

Pumptrack ist der neue Trend in der Schweiz. Der Sport erfreut sich grosser Beliebtheit, da wenig Budget für die Ausübung notwendig ist. Umso erstaunlicher ist es, dass weder Pumptrack noch 4Cross von Swiss Cycling unterstütz werden. Diese Situation sorgt bei Willimann für Unverständnis:

«Ich finde es sehr enttäuschend, dass von Swiss Cycling kein Interesse gezeigt wird und wir keine Unterstützung erhalten.»

Keine Unterstützung durch Swiss Cycling

Im Vergleich zu den Cross Country-Fahrern und den Downhill-Fahrern mussten sich die 4Cross-WM-Teilnehmer alles selbst organisieren und figurierten nicht einmal im offiziellen WM-Aufgebot von Swiss Cycling. Trotzdem erfreuen sich Pumptrack und 4Cross grosser Beliebtheit in der Schweiz. Willimann möchte sich daher dafür einsetzten, dass sein Sport mehr Beachtung erhält.

Der Verein «Pumptrack Aarau» setzt sich dafür ein, dass auch im Aargau Pumptracks entstehen. Damit sollen immer mehr Jungen und Mädchen die Möglichkeit erhalten, den Sport für sich zu entdecken. Damit steigt dann hoffentlich auch bei Swiss Cycling wieder das Interesse an der Sportart, damit Willimann und Co. die Unterstützung erhalten, die auch die restlichen Mountainbiker erfahren.

So funktionieren Pumptrack und 4Cross:

4Cross ist eine Wettbewerbsform, die aus mehreren Ausscheidungsrennen besteht, in denen vier Fahrer auf der gleichen kurzen downhillähnlichen Strecke gegeneinander antreten. Die ersten beiden Plätze des Laufes qualifizieren sich dabei für die nächste Runde. In der Qualifikation absolviert jeder Fahrer einzeln den Parcours und die Zeit wird gemessen. Die Schnellsten qualifizieren sich für die Finalrennen.

Ein Pumptrack kann sehr individuell gestaltet sein. Im Rennmodus wird er meist gegen die Zeit und ohne direkte Konkurrenz befahren. Es gibt allerdings auch die Variante, wo sich direkt zwei Fahrer gegeneinander duellieren und der Schnellere eine Runde weiterkommt.

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