Wer als Kind mit Lego-Steinen gespielt hat, kennt das Vorgehen. Geduldig Bauklotz auf Bauklotz türmen und mit der Zeit entsteht ein Kunstwerk. Kein fragiles Kartenhaus, sondern ein auf solidem Fundament gebautes Konstrukt.

Das junge Berner Curlingteam rund um den Solothurner Skip Yannick Schwaller, die beiden Aargauer Romano Meier (Ehrendingen) und Marcel Käufeler (Wettingen) sowie dem Ostschweizer Michael Brunner hat sich die Lego-Taktik zu Herzen genommen, seit es sich vor gut zwei Jahren mit dem Antrittsversprechen eines früheren Junioren-Weltmeistertitels aufgemacht hat, die internationale Curlingszene aufzumischen. Keine spektakulären Sprünge, aber kontinuierlich Stein für Stein seine Duftmarke hinterlassen. Und dies gegen immer stärkere Konkurrenten.

Riesenschritt in der Weltrangliste

Jüngst scheiterten Schwaller und Co. beim Basler Weltcupturnier erst im Halbfinal an der schwedischen Weltnummer 2 Niklas Edin. Selbst hat man sich in den letzten 18 Monaten im World Ranking von Platz 65 auf Position 15 verbessert. Dazu vor kurzem bei einer Kanada-Tournee in der noch jungen Saison in Oakville erstmals ein Weltcupturnier für sich entschieden und vor zwei Wochen auf höchst souveräne Art und Weise die Schweizer Ausscheidung für die Studenten-WM im März in Sibirien gewonnen.

Apropos Qualifikation. Der 28. Oktober ist Stichtag, wer die Schweiz Mitte November an der Europameisterschaft in Estland vertreten darf. Bisher machten die besten Teams dies in sogenannten Trials aus, nun reist erstmals die Schweizer Nummer 1 der laufenden Weltcupsaison an die EM. Mit der Regeländerung will der Verband verhindern, dass die Teams wegen den nationalen Trials wichtige internationale Termine verpassen. Das Rennen zwischen dem Schwaller-Team und den Olympia-Teilnehmern 2018 um den Genfer Skip Peter De Cruz gleicht einem Hitchcock-Thriller. Derzeit liegt das Team mit dem Aargauer Duo dank dem Sieg in Kanada, der Halbfinal-Qualifikation in Basel sowie zwei weiteren Viertelfinals knapp vorne. Am kommenden Wochenende werden bei der Weltcupveranstaltung in Champéry die Karten nochmals gemischt.

Die erste EM-Teilnahme bei der Elite wäre ein weiterer Meilenstein in der Bilderbuch-Karriere des Schwaller-Teams. Ein Highlight hat das Quartett dank seinem Steigerungslauf bereits unmittelbar vor sich. In der letzten Oktober-Woche reist man nach Kanada an das erste Grand-Slam-Turnier. Nur die besten 15 Teams der Welt erhalten für die sechs Grand Slams (plus das Finalturnier Ende Saison) eine Einladung. «Ein solcher Wettkampf in Kanada ist für jeden ambitionierten Curler ein erstrebenswertes Ziel», sagt Meier voller Vorfreude.

Beim reinen Erlebnis soll es für die vier 23 und 24 Jahre alten Spieler nicht bleiben, schliesslich sind bei der Lego-Taktik längst noch nicht alle Bauklötze an ihrem Ort. Die Weltmeisterschaft im April in Kanada und die Olympischen Spiele 2022 in China gehören zu den ganz grossen Fernzielen der aufstrebenden Schweizer Curler.

Fünf verschiedene Mentaltrainer

Um ihre Träume in die Realität umzusetzen, betreibt das Quartett einen grossen Aufwand. Alleine sechsmal fliegt das Team in dieser Saison für einen Turnierblock ins Ausland. Mehrmals Kanada, aber auch Schottland und China lauten die Destinationen. Um den Weg von talentierten Sportlern zu wahren Champions (Marcel Käufeler: «Gut Curling spielen können viele Teams, aber punkto professionellem Verhalten und mentaler Stärke ragen die Allerbesten heraus.») zu schaffen, vertrauen alle vier Spieler neben der Zusammenarbeit mit den beiden Teamcoaches und den Nationaltrainern je auf einen eigenen Mentaltrainer. Zudem betreut der bekannte Solothurner Sportpsychologe Jörg Wetzel die Curler im Mandatsverhältnis.

Durchschnittlich alle zwei Wochen trifft man sich, um gemeinsam Themen rund um die Mannschaft zu besprechen. Schliesslich muss man sich auch einig sein, wo der nächste Lego-Stein platziert werden soll. Nur so ergibt sich letztlich das angestrebte Gesamtkunstwerk.