Ringen
Michael Bucher ist mit 17 Jahren bereits ein Vorbild

Was zu Saisonbeginn unmöglich schien, ist eingetroffen. Die Freiämter Ringer schnappten Willisau den NLA-Finalplatz weg. Eine wichtige Rolle spielt Michael Bucher. Das 17-jährige Talent opfert sich für die Mannschaft auf.

Wolfgang Rytz
Merken
Drucken
Teilen
Michael Bucher (blauer Dress) beim Sieg im Halbfinal gegen Willisau.

Michael Bucher (blauer Dress) beim Sieg im Halbfinal gegen Willisau.

wr

Nach Reto Bucher und Pascal Strebel, die sich beide für Olympia qualifizierten, ruhen die Zukunftshoffnungen der Aargauer Ringerhochburg nun auf dem 17-jährigen Merenschwander Michael Bucher, der nicht verwandt ist mit Reto, ihn aber wie Strebel als Vorbild nennt.

«Natürlich habe ich die Olympischen Spiele im Kopf», sagt der Reusstaler, er habe aber gesehen, wie schwer dieses Ziel zu erreichen sei. Wie seine Vorbilder lernt er bei Elektro Bütler in Muri Elektroinstallateur und geniesst dadurch optimale Trainingsbedingungen.

Der Dämpfer...

Auf die Ringermatte fand er mit fünf Jahren durch seine zwei Halbbrüder. Das Talent gab 2012 seinen Einstand in der Nationalliga A, und zwar in der damaligen Gewichtsklasse bis 55 kg. Letztes Jahr kämpfte er bis 60 kg und gewann in zehn von elf Einsätzen. Im Frühjahr feierte er mit Rang 9 an der Kadetten-Europameisterschaft in Bulgarien seinen bisher grössten Erfolg.

«Da habe ich gesehen, dass sich der Aufwand lohnt und ich auch international etwas erreichen kann.» Doch der Dämpfer folgte sogleich. Rückenprobleme hielten ihn fünf Monate von der Matte fern. Der Ehrgeizigste der jungen Freiämter musste sich in dieser Zeit auf Grundlagentraining beschränken, während er ärztlich und physiotherapeutisch betreut wurde.

Kaum auf der Matte zurück, offenbarte der Freistilspezialist seinen bedingungslosen Kampfgeist. Er kam nun bis 65 kg zum Einsatz. Der Trainingsrückstand hatte zwei Niederlagen in den ersten drei Kämpfen zur Folge. «Ich war übermotiviert, aber es ging von Kampf zu Kampf besser», blickt er zurück.

...und die verrückte Idee

Dann überraschte Michi Bucher in der Rückrunde Trainer Thomas Murer mit dem Wunsch, gegen Willisau bis 61 kg zu ringen. Der Rest ist bekannt. Freiamt erstarkte ausgerechnet gegen den Leader. Trotz 16:19-Niederlage reifte in dieser Begegnung die Überzeugung für einen Exploit im Halbfinal.

Dass der Jüngste im Team die Initialzündung gab, ist symptomatisch für Buchers Bereitschaft. Er mag nicht darüber sprechen, wie viele Kilos er dazu abhungern muss. Sein Normalgewicht liegt deutlich über 65 kg. Im zweiten Halbfinal zollte er der Tortur Tribut, weil ihn die Kräfte in der zweiten Kampfrunde verliessen. Aber mit eisernem Willen rettete er den Punktevorsprung über die Zeit. «Daraus habe ich gelernt», sagt er. «Ich muss unter der Woche mehr trinken.»

Das ist der Stil von Michi Bucher: Er verarbeitet negative Erfahrungen mit positivem Denken und strotzt vor Zuversicht. Dazu gehören die verarbeiteten Rückenprobleme wie auch der Glaube an weitere Erfolge. Nächster Fixpunkt ist der erste Finalsieg heute Samstagabend in Widnau gegen Kriessern. Mit seiner kompromisslosen Einstellung zeigt er seinen Teamkollegen den Weg.